Geänderte Kreuzfahrtroute rechtfertigt Storno

04.03.2022 Mehrere große Reedereien laufen wegen des Kriegs in der Ukraine vorerst nicht mehr das russische St. Petersburg an. Alternativ geht es zu anderen Häfen. Müssen Urlauber das hinnehmen?

In der Ostsee kreuzende Aida-Schiffe laufen in der Sommersaison nicht in St. Petersburg ein. © Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

St. Petersburg ist ein beliebtes Anlaufziel bei Ostsee-Kreuzfahrten. Doch Reedereien wie MSC Cruises, Tui Cruises und Aida Cruises haben den russischen Hafen wegen des Angriffs Russlands auf die Ukraine vorerst von ihren Plänen gestrichen.

So hatte etwa Aida angekündigt, die geplanten Anläufe in St. Petersburg der Schiffe «Aidadiva», «Aidamar», «Aidanova» und «Aidavita» in der Sommersaison 2022 zu streichen - alternativ sollen Häfen wie Riga, Oslo, Kopenhagen oder Visby angelaufen werden. Doch was heißt das für Urlauber, die eine Kreuzfahrt gebucht haben?

Schwerpunkt der Kreuzfahrt

Aus Sicht des Reiserechtlers Paul Degott aus Hannover ist so eine Änderung der Route eine «erhebliche Leistungsänderung». Bei allem Verständnis für das Streichen des russischen Hafens von den Kreuzfahrtplänen haben Reisende laut Degott also die Möglichkeit, die Kreuzfahrt kostenfrei zu stornieren, wenn ihnen die neue Route nicht zusagt. «St. Petersburg ist ein Schwerpunkt so einer Kreuzfahrt. Visby beispielsweise ist sicherlich keine wertgleiche Alternative dazu», sagt Degott.

Wer so eine Kreuzfahrt für den Sommer gebucht hat, wird vom Veranstalter über die Routenänderung informiert, so der Fachanwalt für Reiserecht weiter. Wichtig ist dann: Wenn man die Kreuzfahrt wegen der neuen Route nicht mehr machen will, muss man das dem Veranstalter so mitteilen. «Schweigen ist in dem Fall eine Einverständniserklärung mit den Änderungen», so Degott. Wer die Kreuzfahrt storniert, bekommt sein Geld wieder. Schadenersatzansprüche bestehen nicht.

Minderungsanspruch bei Änderung während Reise?

Das gilt auch dann, wenn eine Kreuzfahrt schon gestartet ist und während der Reise ein Hafen wegen außergewöhnlicher Umstände wie in diesem Fall, für die die Reederei nicht verantwortlich ist, vom Plan gestrichen wird. Hier kommen allenfalls Minderungsansprüche in Betracht - also, dass man Teile des Reisepreises zurückfordert.

«Da ist aber die Frage, wie werthaltig der Ersatzhafen ist», so Degott. Er greift nochmal das Beispiel St. Petersburg und Visby als Alternative dazu auf: «Hier hätte man sicherlich einen Minderungsanspruch.» Viel Geld zurück darf man sich aber nicht erwarten, ordnet er ein. «Gerade bei Kreuzfahrten kommt oft wenig Minderung raus, weil davon ausgegangen wird, dass schon der Aufenthalt auf dem Schiff selbst Erholungswert hat, den man sich als Reisender anrechnen lassen muss.»

© dpa

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