BIHK: 20.000 Lehrlinge fehlen

23.07.2021 Trotz Corona-Pandemie leiden viele Firmen in Bayern unter einer Lehrstellenkrise: Es fehlen nicht die Ausbildungsplätze, sondern die Bewerber. Gleichzeitig gibt es immer noch Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz finden.

Lehrlinge arbeiten in einem Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer an einem Mauerwerk. Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In Bayern fehlen in diesem Jahr voraussichtlich 20.000 Lehrlinge. Ungeachtet der Corona-Pandemie wird für die bayerische Wirtschaft der Mangel an potenziellen Bewerbern ein immer größeres Problem. Hauptursache ist die sinkende Zahl der Schulabgängerinnen und -abgänger. Der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) appellierte am Freitag an die Jugendlichen, sich trotz der coronabedingten Schwierigkeiten auf die Suche nach einem Ausbildungsplatz zu machen.

«Unversorgte und unentschlossene Schulabgänger haben auch jetzt noch alle Chancen, eine geeignete Ausbildungsstelle zu finden», sagte BIHK-Präsident Klaus Josef Lutz. Die Zahlen: Derzeit gibt es im Freistaat noch knapp 41.000 unbesetzte Lehrstellen, aber nur 20.800 Jugendliche, die bislang keine Ausbildungsstelle gefunden haben. Das berichtete der BIHK unter Verweis auf die Statistiken der Arbeitsagentur. Damit könnte die Lücke deutlich größer ausfallen als im vergangenen Jahr, als 16.000 Lehrstellen unbesetzt geblieben waren.

Heuer bieten Bayerns Unternehmen coronabedingt zwar deutlich weniger Lehrstellen an - laut BIHK minus sechs Prozent - aber die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber ist noch stärker um elf Prozent geschrumpft. «Wir setzen auf einen Aufholeffekt bis zum Beginn des Ausbildungsjahres im September», sagte Lutz. «Durch die Corona-Beschränkungen haben sich viele Abläufe verzögert.»

Trotz des sehr großen Angebots gibt es nach wie vor Jugendliche, die keine Lehrstelle finden. So hatten Ende September vergangenen Jahres 1269 Bewerber keinen Ausbildungsvertrag unterschrieben, wie eine Sprecherin der bayerischen Arbeitsagentur-Regionaldirektion in Nürnberg sagte.

In diesem Jahr sei die Situation für die Jugendlichen mit rechnerisch zwei Ausbildungsplätzen pro Bewerber jedoch sehr gut. Ein womöglich coronabedingter Trend, der die Lehrlingssuche für die Unternehmen erschwert: Realschüler entscheiden sich demnach nach vermehrt nicht für die Ausbildung, sondern wechseln auf Gymnasien oder andere weiterführende Schulen.

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