Umfrage: Jeder zehnte Gymnasiast hat psychische Probleme

19.07.2021 Lernrückstände und Entwicklungsstörungen - Bayerns Gymnasiasten brauchen neben fachlicher Unterstützung auch psychosoziale Hilfe zur Aufarbeitung der Krise.

«Coronavirus» steht auf einer Tafel in einem leeren Klassenzimmer. Foto: Armin Weigel/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Jeder zehnte Gymnasiast in Bayern braucht einer Umfrage zufolge professionelle Hilfe zur Aufarbeitung der Corona-Krise. Die Hälfte der befragten Klassenleitungen habe angegeben, «dass mindestens drei oder sogar mehr als vier Lernende ihrer Klasse nach dem zweiten Corona-Schuljahr erheblichen psychosozialen Unterstützungsbedarf haben - wir reden hier von zehn Prozent der bayerischen Gymnasiasten», sagte Michael Schwägerl, Vorsitzender des bayerischen Philologenverbandes (bpv), am Montag in München.

Zum Ende des Schuljahres hatte der bpv unter seinen Mitgliedern, die überwiegend an den Gymnasien im Freistaat beschäftigt sind, eine Umfrage zur Lage an den Gymnasien und Beruflichen Oberschulen durchgeführt. Rund 2000 Lehrer hatten sich laut Schwägerl daran beteiligt. Dabei sei herausgekommen, dass es in 85 Prozent der Klassen Schüler mit Unterstützungsbedarf im psychosozialen Bereich gebe. In der Hälfte der Klassen benötigten drei und mehr Schüler professionelle Hilfe.

Lernrückstände sind demnach nur ein Teil des Problems. Viel dramatischer seien pandemiebedingte Entwicklungsstörungen bei Jugendlichen. Hierzu zählen beispielsweise Depressionen, Essstörungen, Verhaltens- und Lernschwierigkeiten oder Prüfungsängste. Um diese in den Griff zu bekommen, brauche es zum einen mehr Zeit für Gespräche und zum anderen mehr Personal, sagte Schwägerl. Ein Großteil der Befragten habe sich außerdem für kleinere Lerngruppen eingesetzt.

Auch der Aspekt der Sprache sei nicht zu unterschätzen. Schüler, die über Monate im Distanzunterricht waren und zu Hause kein Deutsch sprechen, seien auf die Schule angewiesen. Deshalb müsse alles dafür getan werden, die Schulen im Herbst offen zu halten und maximalen Gesundheitsschutz zu garantieren. Zudem sind der Umfrage zufolge nur ein Drittel der Lehrer mit dem Luftaustausch in den Unterrichtsräumen zufrieden. Damit auch im Herbst Unterricht in Präsenz garantiert werden kann, fordern die Mitglieder der bpv einen Raumluftreiniger pro Klassenzimmer. «Die Fehler aus dem Herbst 2020 dürfen sich nicht wiederholen», sagte Schwägerl.

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