Landärztin: Von wegen ruhiges und gemütliches Dorfleben

10.08.2021 Viel Zeit für die Patienten und regelmäßige Kaffeekränzchen: Wer sich das Leben als Landarzt so vorstellt, irrt. Ulrike Koock berichtet im Job-Protokoll von Begegnungen an der Kasse - und Notfällen.

Wer als Ärztin auf dem Land tätig ist, ist sehr nah an den Patientinnen und Patienten. Foto: Christin Klose/dpa-tmn © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ländliche Idylle und entspannte Patientengespräche oder doch eher stressige Hausbesuche und überlaufene Praxen? Der Beruf des Landarztes wird in Fernsehserien romantisiert, unter Medizinern scheint er jedoch nicht sonderlich beliebt zu sein. Ulrike Koock hat sich dennoch dafür entschieden und arbeitet nun in einer Landarztpraxis in einer hessischen Gemeinde.

Die 40-Jährige arbeitet in Teilzeit und absolviert noch ihre Weiterbildung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin. Von ihren Aufgaben, Beratungsgesprächen an der Supermarktkasse und den Highlights im Arbeitsalltag erzählt sie im Job-Protokoll.

Der Weg in den Job

Mit 28 Jahren habe ich mein Staatsexamen gemacht, bin danach zuerst in die Pathologie gegangen und dann in die Forschung. Erst mit 33 Jahren habe ich die Weiterbildung zur Allgemeinmedizinerin begonnen - und das gefällt mir bisher am besten. Seit vier Jahren bin ich jetzt in der Landarzt-Praxis, in zwei Jahren mache ich dann den Facharzt. Ich habe immer in Teilzeit gearbeitet, weil ich zwei Kinder habe.

Darum arbeite ich als Hausärztin auf dem Land

Aufs Land hat es mich eher privat verschlagen. Aber der Reiz als Hausärztin zu arbeiten, liegt darin, als «Rundum-Medizinerin» tätig sein zu können. Viele arbeiten erst in verschiedenen Spezialbereichen, bevor sie in der Allgemeinmedizin landen. Auch mir hat davor immer etwas gefehlt. Jetzt bin ich glücklich über das breite Spektrum an Patienten und an Medizin.

So sieht mein Arbeitsalltag aus

Die Praxis öffnet um 8 Uhr morgens, bis 12 Uhr ist Sprechstunde. Danach arbeitet man ab, was man bis dahin nicht geschafft hat. An drei Tagen die Woche öffnen wir auch am Nachmittag zwischen 14 und 18 Uhr noch mal. Die Praxis ist immer voll, aber für mich als Angestellte sind die Arbeitszeiten angenehm. Und auch die Praxisinhaber arbeiten zwar viel, haben aber keine Wochenend- und Nachtdienste.

Zurzeit impfen wir zum Beispiel. Und auch sonst kommen oft im Minutentakt neue Patienten, weil wir für viele der erste Ansprechpartner sind. Da ist alles dabei: Von der einfachen Krankmeldung, weil jemand Magen-Darm-Grippe hat, bis hin zu Herzproblemen und durchbrochenen Blinddärmen - es sind also auch Notfälle dabei.

Hausbesuche gehören auch dazu - die machen wir wöchentlich zu festen Terminen. Und in Notfällen fahren wir natürlich auch los.

Die guten Seiten im Job

Als Generalistin kann ich mich nicht auf ein Fachgebiet festlegen. Als Hausärztin - vor allem auf dem Land - bin ich gezwungen, sehr viel selbst zu machen. Ich mag den intensiven Kontakt zu den Patienten. Teilweise lerne ich ganze Familien kennen, weil Eltern und Kinder zu uns kommen.

Was schwer daran ist

Genau das kann auch belastend sein, weil man manchmal Themen mit nach Hause nimmt und nicht abschalten kann. Und: Ich habe auch schon in der Notaufnahme gearbeitet, aber die Schlagzahl, die wir in der Praxis haben, hat mich wirklich erstmal schockiert. Man muss sich minütlich auf neue Situationen und Patienten einstellen. Das ist anstrengend und braucht viel Konzentration und Übung.

So sind die Verdienstaussichten

Bei selbstständigen Hausärzten variiert das Einkommen. Auf dem Land verdienen sie häufig sogar mehr als die Kollegen in der Stadt - haben aber auch durchschnittlich mehr Patienten und dadurch eine höhere Arbeitsbelastung, sagt Dominik von Stillfried, Vorstandsvorsitzender des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung. Im Laufe der Zeit kann ein selbstständiger Landarzt auf ein Gehalt von etwa 17.000 Euro pro Monat kommen.

Als angestellter Facharzt für Allgemeinmedizin orientiert sich das Gehalt in der Regel am Tarifvertrag für Ärztinnen und Ärzte an kommunalen Krankenhäusern. Das Einstiegsgehalt liegt derzeit bei etwa 6.200 Euro brutto, verändert sich aber je nach Berufserfahrung, Arbeitszeit, Anstellung und Region.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News

Top News

Tv & kino

Südkoreanischer Regisseur: «Parasite»-Regisseur will Science-Fiction-Film drehen

People news

Kiss-Frontmann: Auf Abschiedstournee: Paul Stanley wird 70

Dfb pokal

Achtelfinale: Aus für Hertha: Union träumt nach Derby-Sieg vom Pokal

Tv & kino

Filmfestival: Neuer Film von Andreas Dresen auf der Berlinale

Internet news & surftipps

Pandemie: Omikron-Welle stellt Corona-Warn-App auf den Prüfstand

Wohnen

Kaufpreise und Bauzinsen: Immobilien werden Experten zufolge weiterhin teurer

Auto news

Erstmals über 1,60 Euro: Deutsche wollen Auto wegen Dieselpreisen stehen lassen

Das beste netz deutschlands

Für iPhone und iPad: Angesagte iOS-Apps: Campingurlaub planen und Bilder teilen

Empfehlungen der Redaktion

Job & geld

«Wetter geht jeden an»: So arbeitet ein Meteorologe

Job & geld

Job-Protokoll: Was macht eigentlich eine Fluglotsin?

Job & geld

Job-Protokoll: Was macht eigentlich eine Bibliothekarin?

Job & geld

Fit im Job: Was macht eigentlich eine Personal Trainerin?

Job & geld

Ursachenforschung: Frust bei der Arbeit: Nicht gleich das Handtuch werfen

Job & geld

In Schweigen gehüllt: Was macht eigentlich eine Patentprüferin?

Job & geld

Job-Protokoll: Was macht eigentlich ein Head of Grading?

Job & geld

Auch nach Corona: Arbeitsminister Heil plant Rechtsanspruch auf Homeoffice