CSU und Freie Wähler wollen Schutzstatus des Wolfes lockern

06.05.2021 Geht es um den Wolf, kochen schnell Emotionen hoch. Im Landtag diskutierten Politiker nun, wie mit dem geschützten Tier umgegangen werden soll. Die einen wollen den Schutzstatus lockern, die anderen halten eine Koexistenz von Wolf, Nutztier und Mensch für möglich.

Ein Wolf steht in einem Gehege im Wildpark. Foto: Swen Pförtner/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Mehrere Angriffe von Wölfen auf Nutztiere in Oberfranken haben jüngst in Bayern die Debatte um das geschützte Tier aufkochen lassen. Nun war der Wolf Thema im Umweltausschuss im Landtag. Nach dem Willen der Fraktionen von CSU und Freien Wählern soll der Schutzstatus des Wolfes auf den Prüfstand. SPD und Grüne fordern, den Herdenschutz zu verbessern und somit Wolfsübergriffe auf Nutztiere weitestgehend zu verhindern.

Am Donnerstag brachten CSU und Freie Wähler sowie die Grünen entsprechende Anträge im Umweltausschuss im Landtag ein. Die Freien Wähler wären nach eigenen Angaben noch einen Schritt weiter gegangen und hätten gefordert, den Wolf in das Jagdrecht aufzunehmen - was den Abschuss erleichtern würde -, das sei aber am Widerstand des Koalitionspartners gescheitert. Die Grünen wollen nach eigener Aussage die emotionalen Diskussionen um den Wolf befrieden und die Weidehaltung unterstützen.

Der Wolf steht in Deutschland auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Hier setzt die Kritik von CSU und Freien Wählern an. Ihrer Ansicht nach ist der Wolf in weiten Teilen Europas nicht mehr vom Aussterben bedroht. «Wir wollen Normalität im Umgang mit dem Wolf, wie in vielen anderen Ländern bereits üblich. Dazu gehören ein realistischer Blick auf die Bestände und Eingriffe, wenn nötig und geboten», findet der jagdpolitische Sprecher der CSU-Fraktion, Alexander Flierl.

Weil der Freistaat den Schutzstatus des Wolfes nicht ändern kann, forderten die Parteien die bayerische Staatsregierung auf, sich bei der Bundesregierung und der EU-Kommission «für ein länder- und staatenübergreifendes Monitoring zu einer Neubewertung des Erhaltungszustands sowie für eine Absenkung des Schutzstatus einsetzen».

Grüne und SPD setzen auf eine Verbesserung des Herdenschutzes. Hier könne noch mehr getan werden. Bayern brauche eine landesweite Förderkulisse für Herdenschutz, Schutzzäune und Herdenschutzhunde, sagte Patrick Friedl von den Grünen. Als sogenannte Förderkulisse gelten bisher Regionen, in denen sich der Wolf angesiedelt hat. Dort können Nutztierhalter Geld für Schutzmaßnahmen beantragen oder Ausgleich für gerissene Tiere bekommen.

Florian von Brunn (SPD) warf CSU und Freien Wählern vor, lediglich mehr Wölfe abschießen zu wollen. Die Forderungen seien vor dem Hintergrund der Vorfälle in Oberfranken populistisch. Er plädierte auch dafür, Herdenschutzmaßnahmen zu stärken, es seien noch längst nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Speziell in den bergigen und bewaldeten Regionen, in denen Herden nicht gut eingezäunt werden könnten, müssten Herdenschutzhunde besser gefördert werden.

Der Bund Naturschutz (BN) kritisierte die Forderungen von CSU und Freien Wählern. «Langfristig werden die Probleme bleiben, wenn wir nicht endlich anfangen, Weidetierhalter bei den Schutzmaßnahmen für ihre Tiere flächendeckend in vollem Umfang zu unterstützen», sagte BN-Vorsitzender Richard Mergner.

In Bayern breitet sich das Tier seit einigen Jahren aus. Es gibt nach Angaben des Landesamtes für Umwelt (LfU) zurzeit acht standorttreue Rudel, Wolfspaare und Einzeltiere sowie durchziehende Wölfe. Letztere sind zumeist auf der Suche nach einem eigenen Revier. Zuletzt wurden durchwandernde Wölfe in den Landkreisen Ansbach, Wunsiedel und Dillingen gesichtet.

Bundesweit steigt die Population der Wölfe laut LfU ebenfalls - pro Jahr um etwa 30 Prozent. In Deutschland leben seit 1996 wieder Wölfe. Seitdem sei kein Angriff auf Menschen bekannt, heißt es beim LfU. In der Regel reagierten Wölfe beim Anblick von Menschen vorsichtig und zögen sich zurück.

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