Wie Hundehalter ihr Tier vor Giftködern schützen können

28.09.2021 Giftköder-Warnungen machen Hundebesitzern zu schaffen. Um ihr Tier zu schützen, können sie es entsprechend trainieren. Allerdings sollte nicht jeder Warnmeldung geglaubt werden.

Unter Hundehaltern grassieren immer wieder Warnungen vor Giftködern. Meldungen wie «Hundeköder mit Rasierklinge entdeckt» oder «Hund frisst vergiftetes Brot und muss eingeschläfert werden» machen die Runde - vielen Hundebesitzern wird dabei flau im Magen.

«Wie häufig Giftköder ausgelegt oder von Hunden gefressen werden, wird leider nirgendwo erfasst», sagt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund in Bonn. Und es ist auch unbekannt, wie viele der Giftköder-Meldungen überhaupt stimmen - und wie häufig Hundehalter grundlos in Angst und Schrecken versetzt werden.

Hundetrainerin Franziska Herre aus Erfurt ist bei diesem Thema skeptisch. «Ich teile nur bestätigte Meldungen», sagt sie. Schließlich kann jeder irgendetwas fotografieren, dieses als «Giftköder» bezeichnen und zusammen mit einem warnenden Text in die digitale Welt entlassen. Damit hätten Menschen, die Hund und Halter aus einem Gebiet vertreiben wollen, ohne großen Aufwand ihr Ziel erreicht. Meldungen, die in den sozialen Medien grassieren, sind häufig von offizieller Seite nicht bestätigt.

Hundehalter sollten nur bestätigten Fällen trauen

Die Trainerin rät besorgten Hundehaltern, sich eine Warn-App aufs Handy zu laden, die nur vor den Fällen warnt, die von den Behörden bestätigt wurden. In diesen Fällen sollte man dem Hund beim Gassigang einen Maulkorb aufziehen, so dass er nichts fressen kann.

Laut Tierschutzbund handelt es sich bei Giftködern zum Beispiel um Würstchenstücke, in denen Rasierklingen, Nadeln, Reißzwecken oder giftige Substanzen - etwa Schneckenkorn - untergemischt wurden. «Manchmal sind die ausgelegten Köder gar nicht für Haustiere gedacht, sondern sollen andere Tiere wie Ratten oder Mäuse schädigen», sagt Lea Schmitz. Vergiften könnten sich Hunde bei der Aufnahme von Schokolade, zuckerfreien Kaugummis, Haushaltsreinigern oder giftigen Pflanzen.

In vielen Hundeschulen werden längst Anti-Giftköder-Trainingskurse angeboten, so auch bei Franziska Herre. «Eine hundertprozentige Versicherung, dass nichts passiert, ist ein solches Training nicht», gibt sie zu. «Aber es verringert die Wahrscheinlichkeit, dass der Hund einen Köder frisst.»

Mit dem Training schon im Welpenalter beginnen

Am besten wird mit dem Training im Welpenalter begonnen, das Zauberwort heißt wie so oft in den Hundeschulen «Impulskontrolle». Schon die jungen Hunde sollen lernen, auf einen Impuls - etwa ein verlockendes Leckerli in Reichweite - nicht sofort zu reagieren, sondern abzuwarten. So entwickeln sie Nervenstärke.

Laut Franziska Herre gibt es mehrere Ansätze im Anti-Giftköder-Training. Zum Beispiel wird dem Hund schlicht verboten, überhaupt etwas zu fressen, wenn es ihm nicht ausdrücklich erlaubt wurde. Um ihm das beizubringen, wird etwa Futter hingehalten oder fallengelassen: Will der Hund es nehmen, geht die Hand zu oder der Fuß aufs Futter. «Verstanden haben sie das in zwei Minuten, aber dann geht es ans Generalisieren», so die Erfahrung von Herre.

Übung nicht nur einseitig an bestimmten Orten

Denn Hunde lernen sehr ortsbezogen. Wenn sie an einem Ort kein Futter nehmen dürfen, bedeutet das für sie nicht, dass diese Regel überall gilt. Um ihnen das beizubringen, müssen Besitzer mit dem Hund in etlichen Alltagssituationen an vielen Orten trainieren.

«Ein häufiger Fehler ist es, aus dem «Nein» ein «Ja» werden zu lassen», so Herre. So wird dem Hund verboten, ein Leckerli aus der Hand zu nehmen. Ist er daraufhin artig, bekommt er jedoch genau dieses Leckerli. Herre rät, den Gehorsam des Tieres in solchen Fällen mit anderen Leckerlis aus der anderen Hand zu belohnen. Das Futter, das den Reiz ausgelöst hat, sollte der Hund nie bekommen.

Hund sollte lernen: Der Tausch lohnt sich für mich

Eine weitere Trainingsmöglichkeit ist der Rückruf. Dazu wird etwa auf einer Wiese Futter gelegt, der Hund rennt hin - und wird noch vor dem Erreichen zurückgerufen. Gehorcht er, bekommt er eine großzügige Belohnung. Zur Sicherheit hat er eine Schleppleine am Geschirr. Sollte er nicht gehorchen, können Besitzer ihn so stoppen.

Auch Tauschgeschäfte haben sich bewährt. Dabei lernt der Hund, dass er seinem Menschen etwas geben kann und dafür etwas Tolles bekommt. Trainiert wird dies anfangs mit Sachen, die er nicht sonderlich spannend findet. Im Tausch bekommt er dafür etwas, das mehr nach seinem Geschmack ist. Hat der Hund gelernt, dass sich ein Tausch für ihn lohnt, gibt er im Ernstfall wohl auch einen Giftköder her.

© dpa-infocom GmbH

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