1000 Jahre «Tanzwunder von Cölbigk» und Knecht Ruprecht

03.12.2021 Vor 1000 Jahren sollen Jugendliche durch einen Fluch ein Jahr lang zum Tanzen gezwungen worden sein. Das «Tanzwunder von Cölbigk» schuf womöglich die Legende von Knecht Ruprecht, dem Begleiter des Nikolauses.

Roland Halang, Vorsitzender des Heimatvereins, steht im Knecht-Ruprecht-Kostüm vor der ehemaligen Mauer des Klosters Cölbigk. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Das Jubiläum 1000 Jahre «Tanzwunder von
Cölbigk» wird als Touristenattraktion gefeiert. Höhepunkte sollen das
Jubiläumsfest am 2. und 3. Juli 2022 und die Abschlussveranstaltung
am 15. Oktober 2022 sein, wie der Vorsitzende des Heimatvereins,
Roland Halang, sagt. «Aus dem Tanzwunder entstand die Figur Knecht
Ruprecht, er stammt aus Cölbigk, heute ein Ortsteil von Ilberstedt
bei Bernburg.» Ruprecht sei in ganz Nordeuropa in Abwandlungen, als
Begleiter vom Nikolaus, bekannt. In anderen Regionen und Ländern
wurde Ruprecht auch anders genannt. Allerdings beanspruchen auch
andere Orte die Herkunft von Knecht Ruprecht für sich. Oft soll die
Figur des Ruprecht aus dem Alpenvorland oder aus Thüringen stammen.

Tanz mit Folgen

Der Legende nach war am Heiligen Abend im Jahr 1020 auf dem Platz vor
der  Kirche Cölbigk eine Schar von 15 Jugendlichen versammelt. Sie
lockten die Tochter des Priesters aus der Kirche, um sie zu rauben.
Als die Tochter des Priester aus der Kirche kam, stimmte die Gruppe
ein Lied an und begann, zu tanzen. Der Priester Rupertus trat heraus
und mahnte die Tanzenden, aufzuhören und Ruhe zu halten. Er
versuchte, seine Tochter Ava mit Hilfe seines Sohnes aus dem Kreis
der Tanzenden zu ziehen. Dieser fasste die Schwester am Arm. Aber der
Arm  blieb der Legende nach in seinen Händen und wurde abgerissen,
ohne dass Blut floss.

Da sie nicht hören wollten und weitertanzten, rief ihnen der Priester
zu: «So wolle Gott und der Heilige Magnus geben, dass ihr ein ganzes
Jahr lang tanzen müsst.» Zwei von ihnen sollen gestorben sein, wie
die Legende sagt. Die Überlebenden zogen im Lande umher, an Kopf und
Gliedern zitternd, als Folge der Tanzwut.

Legenden mit Nachhall

«Das Ereignis wurde 1021 zum ersten Mal in einem Brief des Bischofs
von Köln erwähnt», sagte Halang vom Heimatverein. Der Verein
besitze Designschutz für die Ruprechtsfigur, basierend auf einer
historischen Wetterfahne des ehemaligen Cölbigker Klosters. Mit dem
Logo werde auf Weihnachtstassen und auf einer beleuchteten
Lichterspitze für den Ort und um Touristen geworben.

Nach dem Festjahr ist eine Fotoausstellung mit Aufnahmen von
Touristen geplant. Außerdem werde in den nächsten drei Jahren an
einem tanz- und theaterpädagogischen Projekt gearbeitet. «Dafür
werden Mitglieder des Theaters im Schloss Hohenerxleben
(Salzlandkreis) ein Theaterstück schreiben und einen Tanz kreieren.
Den wollen wir dann auch in Zukunft immer wieder aufführen», sagte
Halang.

© dpa-infocom GmbH

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