Zukunft der Altersvorsorge – geplante Änderungen und Konzepte

05.10.2021 Immer mehr Arbeitnehmer fürchten um ihre gesetzliche Altersvorsorge. Die wachsende Anzahl an Rentnern im Vergleich zu aktiven Arbeitnehmern führt zu echten Finanzierungsproblemen in den Rentenkassen. Die folgenden Lösungsansätze werden dazu unter anderem diskutiert.

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Das Thema Altersvorsorge hält die Menschen in Deutschland seit einigen Jahren in Atem. Begriffe wie Rentenlücke und Altersarmut werden da immer wieder in den unterschiedlichsten Kontexten in den Raum geworfen. Gerade in Jahren, in denen große Wahlen anstehen, wird das Thema immer wieder von einzelnen Parteien auf den Tisch gebracht. Stellt sich die Frage, wo wirklich die Problematiken im Bereich der Altersvorsorge liegen und welche Möglichkeiten und Konzepte zur Vermeidung von künftigen Finanzierungslücken da sind.

Was man bei der ganzen Diskussion nicht außer Acht lassen darf, ist die Notwendigkeit, diejenigen zu unterstützen, die ohnehin schon am Existenzminimum stehen. Die Bertelsmann-Stiftung hat in einer aktuellen Studie zur Entwicklung der Altersarmut festgestellt, dass die folgenden Personengruppen am ehesten gefährdet sind, im Alter unter Altersarmut zu leiden:

- Alleinstehende Frauen

- Personen mit geringer Bildung

- Personen, die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind

Daher stellt sich die Frage, wie man heute schon effektiv dafür sorgen kann, dass die Zahl der Menschen, die unter Altersarmut zu leiden haben, nicht weiter ansteigt.

Bei der Diskussion wird zuweilen übersehen, dass die Altersvorsorge in Deutschland inzwischen auf drei Beinen steht. Da wäre einmal natürlich die gesetzliche Rentenversicherung. Diese macht noch immer den größten Teil des Bruttoeinkommens der meisten Rentner aus. Aus diesem Grund wird auch die jährliche Erhöhung der Rente zur Mitte des Jahres von vielen Rentnern mit Sehnsucht erwartet.

Wie hoch diese Erhöhung jeweils ausfällt, ist allerdings nur schwer vorherzusagen, da die Rentenentwicklung an verschiedene Faktoren gekoppelt ist. Da wäre beispielsweise die Lohnentwicklung, die bei der Entwicklung der Rente eine wichtige Rolle spielt. Auch Nachholfaktoren und das Verbot, im Fall von Lohnverlusten die Rente zu senken, spielen in die Berechnung mit hinein und ergeben am Ende eine vergleichsweise umständliche Rentenanpassungsformel.

Das zweite Standbein der Altersvorsorge in Deutschland ist die private Altersvorsorge. Dieser Bereich bestand noch vor zwei Jahrzehnten fast ausschließlich aus kapitalbildenden Lebensversicherungen. Aufgrund der sinkenden Zinsen am Kapitalmarkt ist dieses Altersvorsorgeprodukt inzwischen stark abgestürzt in der allgemeinen Beliebtheit.

Der Staat hat inzwischen eine Reihe von Fördermöglichkeiten für private Vorsorgeprodukte aufgelegt. Da wäre beispielsweise die sogenannte Riester-Rente. Der Name kann für Verwirrung sorgen, denn es entsteht der Eindruck, als würde es sich um ein Rentenprodukt handeln. Stattdessen gibt es eine ganze Reihe von Produkten aus dem Bereich der privaten Altersvorsorge, die Riester-zertifiziert sind. Das wiederum bedeutet, dass sie den Sparer zum Erhalt der Riester-Zulagen berechtigen.

Gerade diese Zulagen machen die Riesterprodukte so interessant, da sie zusätzlich zu eventuell darüber hinaus anfallenden Renditen auf dem Altersvorsorgeprodukt anfallen. Für eine vierköpfige Familie kann der Hauptverdiener, wenn er die gesetzlichen Mindesteinsparsummen in seinen Riestervertrag einzahlt, beispielsweise jährlich 775,00 Euro an Zulagen erhalten. Die Höchstgrenze für die Eigenbeiträge liegt bei 2.100 Euro im Kalenderjahr – exakt diese Summe kann im Rahmen der Steuererklärung im Gegenzug auch steuerlich geltend gemacht werden.

Doch auch die Riester-Rente hat ihre Macken und Fehler. Da wäre zum Beispiel der Umstand, dass die Verträge oft eher intransparent sind und mit zahlreichen Gebühren daherkommen. Grund genug für die Verbraucherzentralen eine umfassende Reform der privaten Altersvorsorge zu fordern.

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Das dritte Standbein ist die betriebliche Altersvorsorge. Hierbei handelt es sich um die sogenannte Betriebsrente, die auf unterschiedliche Arten ausgestaltet werden kann. Angefangen von einer gänzlich arbeitgeberseitig finanzierten Altersvorsorge bis hin zu einer Entgeltumwandlung, in die der Arbeitnehmer überwiegend einzahlt, ist hier alles denkbar. Der Gesetzgeber hat die betriebliche Altersvorsorge zuletzt im Rahmen einer neuen Gesetzgebung gestärkt. Dabei hat er festgelegt, dass der Arbeitgeber verpflichtet ist, im Rahmen einer vom Arbeitnehmer gewünschten Entgeltumwandlung 15 % des vom Arbeitnehmer angesparten Betrages, zuzuschießen.

