Mit Auto in Juwelier gefahren: Angeklagter gesteht Einbruch

09.03.2021 Eigentlich wollten die Angeklagten erst einmal kein Wort über den filmreifen Einbruch verlieren. Doch schon zu Prozessbeginn kommen immer mehr belastende Hinweise zu Tage - und einer der Männer fängt an zu reden.

Der Bereich vor dem Bamberger Juweliergeschäft ist nach dem Einbruch abgesperrt. Foto: Nicolas Armer/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Aufnahmen einer Überwachungskamera könnten aus einem Drehbuch stammen: Ein Mann mit Sturmhaube weist ein Auto vor einem Bamberger Juwelier ein, der Fahrer gibt Gas und fährt rückwärts in das Schaufenster. Glas splittert, drei weitere maskierte Männer springen aus dem Wagen und verschwinden im Laden. Mit prall gefüllten Rucksäcken eilen sie zurück, der Motor springt an und sie düsen davon. «Nach eineinhalb Minuten war der ganze Spuk vorbei», kommentierte ein Polizist die Aufnahmen am Dienstag vor dem Landgericht Bamberg.

Auch die beiden Angeklagten sollen auf dem Video zu sehen sein. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen schweren Bandendiebstahl vor. Sie sollen im Januar 2019 zwei Geländewagen geklaut haben - einen sollen sie als Rammbock für das Schaufenster genutzt haben, den anderen für die Flucht. Im Geschäft sollen sie Vitrinen eingeschlagen und Uhren sowie Schmuck im Wert von mehr als 750 000 Euro erbeutet haben. Bei dem Laden entstand ein Schaden von rund 30 000 Euro, die beiden Autos hatten einen Wert von 50 000 Euro.

Der Polizist berichtete vor Gericht dann von immer mehr belastenden Hinweisen: Die Ermittler entdeckten DNA-Spuren und Fingerabdrücke von beiden Angeklagten, einen Rucksack mit Täterkleidung und Schmuck vom Juwelier, den die Täter in der Eile wohl zurückgelassen hatten.

Am Ende rang sich einer der Angeklagten dann doch zu einem Geständnis durch. Er habe aber nicht die beiden Fahrzeuge geklaut, betonte der Mann. Auch einen versuchten Einbruch mit einem Komplizen im November 2019 räumte er ein. Dabei soll die Bande mehrfach erfolglos gegen die Tür eines anderen Schmuckgeschäfts in Bamberg gefahren sein, bevor sie ohne Beute mit einem zweiten Wagen floh. An der Tür und dem Mauerwerk entstand ein Schaden von mindestens 10 000 Euro, die beiden Autos hatten einen Wert von 1800 Euro.

Eigentlich habe die Bande damals wieder den Juwelier vom ersten Einbruch im Visier gehabt, vermutete der Polizist. Erst vor Ort hätten sie bemerkt, dass ihnen die Buden des Weihnachtsmarkts den Weg versperren und sich kurzfristig für ein anderes Geschäft entschieden. Erst vor zwei Monaten wurde bei dem Juwelier wieder mit einem Auto eingebrochen, nach Angaben eines Polizeisprechers gibt es diesmal aber keinen direkten Zusammenhang.

Doch die Bande könnte noch weiter in Bedrängnis kommen. Spuren führen zu ähnlichen Einbrüchen bei Juwelieren in München, Heilbronn, Titisee-Neustadt und Güstrow (Landkreis Rostock), berichtete der Polizist vor Gericht. Die Kollegen in Titisee-Neustadt wollen wohl Haftbefehl gegen den Angeklagten beantragen, der nun die Taten in Bamberg einräumte.

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