SPACs? Wenn Anleger nicht wissen, in was sie anlegen

21.09.2021 Eine Hülle als Investment? Geht an der Börse durchaus. Sogenannte SPACs sind derzeit bei vielen gefragt. Die Investition birgt aber einige Risiken.

SPACs sind Börsenhüllen, die jungen Unternehmen einen einfacheren Weg an die Börse bieten. Für Anleger kann das riskant sein. Foto: Mascha Brichta/dpa Themendienst/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Börsengänge von Firmen, die kein operatives Geschäft haben, sind an den US-Börsen derzeit angesagt. Mehr als 80 Milliarden US-Dollar haben Anleger in den USA im vergangenen Jahr in solche sogenannten SPACS-IPOs investiert. Tendenz steigend. Auch Kleinanleger sollen so Zugang zu kleinen, zukunftsträchtigen Unternehmen bekommen. Ist da was dran? Wichtige Fragen und Antworten:

Was genau sind SPACs eigentlich?

SPAC steht für «Special Purpose Acquisition Company», also eine «Gesellschaft zum speziellen Zweck einer Übernahme». «Es handelt sich dabei um leere Mantelgesellschaften ohne operative Tätigkeit, die über einen Börsengang Kapital von Anlegern einsammeln», erklärt Anja Schuchhardt von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).

Geschäftszweck ist, innerhalb einer bestimmten Frist ein geeignetes operatives Zielunternehmen zu finden und zu erwerben, das dann an die Börse gebracht wird.» An die Börse geht also ein Unternehmen, das plant ein anderes Unternehmen zu kaufen.

Bis ein geeignetes Unternehmen gefunden ist, wird das Geld der Investoren fest angelegt. Gelingt es in dem angegebenen Zeitfenster nicht ein passendes Unternehmen zu finden, wird die SPAC liquidiert, und die Anleger bekommen ihr Geld zurück.

«Klingt erst mal super», sagt Jella Benner-Heinacher, von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Sei aber so nicht ganz richtig. «Vom Einstandskurs gehen Kosten ab, außerdem bekommen die Gründer mehr ausgezahlt, als der einfache Aktionär.»

Was bringt die Investition also?

Die Bafin sieht SPACs grundsätzlich als einen weiteren Weg, der Unternehmen bei der Kapitalaufnahme unterstützen kann. Vor allem für Start-ups können solche Deals interessant sein. Denn ein normaler Börsengang ist in der Regel mit einigem Aufwand und Kosten für das Unternehmen verbunden.

Das liegt unter anderem an den Regeln, die bei einem traditionellen Börsengang eingehalten werden müssen. Beispielsweise müssen die Manager auf einer Roadshow um Investoren werben. Lässt sich das Start-up hingegen von einer SPAC übernehmen, hat es eine überschaubare Anzahl Ansprechpartner, der Preis der Übernahme ist klar, viele Verhandlungen bleiben aus. Das übernommene Unternehmen kommt an frisches Kapital.

Für SPACs selbst aber gelten die gleichen Regeln, wie für alle anderen börsennotierten Unternehmen. «Unser Hauptaugenmerk ist daher vor allem darauf gerichtet, dass SPACs die notwendige Transparenz aufweisen», sagt Anja Schuchhardt. «Vom Prospekt über Ad-hoc-Meldungen und Stimmrechtsmitteilungen bis hin zu den veröffentlichungspflichtigen Transaktionen der Führungskräfte.»

Wo liegen die Risiken?

Das lässt sich am besten an einem Beispiel erklären: Germany1. Was sich anhört, wie die erste deutsche Rakete im Weltraum, war im Juli 2008 die erste deutsche SPACs. Gegründet unter anderem von Berater Roland Berger und Manager Thomas Middelhoff. Die kauften von dem an der Börse eingenommenen Geld die AEG Power Solutions. Keine gute Wahl. Das Unternehmen musste 2017 Insolvenz anmelden.

Diese erste Pleite beschreibt das Problem eines solchen Investments ziemlich genau. Der Anleger weiß nicht, in was er anlegt. «Anlegern muss klar sein, dass sie nicht in etablierte Geschäftsmodelle investieren, sondern darauf vertrauen müssen, dass die Initiatoren attraktive Unternehmen akquirieren», sagt Anja Schuchhardt.

Aber gibt es auch Chancen?

Befürworter sagen, dass SPACs gerade Kleinanlegern die Möglichkeit bieten, in aussichtsreiche Techfirmen zu investieren. Etwas das sonst meist nur Venture-Capital-Gesellschaften vorbehalten ist. Doch je mehr SPACs sich auf dem Markt tummeln, desto schwieriger wird es, ein hoffnungsvolles Unternehmen zu finden. Und nicht nur das: «Je mehr SPACs nach einem tollen Start-up suchen, desto höher wird der Preis, den das Start-up fordern kann», sagt Jella Benner-Heinacher.

In den USA hat es allein bis Ende März 2021 knapp 300 SPACs Börsengänge gegeben, mehr als 2020 zusammen. Unter diesen Bedingungen wird es sicher nicht leichter ein hoffnungsvolles Start-up zu einem guten Preis zu finden.

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