Wie gelingt ein einsamer Hüttenurlaub in den Bergen?

08.09.2021 Endlich mal raus sein, ganz einsam in einer einfachen Hütte in den Bergen: Für viele Stadtmenschen ist das ein kleiner Reisetraum. Nicht einmal der Komfort muss dabei auf der Strecke bleiben.

So stellt man sich Hüttenurlaub vor: Absolute Ruhe, Fernsehen und WLAN gibt es nicht, ein bisschen schummeriges Licht kommt von Kerzen und Taschenlampen. Total romantisch ist es im Schoß von Mutter Natur - aber meistens auch ziemlich unbequem.

Wollen wir so für eine ganze Woche Ferien machen? Wir wollen. Unsere Wahl fiel auf die «Alplhütte» in Österreich, 1600 Meter über Radenthein am Millstätter See gelegen und mit dem Auto zu erreichen.

Ein Brunnen kühlt das Bier

Vermieter Peter Pontasch führt uns zu dem schmucken Häuschen, das er vor 20 Jahren mit seinem Bruder gebaut hat. Für sieben Tage wird es unser Domizil sein. Auf einer kleinen Almwiese liegt die Hüte umsäumt von Zirben. Der Blick schweift über die Kärntner Nockberge zum Feldsee weit unten im Tal. Still ist es hier oben, nur das Zwitschern der Vögel ist zu hören. Und das Plätschern des Brunnens, der in den nächsten Tagen unseren Vorrat an Säften und Bier kühl halten wird.

Außerdem muhen hin und wieder ein paar Kühe, die den Sommer und den Frühherbst auf der Alm verbringen und der Hütte recht nah kommen.

Warmes Wasser dank Ofen

Das Innenleben auf der Hütte spielt sich auf zwei Ebenen ab. Das Erdgeschoss hat ein Wohn- und ein Schlafzimmer mit vier Betten. Im ersten Stock, der über eine steile Treppe erreicht wird, gibt es noch einmal vier Betten und sogar ein richtiges Bad mit WC.

Fließend Wasser aus dem Bach ist reichlich vorhanden, einen Abwasserkanal hat die Gemeinde schon vor Jahren gebaut, für eine kleine Siedlung von Ferienhäusern in der Nähe. Warmes Wasser liefert die mit Holz befeuerte Therme der «Alplhütte».

«Ihr müsst's olle zwei, drei Toge den Ofen im Erdgeschoß ordentlich anschürn», sagt Peter Pontasch. Das reiche aus, damit alle Leute im Haus duschen könnten. Tatsächlich reicht das warme Wasser immer, wobei das Anschüren des mächtigen Ofens mit Papier und Holzspänen eine Wissenschaft für sich sein kann. Nicht ohne ist auch das Kochen auf dem holzbefeuerten Herd. Wenn endlich ein Feuerchen brennt, braucht es eine Weile, bis das Wasser für den Kaffee und die Frühstückseier heiß ist. Irgendwann haben wir den Bogen raus.

Wo die Nachtruhe wirklich ruhig ist

Nach einem entspannten Abend mit guten Gesprächen und kühlem Bier geht es zum Schlafen in die rundum mit Holz verkleidete, urige Bettkammer. Ruhe ist auch bei offenen Fenstern garantiert. Das Rauschen der Blätter ist das lauteste Geräusch, das wir hören.

Da es keinen Laden um die Ecke gibt, müssen wir zum Einkaufen ins Tal: 15 Kilometer runter und wieder rauf. Peter Pontasch hat uns einen Schlüssel mitgegeben, der die Schranke für das letzte Stück Forstweg zur Hütte öffnet. Das ist durchaus anspruchsvoll.

Das Gleiche gilt für den anschließenden, weitgehend asphaltierten Weg hinab nach Radenthein, der teilweise recht schmal ist und bei Gegenverkehr einige Routine erfordert. Da empfiehlt es sich, den Gang zum Supermarkt mit einem Ausflug zum Millstätter oder Afritzer See zu verbinden. Und Station in einem hübschen Biergarten mit Backhendl und Kärtner Fleischnudeln zu machen.

Not macht erfinderisch - Hüttenurlaub inklusive Komfort

Oft müssen wir die Tour ins Tal nicht machen, denn Butter, Käse, Fleisch und Wurst bleiben auf der Hütte auch an heißen Tagen frisch. Zu verdanken ist das dem ganz ohne Strom funktionierenden Kühlschrank Marke Eigenbau: Weil Energienot erfinderisch macht, hat Peter Pontasch einen stählernen Kasten gebaut, der durch eiskaltes Wasser aus dem Gebirgsbach auf Kühlschranktemperatur gebracht wird.

Nachbarn, Besucher, Trubel? Gefehlt hat uns auf der «Alplhütte» nichts. Und gelernt haben wir auch etwas: Hüttenurlaub kann durchaus komfortabel sein. Wenn man ein bisschen erfinderisch ist.

© dpa-infocom GmbH

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