Immer weniger Vögel in Niedersachsen und Bremen

Seit Jahren geht die Anzahl der Vögel und Vogelarten in Niedersachsen und Bremen zurück. Was kann man dagegen tun?
Ein Kiebitz (Vanellus vanellus) steht auf einem Feld. Der Vogelbestand in Niedersachsen und Bremen ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen. © Patrick Pleul/dpa

Der Trend ist eindeutig: Schon seit mehreren Jahrzehnten ist in Niedersachsen und Bremen ein Rückgang des Vogelbestandes zu erkennen.

«36 Vogelarten sind hierzulande vom Aussterben bedroht, das sind so viele wie nie zuvor», sagt Lotta Cordes, Pressesprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums.

Intensive Landwirtschaft zerstört Lebensraum für Bodenbrüter

Laut der von ihrem Ministerium vorgelegten «Rote Liste Brutvögel» stehen 43 Prozent aller 212 betrachteten Arten auf der Gefährdungsliste, weitere 14 Prozent auf der Vorwarnliste. «Damit können in Niedersachsen und Bremen nur noch 43 Prozent der Brutvögel als ungefährdet gelten», sagte Cordes weiter.

Jakob Grabow-Klucken vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Niedersachsen bestätigt diese Entwicklung: «Auffallend ist, dass viele bodenbrütende Arten wie Kiebitze oder Braunkehlchen, die als bodenbrütende Offenlandarten weiträumiges Grünland benötigen, gefährdet sind.»

Ein Hauptgrund: «Entwicklungen wie die Industrialisierung im Bereich der Landwirtschaft haben bereits seit Langem erhebliche Auswirkungen auf die Lebensräume von Offenland-Arten», sagt Cordes. Grabow-Klucken nennt es die «Monotonisierung der Landschaftsräume». Wiesen werden laut dem Naturschutzexperten durch die intensive Bewirtschaftung artenärmer: Zunächst komme es zum Rückgang der Blütenpflanzen und damit zum Rückgang der Insekten. Diese seien jedoch eine wichtige, eiweißreiche Nahrungsquelle für Küken. Auch ihr Leben gerate somit in Gefahr, sagt BUND-Experte Grabow-Klucken.

Auch im heimischen Garten kann man helfen

Doch nicht nur deshalb sei es wichtig, diese Entwicklung umzukehren. «Artenreiche, intakte Landschaften haben zudem auch einen besonders hohen Erholungswert und sind wichtig für die physische wie psychische Gesundheit von Menschen», sagt Grabow-Klucken. Eine angepasste Strategie zur Erhaltung der Artenvielfalt werde auch «unsere Lebensqualität erhöhen und uns vor noch höheren Folgekosten durch degradierte Böden, Klimawandel und Erkrankungen schützen.»

Bei großen Bundesländern wie Niedersachsen, das sich laut des BUND-Experten als Agrarland Nummer eins in Deutschland verstehe, bestehe besonderer Handlungsbedarf. Insbesondere Landkreise und Gemeinden stünden in der Verantwortung, beispielsweise «durch eine landschaftsgerechte Mahd und Gehölzpflege die ökologischen Funktionen der Wegraine (Grasstreifen am Wegrand, Anm. d. Red) zu entwickeln», sagt Grabow-Klucken.

Lebensräume können zudem schon normale Bürgerinnen und Bürger bei der Heckenpflege erschaffen. Verschiedenste Vogelarten bräuchten sowohl lückige als auch dichte Zonen, um darin zu leben. «Ein gleichförmig wiederkehrender, symmetrischer Schnitt durch große Pflegemaschinen schafft dagegen auch in Grünflächen Monotonie und es entsteht eine grüne Wand», erklärt Grabow-Klucken. Zudem könne man auch im Garten durch die Bepflanzung mit heimischen, blühenden sowie früchte- und samenbildenden Sträuchern und Kräutern eine Nahrungsgrundlage für Vögel und Insekten bilden.

Maßnahmen gegen Vogelschwund - Erwartungen an Politik

Laut Torben Friedrich vom Deutschen Kanarien- und Vogelzüchterbund (DKB) sollten Gartenbesitzer zudem auf Steingärten verzichten, oder «auch mal Blätter im eigenen Garten als Haufen liegen lassen und den Rasen nicht immer mähen.» Zudem sei alter Baumbestand zu erhalten und Moore zu schützen. Er glaubt: «Der Vogelschwund kann nur durch finanzielle Unterstützung und Schulung von ehrenamtlichen Züchtern behoben werden, die auch mit der Biotoppflege vertraut sind».

Lotta Cordes vom Umweltministerium in Hannover betont, dass die Landesregierung bereits zahlreiche Maßnahmen gegen das Vogelsterben ergriffen habe, wie beispielsweise das Ausweisen von Vogelschutzgebieten oder die Wiedervernässung und Offenhaltung geeigneter Habitate. Zudem gebe es Bewirtschaftungsauflagen und Maßnahmen zum Kükenschutz etwa vor Prädatoren, also Raubtieren.

Die niedersächsische Landesvorsitzende des BUND, Susanne Gerstner, sieht mit diesen und weiteren Projekten, die die Landesregierung mit Unterstützung vom BUND beschlossen hat, einen ersten Schritt getan. «Allerdings sind die Verbesserungen bislang noch kaum in der Fläche angekommen - hier besteht dringender Handlungsbedarf.» Von der kommenden Landesregierung erwartet Gerstner daher «wirksame Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt». Dazu sollte ihrer Meinung nach der Vogelschutz langfristig finanziert, ein Biotopverbund umgesetzt und Pflanzenschutzmittel reduziert werden. Zudem seien Maßnahmen für den Klimaschutz und die Energiewende wichtig.

© dpa
Weitere News
Top News
Sport news
Gefangenenaustausch: US-Basketballerin Griner aus russischer Haft entlassen
Internet news & surftipps
Katastrophenschutz: Warntag mit Fehlern: Probealarm erreicht nicht alle Handys
People news
Netflix-Doku: Medienschelte - Rassismus: Harry und Meghan klagen an
Internet news & surftipps
Urteile: EuGH: Google muss Links zu Falschinformationen löschen
Tv & kino
Klassiker: Wann läuft "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" im TV?
Tv & kino
Netflix: Doku über Harry und Meghan: Eine Eskalation in sechs Teilen
Familie
Ganz oder gemahlen? : So holt man das Beste aus Kardamom heraus
Testberichte
Test: VW ID.5 : Für Alltag und Ausflug
Empfehlungen der Redaktion
Regional baden württemberg
Artensterben: Nabu: Im Südwesten ist jede siebte Vogelart bedroht
Regional niedersachsen & bremen
Tiere: Viele Vogelarten in Niedersachsen und Bremen bedroht
Panorama
Biodiversität: Koalas und Co. in Not: Australien will Artensterben stoppen
Regional niedersachsen & bremen
Tiere: BUND warnt vor Aussterben des Gartenschläfers
Panorama
Naturschutz: Fünf Kandidaten bei der Wahl zum «Vogel des Jahres»
Regional bayern
Tiere: Seltene Wildbiene im Botanischen Garten in München
Regional bayern
Naturschutz: Fünf Kandidaten treten bei Wahl zum «Vogel des Jahres» an
Tiere
Hungernde Tiere: Wer einmal Vögel füttert, muss weitermachen