Süß oder salzig? Was Wespen gerade am liebsten naschen

Auf Spielplätzen oder Schwimmbadwiesen sind derzeit öfter mal Schmerzensschreie zu hören: «Eine Wespe hat mich gestochen». Kein Wunder, summen gerade jede Menge der schwarz-gelben Insekten umher. Doch etwas verändert sich gerade: ihr Lieblingsfutter.
Eine Wespe sitzt auf einem alten Apfel. © Bernd Weißbrod/dpa/Archivbild

Kuchen statt Schinken: Bei den im Sommer von vielen als lästig empfundenen Wespen verändert sich gerade die Essensvorliebe. In den vergangenen Wochen vernaschten die Insekten gern Herzhaftes wie Wurst, Fleisch oder Eier, um die proteinhaltige Nahrung an die Larven weiter zu verfüttern. Doch die Aufzucht der Jungen sei nun vorbei, sagt die Biologin Angelika Nelson vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) in Hilpoltstein. Derzeit müssten sich nur noch die Arbeiterinnen selbst ernähren. «Die fliegen jetzt auf Süßes.»

Wer Fruchtsaft, Eis oder Kuchen im Freien genießen will, muss sich also vorsehen, lassen sich doch meist Gewöhnliche Wespen oder Deutsche Wespen darauf nieder. «Weil das Nahrungsangebot für die beiden Arten in der Natur heuer sehr knapp ist, kommen mehr Tiere an den Esstisch zu Besuch», berichtet Hans Greßirer vom Bund Naturschutz in München. Andere Arten wie die Mittlere, die Norwegische oder die Rote Wespe seien dagegen schon wieder am Absterben - und würden von den Menschen ohnehin nicht als lästig empfunden.

Bis die Gewöhnliche und die Deutschen Wespe verschwinden, dauert es wohl noch bis Anfang September, schätzt Nelson. Mitte August erreiche die Zahl der Arbeiterinnen eines Wespenvolkes den Höhepunkt. In einem Nest könnten dann bis zu 4000 der Insekten leben, die im Durchschnitt 12 bis 22 Tage alt würden. «Im Herbst sterben alle und nur die Königin überwintert, um im Frühjahr einen neuen Staat zu gründen.» Bis dahin raten Experten, lästige Tiere mit dem Wasserzerstäuber zu besprühen und ihnen so Regen vorzugaukeln, der sie ins Nest treibt.

Das warme, trockene Frühjahr war für die Wespen, die als wichtige Bestäuber gelten, ideal. Eine Klimaänderung mit wärmeren Temperaturen und weniger Niederschlag könnte sich sogar positiv auswirken. «Je wärmer und trockener, desto besser für ein Wespennest», erklärte Nelson, warnte aber auch: «Auch Wespen können nicht beliebig heiße Temperaturen aushalten und brauchen Wasser und Energie zur Regulierung der Körpertemperatur.»

© dpa
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