Rummenigge: «Kann etwas neutraler agieren»

03.06.2021 DFB-Boss? UEFA-Chef? Solche Spitzenämter strebt Karl-Heinz Rummenigge nicht an. Aber so ganz gehen? Das konnte auch Uli Hoeneß nicht. Rummenigge will noch «etwas zurückgeben».

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef vom FC Bayern München. Foto: Matthias Balk/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

So ganz aus dem Fußball kann sich Karl-Heinz Rummenigge wohl doch nicht zurückziehen. Der langjährige Vorstandschef des FC Bayern gibt seinen Führungsposten bei den Münchnern zwar vorzeitig zum 30. Juni dieses Jahres ab - und ein Spitzenamt will er im Profigeschäft eigentlich auch nicht mehr bekleiden.

«Doch ich spüre immer noch eine große Verantwortung für dieses Spiel, das wir alle so lieben. Ich bin dankbar für alles, was mir der Fußball gegeben hat», sagte Rummenigge dem «Kicker» (Donnerstag) im Interview. «Dementsprechend möchte ich etwas zurückgeben und dieser Verantwortung auch als Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees gerecht werden. Ich sehe mich immer noch als Vertreter des Club-Fußballs, doch zum ersten Mal kann ich etwas neutraler agieren.»

Posten als Aufsichtsrat beim FC Bayern, Boss beim DFB, der UEFA oder FIFA peilt Rummenigge aber nicht an. «Nein, das schließe ich alles aus», hatte der 65-Jährige im Interview der «Bild» (Mittwoch) gesagt.

Rummenigge gibt seinen Posten ein halbes Jahr früher als ursprünglich geplant an Oliver Kahn (51) ab. Er will damit auch seiner Frau etwas zurückgeben. «Seit unserer Hochzeit 1978 hat sie mir den Rücken freigehalten. Wir fahren nach dem EM-Spiel gegen Frankreich nach Sylt in unser Haus und freuen uns beide auf den ersten Sommer-Urlaub ohne Transfertelefonate», erzählte der frühere Nationalspieler.

Rummenigge war bei den Bayern im Februar 2002 im Zuge der AG-Umwandlung zum Vorstandsvorsitzenden ernannt worden. Nach dem Wirbel um die Super League kehrte er vor wenigen Wochen überraschend als Clubvertreter in die Exekutive der Europäischen Fußball-Union (UEFA) zurück, wo er bis 2024 gewählt ist.

Der Abschied von Hansi Flick als Trainer des FC Bayern zum Nationalteam hat Rummenigge in seinem Beschluss bestärkt. «Neuer Trainer, neue Saison, neuer Vorstandschef - das ist ein sauberer Schnitt», konstatierte er. Der Zoff zwischen Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic hätte mit seinem Rückzug nichts zu tun gehabt: «Nein, denn grundsätzlich ist jetzt der richtige Zeitpunkt.»

Rummenigges langjähriger Partner als Alpha-Tier der Münchner, Uli Hoeneß, mischt auch heute noch fleißig mit. Der 69-Jährige ist weiter Aufsichtsrat beim FC Bayern, versuchte sich als TV-Experte bei RTL​ und könnte sich auch einen Beraterjob beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) vorstellen - Verbandsboss wolle er aber nicht mehr werden.

Kahn und Salihamidzic stehen künftig allein an vorderster Front. «Inzwischen spüre ich, dass Oliver Kahn bereit ist», meinte Rummenigge. Salihamidzic (44) aber habe sich bei Transfers «selbst die Messlatte manchmal vielleicht etwas zu hoch gelegt», bemerkte Rummenigge. In Erinnerung geblieben ist zum Beispiel der trotz oder gerade wegen öffentlicher Avancen gescheiterte Transfer von Callum Hudson-Odoi (FC Chelsea). Davon sprach Rummenigge aber nicht.

«Ich muss ihn da auch in Schutz nehmen, denn Uli Hoeneß und ich hatten auch nie eine 100-Prozent-Quote bei den Transfers», sagte der langjährige Bayern-Boss. «Außerdem kommt mit (Julian) Nagelsmann jetzt 'sein' Trainer. Das wird seine Position stärken.»

Auf zwei Volltreffer bei den Transfers ist Rummenigge besonders stolz: Manuel Neuer und Robert Lewandowski. «Neuer 2011 für rund 20 Millionen Euro, Lewandowski 2014 sogar ablösefrei - hinten der beste Torwart der Welt, vorne der beste Stürmer der Welt», sagte Rummenigge zu seinen besten Transfers. «Das war die Basis für die besten zehn Jahre der Vereinsgeschichte.»

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