Das Enten-Prinzip

31.05.2018 Sonne! Viele Menschen verhalten sich zurzeit sonderbar bis unanständig. Einige gehen dabei zu weit.

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Schönstes Sommerwetter. Meine Freunde werden mir fremd. Einer saß neulich fünf Minuten mit seiner Frau auf der Terrasse. Dann wurde den beiden langweilig, sie rissen die Platten aus dem Boden, gruben sich durch die Erde und bauten eine exakt ausgerichtete Schalung. Irgendwo hat man ja immer Schalbretter rumliegen, für den Notfall.  Am Abend ließen sie frisch angerichteten Beton einlaufen. Sie besitzen natürlich einen Zementmischer, man weiß ja nie.

Andere Freunde haben sich eine kleine, alte Hütte an einem See gekauft. Manchmal schwimmen sie da auch, aber nur, wenn sie schwitzig sind von all dem anderen Kram. Wenn man scharf darauf ist, gibt es jede Menge Dinge zu tun, in so einer Hütte. Die Freunde sagen, ich soll mal vorbeikommen, bisschen auf ihrem Steg rumlungern. Aber ich fürchte mich. Sie bauen größere Fenster ein, damit man besser auf den See gucken kann. Sie reißen die Holzverkleidung ab, weil hinter der irgendetwas sein könnte, was igittigitt ist. Sie tun alles mögliche, was ich nur aus der Baumarktwerbung kenne.

Dann gibt es noch jene Freunde, die der Sommer stresst. Das gute Wetter interessiert sie nicht die Bohne. Sie wollen zuhause ihren gewohnten Geschäften nachgehen: computerisieren, Küche aufräumen, das Kind erziehen, tapezieren. Aber der Sommer brüllt sie an. Mit ganz vielen Ausrufezeichen. „LOS!!!! Auf die Wiese, an den See, zur Eisdiele, mir egal! ABER RAUS JETZT!!!!“  Man soll grundsätzlich niemanden anbrüllen, aber der Sommer hat natürlich recht.

Ich möchte keinen verurteilen, der sich gutem Wetter gegenüber verhält, wie unverständiges Gemüse. Ich weiß jedoch, wie man es richtig macht. Man muss den Sommer respektieren. Sich vor ihm verbeugen.

Ich sage es behutsam und ohne Gebrüll: suchen Sie einen Park, ein Wäldchen oder ein Gewässer auf. Liegen Sie dort herum oder baden Sie. Wenn es Sie drängt, aktiv zu sein: sammeln Sie Stöckchen oder Steinchen. Verhalten Sie sich insgesamt wie eine Ente, denken Sie wenig, handeln Sie instinktiv und ohne schlechtes Gewissen gegenüber Ihren langweiligen Pflichten. Das ist das Enten-Prinzip, es ist sehr gut.  

© Nele Nielsen

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