Hilfe für Opfer der Gewalttat von Würzburg

07.07.2021 Einen Terroranschlag oder Amoklauf mitzuerleben, kann Menschen schwer traumatisieren - deshalb gibt es für Opfer dieser schlimmen Ereignisse in Bayern einen zentralen Ansprechpartner. Auch Zeugen von Verbrechen sollten den Anruf dort nicht scheuen.

Trauerkerzen und Blumen, sowie ein Kranz der Stadt Würzburg, liegen am Tatort. Foto: Nicolas Armer/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Opfer und Angehörigen der Messerattacke von Würzburg können sich mit ihren Fragen an das Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS) in Bayreuth wenden. «Ich habe bisher Kontakt zu einigen Angehörigen gehabt», sagte der beim ZBFS angegliederte Zentrale Ansprechpartner in Bayern für Opfer von Terroranschlägen und Gewalttaten, Erwin Manger, der Deutschen Presse-Agentur.

«Nach so einer schrecklichen Gewalttat benötigen einige Menschen allerdings zunächst Abstand und Ruhe, bevor sie in Kontakt mit Behörden treten wollen. Denjenigen werde ich auf geeignetem Wege ein Gesprächsangebot unterbreiten.» Wichtig sei, dass diesen Menschen nun schnell geholfen werde, etwa durch Vermittlung von psychologischer Betreuung.

Nach Angaben des Sozialministeriums können sich Gewaltopfer etwa in Traumaambulanzen helfen lassen. Bayernweit gebe es derzeit 16 davon für Erwachsene und 13 für Kinder und Jugendliche.

Mangers Funktion wird in anderen Bundesländern Opferschutzbeauftragter genannt. Der Jurist kümmert sich nach eigenen Worten beispielsweise um Fragen wie Bestattungskosten, Entschädigungen für Verletzte, Versorgung für die Hinterbliebenen sowie Heil- und Krankenbehandlungen.

Ein Somalier hatte am 25. Juni in der Würzburger Innenstadt auf mehrere Menschen eingestochen, die er nicht gekannt haben soll. Drei Frauen starben in einem Kaufhaus. Fünf Menschen verletzte der Flüchtling mit einem Messer lebensgefährlich, vier erlitten leichte Verletzungen. Die Polizei hält es für naheliegend, dass der 24-Jährige islamistisch motiviert war. Allerdings wird auch eine psychische Störung nicht ausgeschlossen.

Manger sagte, auch Zeugen der brutalen Attacke in Würzburg könnten sich an ihn wenden. Er werde zudem mit den Opferbetreuern der Polizei sprechen und sich abstimmen, wann der geeignetste Zeitpunkt für die Kontaktaufnahme ist. «Ich will den Menschen das Gefühl geben, dass man sie nicht alleine lässt.»

Am 21. November 2019 hat das Sozialministerium den Vizepräsidenten des ZBFS, Erwin Manger, zum «Zentralen Ansprechpartner für Opfer von Terror und von auf Straftaten beruhenden Großschadensereignissen in Bayern» bestellt. Manger koordiniert den Opferschutz im Freistaat.

Auch arbeite er mit dem Weißen Ring als Opferhilfeorganisation zusammen, sagte er. Auf Bundesebene war die Stelle des Opferbeauftragten nach dem Anschlag 2016 auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin, bei dem elf Menschen getötet wurden, geschaffen worden. Der Täter hatte vorher einen polnischen Lastwagenfahrer erschossen.

Der Zentrale Ansprechpartner schaltete sich im Freistaat etwa ein, nachdem 2020 ein Deutscher kurdischer Abstammung mehrere Anschläge auf türkische Läden im multikulturell geprägten, oberbayerischen Waldkraiburg beging.

Der Weiße Ring startete nach der Messerattacke in der Mainstadt einen Spendenaufruf. «Niemand sollte nach so einer traumatischen Erfahrung allein bleiben», sagte der Landesvorsitzende Bayern-Nord des Vereins, Josef Wittmann. Er forderte die Öffentlichkeit auf, den Blick vor allem auf die Opfer zu richten und nicht auf den Täter.

«Betroffene von Gewalttaten können Entschädigungsleistungen nach dem Opferentschädigungsgesetz beantragen», sagte Sozialministerin Carolina Trautner (CSU). Das ist etwa wichtig, wenn Betroffene vom Täter keinen Schadenersatz bekommen können - dann erhalten sie unter bestimmten Voraussetzungen einzelne Leistungen wie beispielsweise monatliche Rentenzahlungen vom Staat.

Das Ministerium verweist darauf, dass die in Würzburg von der Messerattacke betroffenen Menschen auch ein Anspruch auf Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung haben könnten. Dies betreffe die Beschäftigten im Kaufhaus oder der Geschäfte entlang der Tatstrecke, die Ersthelfer und diejenigen, die andere geschützt hätten.

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