Schräger Stromer

12.10.2021 Volvos Kompakt-SUV XC40 Recharge bekommt einen schrägen Bruder. Die Coupé-Variante C40 Recharge spielt den Lifestyle-Typen und ist Volvos erstes Modell, das es ausschließlich mit elektrischem Antrieb gibt.

SP-X/Gent. Wenige Autohersteller gehen die E-Mobilität so engagiert an wie Volvo. In vier Jahren wollen die Schweden bereits die Hälfte ihrer Modelle mit batterieelektrischem Antrieb verkaufen. Ende des Jahrzehnts soll die Quote dann bei vollen 100 Prozent liegen. Verbrenner und Plug-in-Hybride sind dann Geschichte.

Die Tür zur emissionsfreien Fortbewegung stieß Anfang des Jahres der XC40 Recharge auf. Das kompakte Elektro-SUV hat sich seitdem mehr als 15.000-mal verkauft. Der Anteil an der Baureihe liegt bei rund zehn Prozent. Nun folgt der Coupé-Ableger, genannt C40 Recharge. Der schräge Bruder ist Volvos erstes Modell, das ausschließlich mit Stromantrieb angeboten wird.

Optisch soll dieser Schritt vor allem durch ein neues Gesicht gegenüber dem XC40 Recharge dokumentiert werden. Der C40 Recharge erhielt eine andere Front, bei der der verkleidete Kühlergrill und die Einfassung in Wagenfarbe lackiert sind, sowie ein Kontrastdach in Schwarz. Ihr Debüt geben zudem die neuen Scheinwerfer in Pixel-LED-Technik.

Im Cockpit unterscheiden sich der C40 Recharge nur marginal von seinem Steilheck-Bruder. Das reduzierte Layout mit seinen wenigen Knöpfen und Schaltern verkörpert das kühle, klare, aber sehr angenehm wirkende, nordische Design. Die Dominanz übernimmt der große, senkrecht angeordnete Touchscreen, dessen Bedienung sich weitgehend intuitiv erschließt, ähnlich wie bei einem Smartphone. Weitere Erleichterung verschafft die Sprachsteuerung. Ein „Hey Google!“ genügt, denn Volvo hat sein Infotainmentsystem zusammen mit Google entwickelt. Es basiert auf dem Betriebssystem Android Automotive und verfügt dadurch logischerweise über Anwendungen wie Google Maps und Google Assistant. Zudem gibt Volvo dem Käufer ein unbegrenztes Datenvolumen und er kann Software-Updates ‚over the air‘ beziehen. Die Fahrt in die Werkstatt dazu entfällt damit.

Dass bei einer Coupé-Silhouette hinten stets ein paar Abstriche an die Räumlichkeiten gemacht werden müssen, liegt in der Natur der Sache. Dennoch sitzt es sich im C40 Recharge anständig, wenn auch das Haupthaar nicht mehr viel Luft zum Dachhimmel hat. Zur Serienausstattung zählt ein Panoramadach. Das verschafft optisch mehr Luft.

An Funktionalität mangelt es dem C40 Recharge nicht. Hinter den Fondgästen bleibt Platz für 413 Liter an Gepäck, bei umgeklappten Rücksitzlehnen wächst der Laderaum auf 1.205 Liter. Weil vorne unter der Haube durch den Wegfall des Verbrennungsmotors Platz nachblieb, gibt es hier ein zusätzliches Fach (31 Liter). Es eignet sich gut zur Unterbringung des Ladekabels oder für die schmutzigen Gummistiefel nach dem Hundespaziergang.

