Nicht einfach mitnehmen: So helfen Sie Wildtieren richtig

14.07.2022 Ein junger Igel im Wohnzimmer mag niedlich wirken. Ein Rehkitz im Garten ebenso. Doch den Tieren ist damit nicht geholfen. Wer auf verwaiste Wildtiere stößt, sollte Fachleute zurate ziehen.

Wer ein scheinbar verlassenes Rehkitz findet, sollte das Tier nicht einfach mitnehmen. Im Zweifel besser: Fachleute kontaktieren. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Wer einen verlassenen jungen Wildhasen findet oder auf ein scheinbar verwaistes Rehkitz stößt, möchte oft schnellstmöglich helfen. Doch die Tierschutzorganisation Vier Pfoten warnt vor überstürzten Aktionen. Denn als Laie ist es oft schwierig, richtig einzuschätzen, ob das Tier tatsächlich in einer Notsituation ist.

So bleiben etwa Rehmütter, sogenannte Ricken, oft bewusst auf Distanz zu ihrem Nachwuchs, solange sich ein Mensch in der Nähe aufhält. Und auch Feldhasen lassen ihre Jungen oft stundenlang alleine, kehren aber zur Fütterung wieder zurück. Das offenbar verwaiste Jungtier ist dann also gar keines. Und im Zweifel richtet man mehr Schaden als Nutzen an.

Jungtiere brauchen in der Regel keine Hilfe

«Leider haben in den vergangenen Jahren die Meldungen von fälschlicherweise eingesammelten Jungtieren stark zugenommen», sagt Torsten Reinwald, Sprecher des Deutschen Jagdverbandes. Ob Reh, Feldhase, Stockente oder Wildschwein: Die Jungtiere setzten auf Ducken und Tarnen als Schutz vor Fressfeinden. Deshalb verharren sie die meiste Zeit des Tages regungslos alleine in der Wiese oder am Waldrand und bräuchten im Regelfall keine menschliche Hilfe.

Stöbert beispielsweise der Hund zufällig junge Wildtiere auf, gilt laut Deutschem Jagdverband daher: Nicht anfassen und zurückziehen. Dann komme das Muttertier spätestens zum Füttern zurück und kümmere sich um den Nachwuchs.

Besorgte Naturbesucher, die junge Hasen, Rehe oder Entenküken aus Unwissenheit anfassen oder sogar einsammeln, machen gesunde Wildtiere zu Waisen, die dann ihr Leben lang auf den Menschen angewiesen sind. «Wer Wildtiere einsammelt, macht sich sogar der Wilderei strafbar», warnt Reinwald.

Fachleute verständigen

Besser also: Zuerst bei einer Wildtierauffangstation anrufen und die Situation schildern. Alternativ könne man sich telefonisch auch an das nächste Tierheim oder einen lokalen Tierschutzverein wenden und hier um Rat fragen, so Vier Pfoten.

Für den Deutschen Jagdverband ist dagegen der örtliche Jäger der richtige Ansprechpartner. Er sei per Gesetz dafür zuständig, so Torsten Reinwald. Die örtliche Polizei könne zumeist den Kontakt vermitteln.

Bei der Suche nach einer Pflegestelle für Wildtiere sollte man zudem Vorsicht walten lassen, wenn etwa in sozialen Medien Bilder von Igeln im Wohnzimmer oder Rehkitzen im Garten gemeinsam mit Haustieren oder Kindern gezeigt werden. Denn verletzte oder verwaiste Wildtiere brauchen der Tierschutzorganisation Vier Pfoten zufolge sachkundige Versorgung, viel Ruhe und nur den nötigsten menschlichen Kontakt. Gestreichelt werden sollten sie hingegen nicht.

© dpa

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