Allianz trotzt Stürmen: Bäte bildet Reserve gegen US-Klagen

06.08.2021 Für Versicherungen sind die Zeiten schwierig: Sowohl die Corona-Pandemie als auch die nicht enden wollenden Unwetter sind teuer. Die Allianz kämpft zudem mit der gefürchteten US-Justiz. Doch Konzernchef Bäte gibt sich als Fels in der Brandung.

Oliver Bäte, Vorstandsvorsitzender der Allianz SE. Foto: Jason Decrow/FR103966 AP/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Allianz verbreitet ungeachtet hoher Unwetterschäden und teurer Rechtsstreitigkeiten in den USA Optimismus. Nach einem unerwartet guten zweiten Quartal peilt der Münchner Versicherungskonzern beim operativen Ergebnis die obere Hälfte seiner Zielspanne von 11 bis 13 Milliarden Euro an. Der Jahresüberschuss allerdings könnte wegen der Probleme in den USA leiden, Finanzchef Giulio Terzariol sprach am Freitag von «potenziell negativen Auswirkungen». Mehrere US-Investoren sind vor Gericht gezogen, weil sie die Allianz-Vermögensverwaltung AGI für Milliardenverluste bei Fonds verantwortlich machen. Nach der amerikanischen Finanzaufsicht SEC hat sich auch das US-Justizministerium eingeschaltet, um die Vorwürfe zu untersuchen. 

Vorstandschef Oliver Bäte will deswegen so bald wie möglich Rückstellungen bilden, zu deren Höhe der Manager nichts sagte. «Dieser Event wird Spuren hinterlassen, aber die Allianz nicht von ihrem erfolgreichen Weg abbringen», betonte Bäte. Besorgten Aktionären stellte er in Aussicht, dass die Dividende zumindest nicht gekürzt werden soll: «Das Minimum ist immer die letzte Dividende. Das steht bei uns eigentlich nie in Frage.»

Die drohenden Belastungen nach der Unwetterserie und den Überschwemmungen dieses Sommers fallen jedoch vergleichsweise gering aus. Bäte erwartet zwar, dass die Allianz an Kunden in Deutschland und Nachbarländern mehr als 900 Millionen Euro für die Schäden auszahlen wird. Da die Allianz sich aber selbst rückversichert hat, bezifferte Finanzchef Terzariol die Nettobelastung für den Konzern mit 400 Millionen Euro auf weniger als die Hälfte dieser Summe.

Das Tiefdruckgebiet «Bernd» mit lang anhaltendem Starkregen hatte in mehreren Ländern Zerstörungen angerichtet. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) schätzt die versicherten Schäden allein in der Bundesrepublik bisher auf 4,5 bis 5,5 Milliarden Euro. Abgesehen von «Bernd» kostete das Sturmtief «Volker» im Juni die Allianz rund 300 Millionen Euro.  

Dennoch erzielte die Allianz im zweiten Quartal einen operativen Gewinn von 3,3 Milliarden Euro - rund 29 Prozent mehr als im coronageprägten Vorjahreszeitraum. Vor allem die Lebens- und Krankenversicherung sowie die Vermögensverwaltung warfen unerwartet viel Geld ab. Der Konzernumsatz legte um elf Prozent auf 34,3 Milliarden Euro zu. Der auf die Aktionäre entfallende Nettogewinn wuchs um 46 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro und übertraf damit ebenfalls die Erwartungen.  

Auch die Vermögensverwaltung mit den zwei Tochtergesellschaften Pimco und AGI ist erfolgreich, obwohl letztere mit den US-Klagen zu kämpfen hat. Im zweiten Quartal legten die Kunden netto rund 26 Milliarden Euro zusätzlich bei den beiden Unternehmen an, davon 17 Milliarden bei der bedrängten AGI: «Das ist spitze», stellte sich Bäte vor die Tochtergesellschaft, und sicherte deren Mitarbeitern zu: «Der Vorstand steht an Ihrer Seite.» 

Die Kläger, zu denen nach US-Medienberichten unter anderem die New Yorker Metro, der Lehrer-Pensionsfonds im Bundesstaat Arkansas und die Gewerkschaft Teamsters gehören, werfen AGI coronabedingte Milliardenverluste vor. Kern der Vorwürfe ist, dass die Fondsmanager die eigenen Richtlinien nicht eingehalten haben sollen. Das soll dann wiederum die hohen Verluste der Investoren verursacht haben. Ungeachtet von Bätes Dankesworten an die AGI lässt der Vorstand die Vorwürfe auch intern überprüfen. Wie teuer die Angelegenheit für die Allianz wird, ist laut Bäte noch nicht einzuschätzen. «Sobald die Voraussetzungen erfüllt sind, werden wir Rückstellungen bilden».

Als erfreuliche Nachricht für die Aktionäre will Deutschlands größter Versicherer für bis zu 750 Millionen Euro eigene Aktien von Anlegern zurückkaufen und einziehen in der Hoffnung, dass sich das positiv auf den Kurs auswirkt. Das Rückkaufprogramm soll noch im August beginnen und spätestens Ende des Jahres abgeschlossen sein. Die Börse reagierte positiv: Allianz-Aktien legten bis Freitagmittag um knapp drei Prozent zu, nachdem sie am Montag eingebrochen waren.

© dpa-infocom GmbH

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