Einen Startknopf sucht man in Volvos jüngsten Sprössling vergeblich. Das Auto registriert lediglich, ob der Fahrersitz besetzt ist und der Fahrer den passenden Schlüssel in der Tasche hat. Reinsetzen, aufs Bremspedal treten, Stufe D einlegen und losfahren. Einfacher geht’s nicht. Unters Blech haben die Volvo-Ingenieure den Topantrieb aus dem XC40 Recharge gepackt, heißt: Jeweils vorne und hinten sitzt eine E-Maschine mit 150 kW Leistung, macht in der Summe somit 300 kW/408 PS. Das Systemdrehmoment liegt bei 660 Newtonmeter und steht, wie bei E-Motoren üblich, praktisch aus dem Stand bereit. Entsprechend souverän gibt sich der C40 Recharge auf der Straße. Das angenehme Gefühl wird durch die Ruhe und Geschmeidigkeit des Elektroantriebs sowie dem guten Federungskomfort noch verstärkt. Wer es bewusst dynamisch angehen lässt, schickt den Schweden aus dem Stand in weniger als fünf Sekunden auf Tempo 100. Das ist gutes Sportwagen-Niveau.

Mit dem Unterschied, dass ein SUV mehr Platz für Energie hat. Die Batterie im Boden verfügt über eine Kapazität von 78 kWh. Laut Volvo schafft der C40 Recharge damit bis zu 444 Kilometer. Den Verbrauch gibt Volvo mit 22 kWh an. Geht es dann an eine Schnellladesäule, erlaubt das Batteriemanagement eine DC-Ladeleistung von maximal 150 Kilowatt. In 37 Minuten sollen so 80 Prozent der Kapazität wieder aufgefüllt sein. Zehn Minuten Laden reichen für 100 Kilometer an neuer Reichweite.

Um dem Thema Nachhaltigkeit und CO2-Reduzierung nicht nur am elektrischen Antrieb festzumachen, hat sich Volvo dazu entschieden, den C40 Recharge als erstes Modell der Marke komplett lederfrei anzubieten. Das gilt auch fürs Lenkrad, bei dem es lange Zeit schwierig war, ein geeignetes Ersatzmaterial zu finden, dass dem Einfluss von Handschweiß so gut gewachsen ist wie die Tierhaut. Zukünftig will Volvo alle seine Elektroautos lederfrei übergeben.

Und zukünftig plant man auch einen neue Vertriebsstrategie. Der C40 Recharge ist das erste Modell von Volvo, das ausschließlich online bestellt werden kann, bequem vom Sofa zu Hause. Wenige Klicks genügen. Im Kaufpreis von 57.890 Euro inbegriffen ist ein sogenanntes ‚Care‘-Servicepaket, das Haftpflicht, Vollkasko, Service, Wartung und Verschleiß beinhaltet und für drei Jahre gilt. Für all jene, die mit der Elektromobilität noch hadern, bietet Volvo ein Abo-Modell an. Es kostet monatlich 769 Euro. Klingt erst einmal viel. Doch der Flex-Tarif erlaubt, das Auto innerhalb von 30 Tagen zurückzugeben und ab dann mit einer Frist von drei Monaten zu kündigen.

Volvo C40 Recharge – Technische Daten:

Fünftüriges, fünfsitziges SUV der Kompaktklasse; Länge: 4,43 Meter, Breite: 1,85 Meter (2.04 Meter inkl. Außenspiegel), Höhe: 1,58 Meter, Radstand: 2,70 Meter, Kofferraumvolumen: 414 bis 1.205 Liter, vorne 31 Liter

Antrieb: zwei Elektromotoren, Vorderachse 150 kW/204 PS, Hinterachse 150 kW/204 PS, Gesamtleistung 300 kW/408 PS, max. Drehmoment: 660 Nm, Allradantrieb, Ladeleistung 11 kW AC, 150 kW DC, Batteriekapazität netto 75 kWh, 0-100 km/h: 4,7 s, Vmax: 180 km/h (abgeregelt), Normverbrauch (WLTP): 22,0 kWh/100 Kilometer (WLTP), max. Reichweite 444 km, Preis: 57.890 Euro

Volvo C40 Recharge – Kurzcharakteristik:
Warum: damit emissionsfreies Fahren auch einen emotionalen Touch bekommt.
Warum nicht: weil einem das schräge Heck den Aufpreis nicht wert ist.
Was sonst: Audi Q4 e-tron Sportback, Tesla Model Y, Mustang Mach-E
Wann kommt er: November 2021

© Spot Press Services GmbH

Weitere News