Kardinal Marx: Missbrauchsgutachten wohl im Sommer

14.03.2021 In Köln sorgt das nicht veröffentlichte Missbrauchsgutachten einer Münchner Kanzlei für Frust und Wut bei den Katholiken. Das Erzbistum München und Freising will ein Gutachten dieser Kanzlei dagegen veröffentlichen - und Kardinal Marx sagt jetzt, wann ungefähr.

Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das neue Gutachten zu sexuellem Missbrauch im katholischen Erzbistum München und Freising soll nach Angaben von Kardinal Reinhard Marx voraussichtlich in diesem Sommer veröffentlicht werden. «Ich glaube, wenn wir unseren Bericht im Sommer erleben werden, dann wird es sicher auch manche Punkte geben, wo wir noch besser werden können, wo manches noch nicht so ist, wie wir es vielleicht uns vorstellen», sagte Marx am Samstag bei der Frühjahrsvollversammlung des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum.

Das Erzbistum München hat das Gutachten bei der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) in Auftrag gegeben - ebenso wie das Erzbistum Köln, wo Kardinal Rainer Maria Woelki eine Veröffentlichung des Berichts in letzter Sekunde verhinderte und dafür schwer in die Kritik geriet.

Das neue Münchner Gutachten soll die Jahre 1945 bis 2019 untersuchen und auch veröffentlicht werden - anders als das Kölner Gutachten und anders als beim letzten Mal in München.

Denn vor inzwischen fast elf Jahren hatte München als erste deutsche Diözese schon einmal einen externen Bericht zu sexuellem Missbrauch und körperlicher Gewalt erstellen lassen, der aber nie veröffentlicht wurde. Der sogenannte «Westpfahl-Bericht» gilt seither als großes Mysterium.

Basis des neuen Gutachtens sollen die damaligen Ergebnisse sein sowie alle neuen Akten von 2010 bis Ende 2019. Die Prüfung möglicher Täter wird von vor allem Klerikern ab 2010 auf weitere hauptamtliche Mitarbeiter ausgeweitet - ebenso auf für das Erzbistum tätige Ordensleute. Auch dieses Mal soll wieder die Kanzlei Westpfahl Spilker und Wastl federführend sein.

Der Münchner Generalvikar Christoph Klingan hatte im vergangenen Jahr versprochen, dass die Prüfung bis in die Kirchenspitze reichen soll. «Das betrifft dann auch alle Erzbischöfe, alle Verantwortungsträger in diesem Zeitraum ohne Unterschied», sagte Klingan damals. Einer der Vorgänger von Marx war von 1977 bis 1982 Kardinal Joseph Ratzinger, der heute emeritierte Papst Benedikt.

Zuletzt laut gewordene Vorwürfe, die Kirche habe in zehn Jahren im Bereich der Aufarbeitung und Prävention nichts dazu gelernt, wies Marx bei der Online-Versammlung für sein Bistum zurück. Dies sei nicht wahr, betonte er.

Den Reformprozess der Katholischen Kirche sieht der ehemalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz in Deutschland auf einem guten Weg. «Wir werden hoffentlich auch aus der Corona-Zeit neue Ideen mitnehmen - für die Zukunft der Kirche und die Zukunft unseres Gemeinwesens», sagte Marx vor den rund 140 Teilnehmern des obersten Laiengremiums der Erzdiözese.

Die katholische Kirche müsse ihre Hausaufgaben machen und sich neu aufstellen. «Wir werden als Kirche nur dann unsere Zukunft finden, auch in dieser Gesellschaft, wenn wir uns engagieren für die Anderen», betonte er.

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