Der lange Weg zum Strom

15.10.2021 Im Gegensatz zu Volkswagen hält sich Skoda im gemeinsamen Mutterkonzern auffallend zurück wenn es um E-Autos geht. Aber das soll sich ändern. Wobei der Zeitrahmen mit acht Jahren ungewöhnlich weit gesteckt ist.

SP-X/ Frankfurt. Noch ist er durch eine Tarnfolie mit wild ineinander verschlungenen Buchstaben verunstaltet. Nur wer gedanklich puzzelt, kann das Wort „Skoda“ erkennen. Doch die Grundform der Coupé-Version des erfolgreichen Skoda Enyaq iV lässt sich durch das Versteckspiel nicht verbergen. Ab der Mittelsäule geht es mit der Dachlinie bis zu einem Heckspoiler abwärts. Darunter ein knuffiges Hinterteil, das beim Öffnen der hinteren Klappe mit nach oben schwingt. Der zweite Stromer der Tschechen soll also ein sogenannter „Crossover“ werden, eine Kreuzung aus SUV und Coupé. Es ist für all jene gedacht, die sich an den klassisch eckigen SUV satt gesehen haben und das erste Coupé mit Skoda-Logo seit mehr als drei Jahrzehnten. Aber wer erinnert sich schon an den sportlichen Rapid 130, der vom italienischen Meisterdesigner Giorgio Giugiaro entworfen wurde?

Ein Vergleich verbietet sich natürlich. Einzige Gemeinsamkeiten mit dem Großenkel sind Heckantrieb und Heckmotor. Beim Neuling natürlich ein Elektrotriebwerk, das wie beim „normalen“ Enyaq je nach Wunsch und Geldbeutel von verschieden großen Batterien gespeist wird. Auch sonst gleicht das Anfang nächsten Jahres erscheinende Coupé dem Bestseller bis in kleinste Details. Vom schmucken Po abgesehen. Das Enyaq-SUV, immerhin auf Platz 3 der aktuellen deutschen Elektroauto-Hitliste, steht mit gut 20.000 Bestellungen in den Auftragsbüchern der deutschen Skoda-Dependance. Die werden derzeit wegen der leidigen Halbleiter- und Chip-Krise langsamer als erwünscht abgearbeitet. Lieferfristen ist das Unwort der ganzen Branche.

Das gilt auch für ein neues Top-Modell der Enyaq-Familie. Die Ausstattungsversion „Founders Edition“ (Gründungsedition) wird nur 1895mal gebaut. Grund ist das Gründungsjahr der Firma Skoda, 550 davon sind für Deutschland reserviert. Das Besondere: Dieser Enyaq hat alles an Bord, was ansonsten für das Modell in der langen Aufpreisliste angekreuzt werden muss. Das Ganze kostet deshalb auch rund 66.000 Euro und gehört so zu den teuersten Skodas, die je angeboten wurden. Es ist aber auch förderfähig, so dass der Preis deutlich sinkt.

Doch die großen elektrischen Flaggschiffe sind für viele der klassischen Kunden, die sich im eher moderaten Preisrahmen zu Hause fühlen, kaum erschwinglich. Deshalb stehen auf dem Fahrplan drei weitere Stromer, die allesamt unterhalb des Enyaq an den Start gehen, also kleiner und erschwinglicher werden sollen. Skoda verspricht, dass bis 2030 aus dem E-Duo ein Quintett werden soll. „Mindestens“ drei Neue sollen es werden, die tschechische VW-Tochter lässt sich also ein Hintertürchen offen, doch mehr E-Modelle in den nächsten acht Jahren ins Rennen zu schicken.

Die sollen dann nicht nur im SUV-Kleid auf dem Laufsteg glänzen, sondern auch den Limousinen- oder Kombi-Look tragen, der in der Skoda-Gemeinde seit jeher so beliebt ist. Zum Beispiel ein kompakter Fünfsitzer, der sich vom geplanten VW-Einstiegsmodell ID.2 aber deutlich unterschieden soll. Auch eine elektrische Variante, die die Fans des Skoda-Klassikers Octavia ins Elektro-Land locken soll, ist sicher schon weiter fortgeschritten als nur im Hinterkopf der Ingenieure und Designer. Und dann natürlich kleinere SUV oder eben auch Crossover für die nach wie vor wachsende Gemeinde der Hochbeiner-Fans.

Mit der auffallenden Zurückhaltung teilt Skoda das Schicksal der Konzernschwester Seat. Deren Edelmarke Cupra bringt mit dem kompakten „Born“ gerade den ersten reinen Stromer aus Spanien auf die Straße, der sich die Technik mit dem VW ID.3 teilt. Damit deckt der VW-Konzern mit beiden Auslandstöchtern zusammen die derzeit beliebtesten Klassen ab, also die der Kompaktlimousinen und die der SUV, in denen der Skoda Enyaq punktet. Das muss aktuell dann aber auch reichen. Den Rest an E-Mobilität müssen dann die umstrittenen Plug-In-Hybrid-Modelle leisten.

Bei Skoda haben zwei Octavia-Versionen als Limousine oder Kombi und der große Superb die Doppelherz-Technik aus mit Verbrenner und E-Motor unterm Blech. Alle tragen wie der rein elektrische Enyaq das Kürzel „iV“ am Heck, das seit 2019 wie eine Art Untermarke für das Elektrische in einem Skoda steht. Stolz vermeldet das deutsche Management, dass in diesem Jahr bislang insgesamt 33.000 iV-Modelle verkauft oder fest bestellt wurden. Bei den Plug-In-Hybriden greifen auch die so wichtigen Flottenkunden gerne zu. Ein gutes Viertel der gewerblichen Dienstwagen können also zumindest zeitweise elektrisch unterwegs sein. Auch der echte Stromer Enyaq meldet erste Erfolge bei den Firmenkunden. So hat die mit elektrischen Antrieben gut vertraute Fahrstuhl-Firma Schindler 200 der SUV für ihren Fuhrpark bestellt

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