Leise liefern

21.10.2021 Der Fiat Ducato ist der heimliche Bestseller der Italiener auf dem deutschen Markt. Zum Modelljahr 2022 gibt es neben einem Facelift einen neuen Antrieb, der den Transporter fit für die Zukunft machen soll.

SP-X/Frankfurt. Der Transporter Ducato gehört bei Fiat zu den Erfolgsgaranten. Die Transporterreihe ist seit 40 Jahren auf dem Markt, die aktuelle Generation hat Mitte des Jahres ein Facelift erhalten. Die Fahrzeuge des Modelljahres 2022 stehen jetzt in den Startlöchern, außerdem sind nun die batterieelektrischen Versionen des Ducato verfügbar.

Mit E-Antrieb können Kasten und Fahrgestell geordert werden. Bus-Versionen für den Personentransport sind ab nächstem Jahr erhältlich. Beim Kasten haben die Kunden die Wahl zwischen drei Längen (5,41, 5,98 und 6, 36 Metern), drei Höhen (2,31, 2,58 und 2,81 Meter) sowie zwei Radständen (3,45 und 4,04 Meter). Die Ladevolumina liegen je nach Konfiguration zwischen 10 und 17 Kubikmetern, das zulässige Gesamtgewicht bei 3,5 oder 4,25 Tonnen. Zwischen 1.160 und 1.910 Kilogramm können geladen werden. Die Preise starten für die Kastenmodelle bei 55.400 Euro netto, für ein Fahrgestell müssen mindestens 54.800 Euro netto investiert werden.

Für den Vortrieb sorgt ein 90 kW/122 PS starker E-Motor, der aus einer 47 kWh-großen Batterie gespeist wird. Die WLTP-Reichweite beträgt bis zu 174 Kilometer. Alternativ steht ein 79 kWh großer Akku zur Wahl, der eine Reichweite bis zu 280 Kilometer erlaubt. Allerdings schlägt der größere Akku mit Zusatzkosten von 16.600 Euro netto zu Buche. Hier ist allerding ein 11 kW-Ladebordsystem im Preis inbegriffen, das kostet bei der kleineren Batterie 1.500 Euro netto Aufpreis. Ab Werk ist hier ein 7 kW-Ladegerät vorhanden. An der Schnellladestation kann der e-Ducato mit bis zu 50 kW laden.

Bei einer ersten Testfahrt stand die Einstiegskasten-Variante bereit. Äußerlich unterscheidet sich der elektrische Ducato nur marginal von den konventionell angetriebenen Transporten, bei denen ein 2,2-Liter-Diesel in vier Ausbaustufen von 88 kW/120 PS bis zu 132 kW/180 PS zur Wahl stehen. Auch die elektrische Version profitiert von den Verschönerungsmaßnahmen des Facelifts, die etwa neue Scheinwerfereinheiten in Voll-LED-Ausführung sowie ein markanteres Tagfahrlicht bringen. Einzig der Schriftzug e-Ducato weist auf die Sonderstellung des Probanden hin. Und natürlich, dass das Ladekabel noch steckt und vor dem Losfahren noch gezogen werden muss.

Los geht es nach einer kurzen Einweisung. Erst wenn die Fahrertür geschlossen ist und der Fahrer angeschnallt ist, lässt sich der Startprozess beginnen. Zunächst wird der Schlüssel ein wenig im Schloss gedreht, der Automatikhebel auf N gestellt, dann der Schlüssel ganz gedreht, um danach die Automatik auf D stellen zu können. Klingt umständlich, ist es auch.

Das eigentliche Fahren gestaltet sich wie bei E-Fahrzeugen dagegen typisch unkompliziert. Die 280 Nm stehen von Beginn zum Abruf bereit. Anders als bei einem Selbstzünder wird man von keinem lauten Motorengeräusch begleitet. Schaltet man das Radio aus, ist es in der Kabine einfach nur ruhig. Die Ruhe ist ein wichtiges Verkaufsargument für den e-Ducato. Mit ihm kann etwa der Großbäcker morgens in aller Frühe seine innerstädtischen Filialen beliefern, ohne dass die Nachbarn vom Diesellärm geweckt werden. Von den fehlenden Abgasen ganz zu schweigen.

Das Handling ist unkompliziert, einzig der dichte Verkehr im Frankfurter Stadtgebiet bremst den Vorwärtsdrang mächtig ein. Auf der Autobahn beschleunigt der Transporter recht ordentlich, bei Tempo 100 ist aber Schluss. So soll die Reichweite geschont werden. Diese lässt sich durch die Wahl der Fahrmodi (Eco, Normal und Power) beeinflussen. Über ein Display erhält der Fahrer Infos über Reichweite und aktuellen und durchschnittliche Verbrauch

Beim Fahren wird der Lenker durch zahlreiche Assistenten unterstützt. Zum Einsatz kommen unter anderem Kollisionsverhinderer, Müdigkeitswarner und Verkehrszeichenerkennung. Ein Stau-Assistent ist ab 2022 verfügbar sein.

Der E-Ducato bietet wie die elektrischen Versionen des Mercedes Sprinter, Renault Master und VW Crafter die Möglichkeit, lokal emissionsfrei zu liefern. Die teuren Anschaffungspreise lassen den Ducato mit Steckeranschluss aber noch deutlich hinter den Diesel-Bestellungen liegen. Das könnte sich aber schnell ändern, wenn es auch in Deutschland zu Einfahrverboten für Verbrenner in Städte kommen sollte.

Fiat e-Ducato - Technische Daten
Nutzfahrzeug als Kastenwagen, 3,5 bis 4,25 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht, drei Längen 5,41 bis 6,36 Meter, Breite: 2,05 Meter (mit Außenspiegeln: 2,50 Meter), drei Höhen; 2,31 bis 2,76 Meter, zwei Radstände: 3,45 und 4,04 Meter, Ladevolumen: 10 bis zu 17 Kubikmeter, maximale Zuladung: 1.910 Kilogramm

E-Motor mit 90 kW/122 PS, maximales Drehmoment: 280 Nm bei 0 U/min, Frontantrieb, Vmax: 100 km/h, Batteriekapazität: 47 kWh, Normverbrauch: 29,3 kWh/100 Kilometer, Reichweite: bis zu 174 km, CO2-Ausstoß: 0 g/km, Effizienzklasse: A +, Preis: ab zirka 55.400 netto

Fiat e-Ducato – Kurzcharakteristik:
Warum: leise und emissionsfrei liefern
Warum nicht: teuer in der Anschaffung
Was sonst: VW e-Crafter, Renault Master Z.E., Mercedes e-Sprinter
Wann kommt er: ist jetzt lieferbar

© Spot Press Services GmbH

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