Frauenabend in Bayreuth: Jubel nach «Holländer»-Premiere

25.07.2021 Es war der Abend der Frauen in Bayreuth: Dirigentin Oksana Lyniv ist nach ihrem Debüt bei der Premiere der neuen Produktion bei den Richard-Wagner-Festspielen am Sonntagabend begeistert gefeiert worden. Übertroffen wurde der Jubel für die 43-Jährige, die als erste Frau eine Oper bei den berühmten Festspielen dirigierte, nur von dem für eine andere Bayreuth-Debütantin: Die litauische Sopranistin Asmik Grigorian war in der Rolle der Senta aus «Der fliegende Holländer» der erklärte Star des Abends. Die Zuschauer hielt es nicht mehr auf den Sitzen, als sie sich nach der gut zweistündigen Oper vor dem Publikum verbeugte.

Eröffnung der Richard-Wagner-Festspiele 2021 mit einer Neuinszenierung der Oper «Der fliegende Holländer». Foto: Nicolas Armer/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Als ihr männlicher Gegenpart, John Lundgren in der Titelrolle des «Holländers», nach ihr vor den Vorhang trat, setzten sich dagegen viele wieder hin. Dabei hatte er - wie auch der Bayreuther Publikumsliebling Georg Zeppenfeld als Daland und Eric Cutler als Erik - durchaus ebenfalls eine starke Leistung abgeliefert. Grigorian aber sang sie alle an die Wand.

Erwartbare und einigermaßen einhellige Buhs gab es für das Regieteam um Dmitri Tcherniakov für eine Inszenierung mit guter Grundidee aber ausbaubarer Umsetzung. Er hatte die romantische Wagner-Oper als Rache-Geschichte à la Graf von Monte Christo auf die Bühne bringen wollen, scheiterte damit aber wegen einer allzu schlichten Umsetzung mit leblosem Bühnenbild und problematischer Figurenführung, die es den Sängern sehr schwer machte.

Überraschend dagegen waren einige Buhs für den Chor, der normalerweise vom Publikum traditionell sehr bejubelt wird. Zwar trat dieser tatsächlich deutlich weniger stimmgewaltig auf als sonst, das war aber - wie so vieles in dieser Zeit - wohl in erster Linie der Corona-Pandemie geschuldet. Deswegen durfte nämlich nur die Hälfte des Chores auf der Bühne stehen und dabei das Singen nur mimen. Die andere Hälfte sang auf einer Probenbühne und wurde live eingespielt. Die Festspiele sollen am Montag fortgesetzt werden mit der Wiederaufnahme der «Meistersinger»-Inszenierung von Barrie Kosky in ihrem letzten Jahr.

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