Doppelmord aus Eifersucht? Prozess gegen 58-Jährigen

16.07.2021 Weil er die Trennung nicht akzeptieren konnte, soll ein frisch aus der Haft entlassener Mann in der Oberpfalz seine Ex-Freundin und deren neuen Lebensgefährten erstochen haben. Nun wird dem 58-Jährigen in Amberg der Prozess gemacht. Der Vorwurf lautet: Doppelmord.

Blick auf die Justitia über dem Eingang eines Gerichts. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Rasend vor Eifersucht soll ein Mann in der Oberpfalz Ende Juni 2020 seine Ex-Lebensgefährtin und deren neuen Partner getötet haben. Seit Freitag muss sich der 58-Jährige vor dem Landgericht Amberg verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Doppelmord vor - heimtückisch und aus niederen Beweggründen. Zum Prozessauftakt schwieg der Mann. Seine Augen verbarg er hinter einer Sonnenbrille, Blickkontakt zu den Angehörigen der Toten vermied er.

Der Anklage nach attackierte der Deutsche seine Opfer auf der Terrasse vor dem Haus der Frau in Schwandorf. Das Paar habe friedlich beim Grillen zusammengesessen und nicht mit einem Angriff gerechnet - wenngleich sie seit einiger Zeit von dem Mann bedroht worden seien und deswegen Angst gehabt hätten, sagte der Staatsanwalt.

Der Angeklagte soll zuerst den 69 Jahre alten Mann mit dem Messer verletzt haben, der daraufhin mit dem Stuhl nach hinten kippte. Die 57-jährige Frau sei sofort in ihre Wohnung im Erdgeschoss des Mehrparteienhauses geflüchtet, wohin ihr der Angreifer gefolgt sei. Der 69-Jährige habe sich aufrappeln können und einen Knüppel genommen, den er wegen früherer Drohungen bereit gelegt hatte. Im Haus habe er dem Angreifer - der gerade die Frau verletzte - mit dem Knüppel zweimal auf den Kopf geschlagen. Daraufhin soll der Angeklagte den Mann tödlich verletzt haben.

Der Staatsanwalt sprach von Eifersucht, Rache und «absolutem Vernichtungswillen». Zudem habe der Angeklagte die beiden blutüberströmten Körper teilweise entkleidet und in sexueller Pose übereinander gelegt, um die Toten zu demütigen.

Als der 69-Jährige am Montagmorgen nicht zur Arbeit erschien, riefen Kollegen die Polizei, die die Leichen in der Wohnung entdeckte. Die Adoptivtochter des neuen Lebenspartners sagte als Zeugin vor Gericht, sie habe sich auch schon Sorgen gemacht gehabt, weil sie den 69-Jährigen seit Samstagabend nicht mehr erreichen konnte. Sie hätte Montagmittag ebenfalls zur Polizei gehen wollen.

Den Tatabend konnten die Ermittler den Angaben nach auch deshalb rekonstruieren, weil im Garten des Wohnhauses eine Wildtier-Kamera installiert war, die Teile des Geschehens aufgezeichnet hatte. Die Frau hatte kurz vor der Tat bei der Polizei bereits Anzeige gegen ihren Ex-Freund erstattet, weil dieser sie per Handynachrichten bedrohte.

Der Fall hatte im vergangenen Sommer Schlagzeilen gemacht, unter anderem weil der Verdächtige nach der Tat tagelang mit dem Fahrrad auf der Flucht war. Er wurde in Tschechien gefasst und nach Deutschland ausgeliefert. Erst im Mai 2020 war der Mann laut Anklage nach knapp einjähriger Haft aus dem Gefängnis entlassen worden. Die Frau hatte sich von ihm noch vor dessen Inhaftierung getrennt.

© dpa-infocom GmbH

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