Täglich duschen - muss das sein?

07.03.2022 Einige brauchen sie morgens zum Wachwerden, andere abends zum Runterkommen: die Dusche. Doch ist es für Haut und Umwelt überhaupt ratsam, sich jeden Tag unter die Brause zu stellen?

Wer zu Hause Wasser sparen will, sollte besser duschen statt baden. © Monique Wüstenhagen/dpa-tmn

Für viele Menschen gehört die tägliche Dusche einfach dazu. Doch: Muss die eigentlich sein? Nach Angaben des Umweltbundesamtes rauschen pro Minute zwölf bis 15 Liter Wasser durch eine herkömmliche Duschbrause, bei Sparmodellen noch sechs bis neun Liter.

Und die müssen erhitzt werden, was ordentlich Energie verbraucht. Und auch der Haut tut zu ausgiebiges Duschen nicht immer gut.

Am 22. März ist Weltwassertag, der die Verschwendung der essenziellsten Ressource allen Lebens in Erinnerung rufen soll. Ein Anlass, den Dermatologen Jan-Olaf Piontek im Interview zu fragen, mit welchem Duschverhalten man Umwelt, aber auch Hautgesundheit und Hygiene gerecht wird.

Frage: Herr Piontek, ist es für die Haut ungesund, sich täglich unter die Dusche zu stellen?

Jan-Olaf Piontek: Schaut man auf die Menschheitsgeschichte, ist die Haut nicht auf eine tägliche Dusche vorbereitet. Und erst recht nicht auf Shampoos und Seifen, die mit ihren Tensiden nicht nur den Schmutz von der Haut entfernen, sondern auch ihren schützenden Fettfilm. Den muss die Haut nach jeder Dusche neu herstellen. Bei gesunder Haut funktioniert das ganz gut, vor allem bei jüngeren Menschen.

Hat man aber zum Beispiel Neurodermitis, ist die tägliche Dusche für die Haut nicht unbedingt ratsam. Aber auch, wenn man gesunde Haut hat und jeden Tag sehr lange duscht, ist das für die Haut Stress. Durch den Kontakt mit Wasser trocknet sie aus - auch wenn keine Seife im Spiel ist.

Frage: Was ist denn ein ratsames Duschverhalten, wenn man Haut, Hygiene und Umwelt gleichermaßen berücksichtigen will?

Piontek: Am besten: kurz und knackig. Einmal einseifen reicht völlig aus, am besten mit rückfettenden Produkten. Und: Der Umwelt zuliebe sollten es Produkte ohne Mikroplastik und Flüssigkunststoffe sein. Die landen sonst im Abwasser.

Gut ist auch, für sich selbst zu hinterfragen: Was hat das Duschen für ein Ziel? Klar, auf der einen Seite macht es Spaß und tut gut. Auf der anderen Seite sind wir häufig so sozialisiert, dass wir täglich duschen. Vor allem, weil wir Körpergeruch vermeiden wollen. Dabei ist es dafür nicht immer notwendig, sich täglich unter die Dusche zu stellen.

Frage: Die Katzenwäsche ist also auch mal völlig in Ordnung?

Piontek: Ja. Alten Schweiß bekommt man auch mal mit einem Waschlappen weg, müffelnde Füße kann man einfach waschen. Letztlich ist es immer die individuelle Frage: Was brauche ich, um mich sauber zu fühlen? Manchmal reicht dafür eine Katzenwäsche aus.

Zur Person: Jan-Olaf Piontek ist Dermatologe mit Praxen in Rheinbach und Mechernich. Er ist Mitglied im Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD).

© dpa

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