Streik legt große Teile des Bahnverkehrs in Bayern lahm

11.08.2021 Bahnstreik in der Urlaubszeit: Für viele Reisende und Pendler in Bayern bedeutete der Arbeitskampf lange Wartezeiten und volle Züge. Das Angebot war eingeschränkt und auch die S-Bahnen in München betroffen.

Fahrgäste gehen durch die Haupthalle des Münchner Hauptbahnhof. Foto: Felix Hörhager/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Streik der Lokomotivführergewerkschaft GDL bei der Deutschen Bahn hat in Bayern für zahlreiche Zugausfälle und volle Züge gesorgt. Im Fernverkehr entfielen rund 75 Prozent der Züge, im Regionalverkehr der Bahn etwa die Hälfte, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Der Ersatzfahrplan habe aber stabil funktioniert, sagte eine Sprecherin. Die GDL Bayern geht im Regionalverkehr sogar von einer Ausfallquote von rund 60 Prozent aus.

Bayern war damit laut Bahn ähnlich stark betroffen wie der bundesweite Durchschnitt. Regionale Streikschwerpunkte innerhalb des Freistaats gab es nicht. Die Sprecherin zeigte sich mit dem Funktionieren des Ersatzfahrplans zufrieden. Es sei gelungen, ihn trotz der kurzen Streikankündigung aufzustellen. Auch bei der GDL Bayern war man mit dem Verlauf zufrieden. Organisation und Beteiligung seien gut gewesen und es habe keine Zwischenfälle gegeben.

Nach Bahnangaben waren die fahrenden Züge voll, «aber nicht überfüllt». Die Kunden hätten sich auf die veränderte Situation eingestellt. Die Bahn hatte sie aufgerufen, wenn möglich auf verschiebbare Reisen zu verzichten.

Bereits gebuchte Tickets für den Fernverkehr können laut Bahn bis zum 20. August flexibel genutzt werden. Zugbindungen bei Sparangeboten sind aufgehoben, zudem können für Weiterfahrten auch andere Züge genutzt werden. Alternativ können sich Kunden ihre Tickets kostenfrei erstatten lassen.

Für den Donnerstag, an dem die GDL erneut zum Streik aufgerufen hat, erwartet die Bahn eine ähnliche Situation wie am Mittwoch. Schon seit Dienstagabend bestreikt die GDL den Güterverkehr. Die Gewerkschaft kämpft um mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitglieder.

Neben klassischem Bahnverkehr war unter anderem auch die S-Bahn in München betroffen. In München sollten die S-Bahnen mindestens im Stundentakt fahren. Auf einigen Linien innerhalb der Landeshauptstadt auch im Abstand von 20 bis 40 Minuten. Für die S8 zum Flughafen sieht der Ersatzfahrplan einen generellen 20-Minuten-Takt vor.

Nicht bestreikt werden Konkurrenten der Deutschen Bahn. So sind etwa im Regionalverkehr in Bayern auf vielen Strecken Privatbahnen unterwegs. Infolge des Streiks waren aber auch bei ihnen Einschränkungen möglich.

Am Dienstag hatte die Gewerkschaft angekündigt, den Fern- und Regionalverkehr ab Mittwoch, 2.00 Uhr, für 48 Stunden bundesweit zu bestreiken. Der Fahrgastverband Pro Bahn Bayern kritisierte die Streikankündigung als zu knapp. Mit mehr Vorlauf hätten sich die Menschen besser einstellen können.

Die GDL-Mitglieder verlangen in dem Tarifkonflikt eine Corona-Prämie von 600 Euro und 3,2 Prozent mehr Geld in zwei Stufen. Die Bahn will die Erhöhung nach den Corona-Verlusten über eine längere Zeit strecken. Dahinter schwelt in der Belegschaft ein Streit zwischen GDL und der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG darum, wer letztlich die Tarifverträge mit dem Unternehmen maßgeblich aushandelt.

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