Seltener Wässern tut dem Rasen sogar gut

24.07.2022 Wir müssen im Sommer Wasser sparen. Trotzdem möchte man natürlich seinen schönen grünen Rasen erhalten. Gibt es einen Kompromiss?

Den Rasensprenger seltener und dosierter anzustellen, das spart nicht nur Wasser, sondern kommt sogar den Gräsern zugute. © Benjamin Nolte/dpa-tmn

Wer seinen Rasen liebt, kommt in heißen und trockenen Sommern in die Bredouille: Man will das Grün schließlich bewahren. Aber das Gießen der Gräser gilt auch als Verschwendung von Trinkwasser - einer Ressource, die auch in Deutschland in einigen Regionen in sommerlichen Trockenperioden knapp sein kann.

Eine Lösung kann sein, den Rasensprenger seltener und dosierter anzustellen. Und das kommt sogar den Gräsern zugute. Oder anders gesagt: «Es ist absolut falsch, dem Rasen jeden Tag ein bisschen Wasser zu geben», sagt Harald Nonn, Vorsitzender der Deutschen Rasengesellschaft.

Aber warum?

Das bisschen Wasser kann nur die obersten Zentimeter des Gartenbodens benässen. Deswegen wandern die Wurzeln aus der Tiefe innerhalb kurzer Zeit nach nach oben zum Wasser, erklärt Nonn. Das hat zur Folge, dass die Pflanzen noch empfindlicher für Trockenheit werden, als wenn ihre Wurzeln in der Tiefe liegen.

Kurzum: Man behebt durch häufiges Beregnen an heiß-trockenen Sommertagen kurzzeitig zwar den Durst der Pflanzen, aber verschlechtert ihre Lage insgesamt. «Es ist daher besser, relativ selten, aber dann ausreichend Wasser zu geben, sodass auch die Wurzelspitzen in der Tiefe etwas abbekommen», sagt Nonn.

Doch wie oft ist «relativ selten»?

Nonn rät, den Rasen nur zu wässern, wenn er seinen Durst zeigt. «Man kann den Gräsern den beginnenden Wassermangel recht gut ansehen. Sie verlieren ihre Spannkraft. Das heißt, die Gräser richten sich nicht mehr auf, nachdem man auf sie getreten ist», erläutert der Leiter der Forschungsabteilung eines Rasenproduzenten. «Und sie verfärben sich in aller Regel. Sie werden etwas dunkler und bekommen eine graugrüne Farbe.»

Und wie viel Wasser ist «ausreichend» Wasser?

«Sandige Böden speichern in der Hauptwurzelzone, das sind bei Rasen etwa zehn bis 15 Zentimeter, um die 15 Liter Wasser pro Quadratmeter», sagt Nonn. «Bei einer klassischen Rasengröße von 200 Quadratmetern reden wir über einen Wasserbedarf von drei Kubikmetern, also 3000 Liter.» Diese speichert der Boden und die Pflanze kann sich dort daraus bedienen.

«Je nach Witterung, Tagestemperatur und Verdunstung reicht das für drei, vier, fünf Tage, bei großer Hitze vielleicht aber auch nur für zwei Tage», so Nonn. Ein lehmiger Boden, der deutlich mehr Wasser speichern kann, habe eine Speicherkapazität von fünf bis sechs Kubikmetern Wasser, also 5000 bis 6000 Liter Wasser. «Hier ist die Trockenheit beim Rasen also deutlich später zu sehen als bei sandigen Böden.»

Aber nicht an jedem Rasensprenger lässt sich die Abgabemenge einstellen. Nonns Tipp: den Zählerstand der Wasseruhr im Haus vor dem Anstellen und nach einer Weile wieder ablesen. «So habe ich das bei mir zu Hause auch gemacht», sagt der ausgebildete Greenkeeper. «Nach einer Stunde habe ich festgestellt, dass erst 800 Liter Wasser aus meiner Beregnungsanlage geflossen waren. Also noch viel zu wenig. Da wird mancher erstaunt sein, wie lange die Beregnung braucht.»

© dpa

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