Fahrtenbuch: Finanzamt muss kleine Ungenauigkeiten hinnehmen

27.10.2021 Ist der Anteil privater Fahrten mit dem Dienstwagen geringer als die berufliche Nutzung, lohnt sich ein Fahrtenbuch. Ein Urteil zeigt: Das Finanzamt darf dieses bei Mini-Abweichungen nicht ablehnen.

Das Fahrtenbuch muss ordentlich geführt werden. Kleinere Ungenauigkeiten muss das Finanzamt aber akzeptieren. Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Viele Arbeitnehmer dürfen ihren Dienstwagen auch privat nutzen. Wer nur wenig privat fährt, kann den Anteil dieser Wege mit einem Fahrtenbuch nachweisen statt auf die dann oft teurere, pauschale Ein-Prozent-Versteuerung zurückzugreifen.

Wichtig dabei: Das Fahrtenbuch sollte ordentlich geführt werden, erklärt Daniela Karbe-Geßler vom Bund der Steuerzahler. Allerdings muss das Finanzamt ein Fahrtenbuch auch bei kleineren Ungenauigkeiten anerkennen, entschied das Finanzgericht Niedersachsen (Az.: 9 K 276/19).

Arbeitnehmer hatte Orte abgekürzt

Im verhandelten Fall erkannte das Finanzamt das Fahrtenbuch eines Arbeitnehmers aufgrund von Ungenauigkeiten nicht an: Die Reiseziele waren lediglich mit Ortsnamen beziehungsweise Abkürzungen der Ortsnamen oder nur mit dem Namen von Hotels angegeben. Zudem fehlten Umwegfahrten sowie Tankstopps, und die angegebenen Kilometer wichen vom Routenplaner um einen Kilometer ab.

Die Finanzbeamten berechneten den geldwerten Vorteil darum stattdessen mit der pauschalen Ein-Prozent-Methode. Dadurch erhöhte sich allerdings der steuerpflichtige Arbeitslohn. Der Arbeitnehmer klagte gegen dieses Vorgehen.

Ziele müssen sich aus weiteren Quellen ergeben

Mit Erfolg: Die teilweise Verwendung von Abkürzungen für einzelne Ortsnamen oder Kunden führt nicht automatisch zur Verwerfung des Fahrtenbuchs. Die Voraussetzung dafür: Die Ziele sind entweder verständlich oder ergeben sich eindeutig aus der vorhandenen Kunden- und Adressliste. Tankstopps sind darüber hinaus nicht im Fahrtenbuch einzutragen, so die Richter.

Die Entscheidung ist rechtskräftig und schließt sich auch an die höchstrichterliche Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes an (z. B. Az.: VI R 38/06 oder VI R 51/11).

Arbeitnehmer, denen das Finanzamt also in einem ähnlichen Fall die Anerkennung des Fahrtenbuchs verweigert, können Einspruch gegen ihren Steuerbescheid einlegen. «Dabei sollten die Aktenzeichen der Entscheidungen genannt werden», empfiehlt Karbe-Geßler. «Wer Rückfragen seitens des Finanzamts von vornherein vermeiden will, sollte möglichst genau und ohne Abkürzungen das Fahrtenbuch führen.»

© dpa-infocom GmbH

Weitere News

Top News

Formel 1

Formel 1: Räikkönen will nach Renn-Abschied Vettel «ab und an sehen»

Job & geld

Auf der Suche nach dem Sinn: So gelingt die berufliche Neuorientierung mit 50+

Das beste netz deutschlands

Auf Langzeitbelichtung setzen: So fotografieren sie die Geminiden

Games news

Für PC und Konsole: «Nerf Legends»: Schneller Shooter ohne Blut

Tv & kino

Hollywood: Oscar-Vorbote: US-Verband wählt zehn beste Filme von 2021

People news

Komikerin: Promi-Geburtstag vom 9. Dezember: Hazel Brugger

Internet news & surftipps

Urteil: Apple erreicht Aufschub bei App-Store-Änderungen in den USA

Auto news

Berlin scannt Parksünder : Zehnmal effektiver als eine Politesse

Empfehlungen der Redaktion

Job & geld

Doppelverdiener: Wann der Steuerklassenwechsel bei Paaren lohnt

Job & geld

Urteil: Erschließungskosten für Straße mindern Steuer nicht

Job & geld

Steuerlich profitieren: FFP2-Masken und Co.: Wann sie als Werbungskosten zählen

Job & geld

Jahreswechsel: Was 2022 für Verpflegungspauschalen bei Auslandsreisen gilt

Job & geld

Steuerrecht: Freibeträge lassen sich jetzt auch online eintragen

Job & geld

Mobilfunk: Keine Steuer für die private Nutzung des Diensttelefons

Job & geld

Wechsel der Bewertungsmethode: Firmenwagen im Homeoffice: So sparen Sie Steuern

Job & geld

Steuer-Rat: Meister-BAföG: Darlehenserlass führt nicht zu Steuererhöhung