Integrationsbeauftragte: Impfskepsis bei Geflüchteten

16.04.2021 Asylbewerber in großen Unterkünften sind besonders gefährdet, sich mit Corona zu infizieren. Doch viele Geflüchtete begegnen der staatlichen Impfkampagne mit Misstrauen, sagt Bayerns Integrationsbeauftragte. Nicht nur Sprachbarrieren sind ein Problem.

Ein Mitarbeiter eines Impfzentrums hält eine Spritze in der Hand. Foto: Sina Schuldt/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bayerns Integrationsbeauftragte, Gudrun Brendel-Fischer, sieht bei Geflüchteten größere Vorbehalte gegenüber Corona-Impfungen als in der übrigen Bevölkerung. «Ich beobachte in meiner tagtäglichen Arbeit eine größere Skepsis gegenüber den Corona-Impfstoffen in Asyl- und Flüchtlingsunterkünften», sagte die CSU-Landtagsabgeordnete. Belastbare Zahlen lägen zur Impfbereitschaft aber nicht vor.

Aus ihrer Sicht sei die Skepsis Geflüchteter gegenüber Corona-Impfungen «hauptsächlich ein Sprachproblem», betonte Brendel-Fischer. Deshalb habe sie einen siebensprachigen Impf-Appell zum Aushang vor Ort entwickelt. «Mir geht es darum, die Personen auf die Sinnhaftigkeit einer schnellen Impfung aufmerksam zu machen und sie kurz und knapp zu informieren.»

Der Bayerische Flüchtlingsrat kritisierte, Aushänge als Information in den Unterkünften seien nicht ausreichend. Zum einen herrsche bei vielen Geflüchteten «ein Grundmisstrauen gegenüber allen behördlichen Mitteilungen», zum anderen würden Aushänge allein Sehbehinderten oder Analphabeten nicht weiterhelfen.

«Deshalb müssen dringend Vertrauenspersonen der Geflüchteten, die muttersprachlich über die Impfungen informieren können, eingebunden werden, um eine hohe Impfbereitschaft zu erreichen», betont der Sprecher des Bayerischen Flüchtlingsrats, Alexander Thal.

Soweit Flüchtlings- und Integrationsberater bei Aufklärung und Beratungen über die Impfungen helfen «und soweit dies für eine effiziente Organisation der Impfungen im Sinne der Corona-Impfverordnung notwendig ist», würden sie in das Impfangebot einbezogen, sagt Integrationsbeauftragte Brendel-Fischer. Die Entscheidung darüber würden die Verwaltungen der Unterkünfte vor Ort treffen.

Nach Angaben des bayerischen Innenministeriums gehören die meisten Menschen in Asylunterkünften zur Priorisierungsgruppe zwei der Corona-Impfverordnung. Seit Ende März werden ihnen demnach in großen Unterkünften und Ankerzentren Impfangebote vor Ort gemacht.

Für Asylbewerber in kleineren Unterkünften seien «verschiedene Wege denkbar», sagte eine Ministeriumssprecherin. Sie könnten sich für eine Impfung anmelden, in Absprache mit den Impfzentren könnten auch Shuttle-Termine organisiert werden. Impfungen vor Ort seien ebenfalls möglich, «wenn dies der effektivste Weg ist».

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