Auch wenn in Zukunft der Anteil der Leistungen aus der betrieblichen und der privaten Altersvorsorge am Gesamteinkommen der Rentner immer mehr steigen wird – den Bärenanteil wird immer die gesetzliche Rente ausmachen. Daher ist es wichtig auf die Entwicklung im Bereich der gesetzlichen Altersvorsorge zu reagieren.

Das gesetzliche Rentensystem in Deutschland wird auch gern als Generationenvertrag bezeichnet. Anders als in einer privaten oder betrieblichen Altersvorsorge wird im Rahmen der gesetzlichen Rente aus den eingezahlten Beiträgen nichts angespart. Die heute eingezahlten Beiträge kommen allein den Rentnern selbst zugute. Durch die getätigten Einzahlungen erwirbt allerdings der heute Berufstätige das Recht, im Rentenalter selbst von diesem Konzept zu profitieren, wenn nämlich die nächste Generation in die Rentenkasse einzahlt.

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Bei diesem System gibt es allerdings drei Probleme zu bewältigen:

1) Die steigende Lebenserwartung belastet das Rentensystem

Bei gleichbleibendem Renteneintrittsalter und weiterhin wachsender Lebenserwartung ergibt sich für jeden einzelnen Rentner eine längere Rentenbezugszeit. Diese ist statistisch betrachtet in den letzten 60 Jahre um 100 Prozent gestiegen. Bezog der durchschnittliche Rentner in Deutschland im Jahr 1960 noch 9,9 Jahre lang seine Rente, liegt die Rentenbezugsdauer im Jahr 2019 bereits bei 19,9 Jahren. Damit erhält jeder Rentner heute im Durchschnitt doppelt so viel Rente – auf die komplette Rentendauer gesehen – wie ein Rentner vor 60 Jahren.

2) Die Geburtenraten sind nach wie vor auf einem eher niedrigen Niveau

Die Zeiten der Babyboomer sind längst vorbei. Heute haben viele Paare gar keine Kinder, in anderen Fällen sind es drei- oder vierköpfige Familien. Nur in den wenigsten Fällen wachsen die Familien weiter an. Dabei gehen gerade die letzten sehr geburtenstarken Jahrgänge in Rente und fallen damit als Einzahler in die Rentenkassen weg. Im Gegenzug tauchen sie aber als Rentenempfänger auf der Ausgabenseite auf. Daraus folgt, dass immer weniger Arbeitnehmer die Renten von immer mehr Rentnern finanzieren müssen.

Der aktuelle Lösungsansatz ist eine Quersubventionierung durch Steuergelder. Rund 30 Prozent der jährlichen Rentenzahlungen werden bereits aus dem Bundeshaushalt subventioniert. Im Rahmen der Suche nach Lösungen für diese Problematiken wurden verschiedene Konzepte in letzter Zeit vorgestellt. Dabei liegen die folgenden Konzepte auf dem Tisch:

- Eine weitere Erhöhung des Renteneintrittsalters

- Eine Reduzierung des Rentenniveaus

- Eine Erhöhung der Rentenbeiträge

- Eine Erhöhung der Bundeszuschüsse für die Rentenkassen

Jeder dieser Ansätze bedeutet Einschnitte für die kommenden Generationen. Das Renteneintrittsalter ist zuletzt bereits auf 67 angehoben worden. Befürworter einer weiteren Reform in dieser Richtung erklären die Notwendigkeit damit, dass eine gestiegene Lebenserwartung nicht ausschließlich zu mehr Jahren im Rentenbezug führen dürfe. Vielmehr müsse dieses Mehr als Lebenserwartung hälftig zwischen dem Rentenbezug und der Lebensarbeitszeit aufgeteilt werden.

Eine Reduzierung des Rentenniveaus bedeutet, dass in Zukunft die Renten im Vergleich zu den Durchschnittslöhnen sinken bzw. nicht mehr im gleichen Maß ansteigen. Auch das belastet die kommenden Generationen, da diese damit mit einer weiterwachsenden Rentenlücke und damit mit einer noch größeren Gefahr der Altersarmut rechnen muss.

Die Erhöhung der Rentenbeiträge bedeutet bereits jetzt eine Belastung künftiger Rentner, da dadurch das Nettoeinkommen sinken und so die Kaufkraft und die Möglichkeiten der privaten Altersvorsorge sinken würden.

Allein die ansteigende Bezuschussung der Rentenkassen durch den Bundeshaushalt hätte keine unmittelbaren Auswirkungen auf künftigen Rentenzahler. Doch auch hier gäre es eine indirekte Belastung. Denn höhere Bundesausgaben in Form von Zuschüssen in die Rentenkassen müssten in anderen Bereichen des Bundeshaushaltes wieder ausgeglichen werden. Steigende Steuern sowie geringere Spielräume für Konjunkturprogramme oder andere staatliche Investitionen wären die Folgen.

Letztlich bleibt für künftige Rentner nur die Gewissheit, dass eine Aufrechterhaltung des aktuellen Rentensystems nur mit Einschnitten für sie möglich sein wird. Grund genug schon heute so weit wie möglich Gebrauch von zusätzlichen Möglichkeiten der privaten und der betrieblichen Altersvorsorge zu machen.

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