«Wir sind Kirche»: Kardinal Marx soll handeln

15.08.2021 Sein Rücktrittsangebot an den Papst war eine Überraschung. Das rasche Nein aus Rom an den Münchner Kardinal Marx auch. Reformbewegungen in der Erzdiözese sehen nun die Chance zum Aufbruch. Und Marx selbst?

«Wir sind Kirche»-Sprecher Christian Weisner spricht bei einer Pressekonferenz. Foto: Armin Weigel/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die katholische Reformbewegung «Wir sind Kirche» hat den Münchner Kardinal Reinhard Marx zu mutigen und raschen Veränderungen in seiner Erzdiözese aufgerufen. Nach seinem vom Papst nicht akzeptierten Rücktrittsgesuch solle der Erzbischof «die derzeitige Hängepartie beenden und handeln», forderte «Wir sind Kirche»-Sprecher Christian Weisner.

«Marx könnte den neuen Spielraum, den er mit der Antwort des Papstes bekommen hat, in seinem Erzbistum für Reformen nutzen und anderen Bischöfen ein Vorbild sein», sagte Weisner der Deutschen Presse-Agentur. «Das tut er aber leider nicht.»

Der Kardinal hatte wegen des Missbrauchsskandals in der Kirche Anfang Juni seinen Amtsverzicht als Erzbischof von München und Freising angeboten. Papst Franziskus lehnte den Rücktritt aber wenig später ab. Er ermutigte Marx stattdessen, auf seinem Weg voranzugehen: «Mach weiter, so wie Du es vorschlägst», schrieb das Kirchenoberhaupt.

Ein Münchner Netzwerk katholischer Verbände und Reformgruppen, zu dem auch «Wir sind Kirche» gehört, hatte Marx daraufhin zu mehr Wandel aufgefordert. Mögliche konkrete Schritte seien etwa: Nicht nur Priester, sondern alle pastoral Mitarbeitenden sollen Taufen vornehmen, Ehepaare trauen, Beerdigungen halten und in Eucharistiefeiern predigen dürfen. Frauen sollen generell in allen kirchlichen Diensten und Ämtern gleichberechtigt sein.

Die Reformer der Kirchenbasis fordern auch: Die Leitung der Erzdiözese soll sich klar für den Reformprozess Synodaler Weg einsetzen - und zugleich Haltung zeigen gegen diskriminierende und rückwärtsgewandte Positionen in der Kirche.

Bisher sei Marx auf die konkreten Vorschläge und Forderungen des Netzwerkes nicht eingegangen, sagte Weisner. Der Erzbischof stoße zwar immer wieder neue Prozesse an und kündige viel an. «Aber wenn es konkret werden müsste, zögert er immer noch.»

Der Erzbischof hatte nach dem Nein des Papstes zu seinem Amtsverzicht in einem Hirtenbrief an die Kirchenbasis selbst angekündigt, «nicht einfach zur Tagesordnung überzugehen». Was das heiße, werde er mit den Gremien der Erzdiözese überlegen.

Allerdings hatte Marx zugleich auch ein neues Rücktrittsgesuch an den Papst nicht ausgeschlossen. «Wenn sich eine neue Situation ergibt oder veränderte Umstände, die meinen Dienst grundsätzlich in Frage stellen, werde ich prüfen, ob ich nicht erneut das Gespräch mit dem Heiligen Vater suchen sollte», schrieb er in dem Hirtenbrief damals.

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