Gasmangel im Winter: Wie kalt wird es zu Hause?

In diesem Winter könnte es zu Hause ungemütlicher werden als in den Jahren zuvor. Angesichts der Gaskrise sollen Bürgerinnen und Bürger ihren Verbrauch senken und die Heizung runter drehen. Nun tobt eine Debatte, ob die Politik manche dazu zwingen sollte.
Wird im Winter das Gas knapp, müssen wohl auch die Bürgerinnen und Bürger beim Heizen weniger verbrauchen. © Jens Büttner/dpa

Angesichts der Gaskrise sind sich viele Fachleute mit der Politik einig: Damit im kommenden Winter kein Engpass beim Gas droht, müssen alle weniger verbrauchen - auch die Bürgerinnen und Bürger.

Einzelne Wohnungsgesellschaften haben bereits angekündigt, die Heiztemperaturen für die eigenen Mieter zumindest zu bestimmten Zeiten drosseln zu wollen. Diskutiert wird nun, ob die Politik weitere Maßnahmen ergreifen sollte - und wie kalt es in den eigenen vier Wänden werden darf.

Kann die Regierung Bürgerinnen und Bürger zum Energiesparen zwingen?

Die Bundesregierung könnte in der Tat Maßnahmen zum Energiesparen verordnen. Diese Möglichkeit gibt ihr das Energiesicherungsgesetz - und zwar bereits, bevor der Krisenfall eintritt, also die Notfallstufe im Notfallplan Gas. Denkbar ist etwa, dass Vorgaben zu Mindesttemperaturen fürs Heizen etwa in Büros und Werkshallen abgesenkt werden.

Wie weit können Vermieter schon jetzt die Temperatur senken?

Derzeit gibt es für Raumtemperaturen in Mietwohnungen und -häusern keine Vorgaben des Gesetzgebers. Was es gibt, sind zahlreiche Urteile von Amts- und Landgerichten, die sich mit dieser Frage befasst haben. Im Laufe der Jahre haben sich aus dieser Rechtsprechung bestimmte Mindestwerte für die vom Vermieter zu gewährleistende Raumtemperatur ergeben. Tagsüber sind das 20 bis 22 Grad und in der Nacht 17 bis 18 Grad.

In diesem Rahmen bewegt sich etwa auch der Wohnungskonzern Vonovia. Das Bochumer Unternehmen hatte vor rund einer Woche angekündigt, die Leistung werde zwischen 23.00 und 6.00 Uhr auf 17 Grad Raumtemperatur zu reduzieren. Niedrigere Temperaturen könnten von Gerichten hingegen als Grund für eine Mietminderung angesehen werden.

Reicht dieser Rahmen aus?

Die Wohnungswirtschaft fordert von der Politik, für den schlimmsten Fall eine Mindesttemperatur von 16 bis 18 Grad zu verordnen. «Weiter nicht, dann wird es schädlich für die Menschen, die dort leben», sagt etwa Axel Gedaschko, Präsident des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) und betont: «Das ist eine Regelung für den Worst Case.»

Mit jedem Grad Raumtemperatur weniger könnten rund sechs Prozent Gas und damit auch Geld eingespart werden, rechnet Lion Hirth, Wissenschaftler für Energiepolitik an der Hertie School in Berlin.

Mit einer gesetzlichen Verordnung von 16 bis 18 Grad könnte sich die durchschnittliche Raumtemperatur laut GdW um etwa drei Grad reduzieren. Einsparungen von bis zu 18 Prozent seien drin, schätzt Gedaschko. «Wenn die Menschen auch noch anfangen würden, die Fenster nicht auf Kipp stehen zu lassen und einen Sparduschkopf zu verwenden, sind weitere zehn Prozent Einsparungen möglich.» Die Gasrechnung wäre bei diesen Annahmen also fast um ein Drittel günstiger.

Wie gerecht wären Vorgaben für das Herunterregeln der Temperaturen in Wohnungen?

«Gesetzlich verordnetes Frieren der Mieterinnen und Mieter ist weder gerecht noch sozial», kritisiert der Deutsche Mieterbund eine mögliche Absenkung der bislang durch die Rechtsprechung festgelegten Mindesttemperaturen. Zu heterogen sei der Wohnungsbestand und zu unterschiedlich das Temperaturempfinden der Menschen. «Denn natürlich macht es einen Unterschied, ob beispielsweise ein älterer oder kranker Mensch den ganzen Tag zu Hause sitzt oder ein junger vitaler Mensch sich nur zeitweise zu Hause aufhält.»

Während zudem Mieterinnen und Mieter keinen Einfluss auf die Temperaturabsenkung haben, können Eigentümerinnen und Eigentümer nach eigenem Ermessen weiter selbst bestimmen, wie warm oder kalt es sein soll. «Da ist sicher eine Ungerechtigkeit, das möchte ich gar nicht abstreiten», sagt auch Wissenschaftler Hirth von der Hertie School. «Das Problem ist, wir haben einfach zu wenig Gas.» Deshalb müssten auch Maßnahmen ergriffen werden, die «im Einzelfall» unbequem oder auch ungerecht seien.

Wie soll eine mögliche Verordnung überhaupt kontrolliert werden?

«Es will niemand einen Gestapo-Staat, wo die Polizei rumläuft und Heizkörpereinstellungen kontrolliert, das ist natürlich völliger Unfug», sagt Hirth. «Der wichtigste Hebel ist aus meiner Sicht Information.» Politik und Wissenschaft müssten transparent machen, was auf die Menschen zukomme. «Heizkosten für Gasheizungen werden um 300 Prozent steigen im nächsten Winter.»

© dpa
Weitere News
Top News
1. bundesliga
Bundesliga: Salihamidzic erwartet nach WM keine «großen Transfers»
Gesundheit
Familiäre Belastung: Entschärfen: Damit es bei der Pflege nicht zu Gewalt kommt
Auto news
Luxus-SUV: Ab in die Verlängerung: Bentley bringt Bentayga in Maxiversion
Musik news
Song Contest: Der ESC findet 2023 in Glasgow oder Liverpool statt
Tv & kino
Featured: Wer ist Elendil in Die Ringe der Macht? So wichtig ist die Figur für Mittelerde
Games news
Featured: Warhammer 40k: Darktide – alle spielbaren Charaktere im Überblick
Handy ratgeber & tests
Featured: Apple Watch SE 2 vs. Apple Watch SE: Diese Upgrades spendiert Apple
Handy ratgeber & tests
Featured: Apple Watch 8 vs. Galaxy Watch5: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Empfehlungen der Redaktion
Wirtschaft
Energie: Bauministerin: «Gesetzlich verordnetes Frieren» unsinnig
Wirtschaft
Wohnen: Vermieter: Sozialer Frieden wegen Energiepreisen in Gefahr
Regional niedersachsen & bremen
DGB-Vorständin: Piel: «Frieren oder dicke Pullover verantwortungslos»
Wirtschaft
Unternehmen: Temperatur am Arbeitsplatz wird Thema
Wirtschaft
Energiekrise: Wohnungswirtschaft sagt Kündigungsschutz in der Krise zu
Wirtschaft
Wohnen: SPD pocht in der Energiekrise auf Tempo beim Mieterschutz
Wirtschaft
Wohnen: Vonovia will Mietern in Energiekosten-Not nicht kündigen
Wirtschaft
Verbraucher: Mieterbund: Energiesparen ist Gebot der Stunde