Alpenverein warnt vor ungeprüften Wander-Infos im Netz

Wunderschönes Bergpanorama auf Instagram, knackige Routenbeschreibungen: Wie die Lehrer der in Österreich geretteten Schulgruppe lassen sich Wanderer oft aus dem Internet zu Touren inspirieren. Nicht nur der aktuelle Fall zeigt: Das kann auch schief gehen.
Der Alpenverein warnt davor, unhinterfragt auf Routenbeschreibungen aus dem Netz zu vertrauen. © Angelika Warmuth/dpa

Nach der Rettung von mehr als 100 deutschen Schülern und Lehrern aus Bergnot in Österreich warnen der Deutsche Alpenverein (DAV) und die Bergwacht Bayern davor, Tourenbeschreibungen aus dem Internet ungeprüft zu übernehmen.

«Leider gibt es auch Tourenbeschreibungen, die ungenau sind und den Anspruch oder die Schwierigkeit einer Route und das Gefahrenpotenzial nicht genau wiedergeben», sagte Stefan Winter, der beim DAV für das Ressort Breitensport, Sportentwicklung und Sicherheitsforschung zuständig ist, der Deutschen Presse-Agentur. «Es gibt zwei große Herausforderungen», sagte der Sprecher der Bergwacht, Roland Ampenberger: «Verifizierung der Informationen und diese Informationen auf das eigene Vorhaben zu übertragen und die eigenen Fähigkeiten anzupassen.»

Schüler in Österreich aus Bergnot gerettet

Die 99 Jugendlichen im Alter von 12 bis 14 Jahren und acht Lehrer aus dem Raum Ludwigshafen waren am Dienstag (7. Juni) im österreichischen Kleinwalsertal mit Hubschraubern aus Bergnot gerettet worden. Sie waren nach Polizeiangaben auf einer für ihre Ausrüstung und Fähigkeiten zu schwierigen Route unterwegs.

Die Lehrer hätten die Route aufgrund von irreführenden Informationen aus dem Internet ausgesucht, wo sie als «klassische Feierabendrunde» beschrieben worden sei. Tatsächlich handelt es sich bei dem schmalen Heuberggrat um einen teilweise von Kletterpassagen unterbrochenen Weg, «der Schwindelfreiheit, Trittsicherheit sowie Erfahrung im alpinen Gelände erfordert», wie die Polizei mitteilte.

Es gebe immer häufiger solche «äußerst verantwortungslose Interneteinträge, die zu lebensbedrohlichen Situationen führen», sagte der Bürgermeister von Mittelberg, Andi Haid.

Routenbeschreibungen im Netz mit Vorsicht behandeln

«Das Schwierige an Beschreibungen im Internet ist, dass nicht bekannt ist, wie erfahren und leistungsstark die Autoren sind», sagte Winter vom DAV. «So wird ein Profibergsteiger eine mittelschwere Tour als einfach titulieren, während diese Tour für einen Anfänger bereits an seinem persönlichen Limit ist.» Er empfiehlt darum, immer ins Impressum zu schauen und auch zu prüfen, wer der Autor der Routenbeschreibung ist. Ampenberger von der Bergwacht empfiehlt zur Vorbereitung die Plattformen der alpinen und der Tourismusverbände.

Im März hatte der Tod dreier Wanderer in den bayerischen Alpen eine Diskussion über Wander-Apps ausgelöst. Die vierköpfige Wandergruppe hatte sich daran orientiert und die Route geändert. An einer extrem steilen und grasigen Rinne an der Maiwand rutschten ein Paar aus dem Landkreis Regensburg im Alter von 35 und 44 Jahren sowie ein 35-jähriger Mann aus dem Raum Straubing ab und stürzten in den Tod.

Auch App-Informationen sind nicht immer zuverlässig

«Viele sind heute öffentliche Nahverkehrsapps gewohnt und erwarten dann, dass eine App in der Natur genau so verlässlich funktioniert, aber das lässt sich nicht eins zu eins übertragen auf das Gebirge», sagte Ampenberger. Es sei jedoch wichtig, die Realität vor Ort zu überprüfen: «Anstatt mal rauszuschauen, wie die Wolken wirklich sind, schaut man in die Wetter-App.»

Ein Problem seien auch Influencer, die auf Instagram oder TikTok Bilder von traumhaftem Bergpanorama zeigen - aber nicht, wie schwer es teilweise ist, dorthin zu kommen. «Dort geht es nur um schöne Bilder und nicht um seriöse Hintergrundinformationen», sagte Winter und nannte das Beispiel einer «märchenhaft schönen Gumpe im Nationalpark Berchtesgaden», die einen derartigen Hype und Ansturm an Selfie-Touristen auslöste, dass der Park ein Betretungsverbot verhängte. Wichtig sei, betont Winter, «dass es eine ausführliche Tourenplanung braucht und man nicht nur Social-Media-Posts hinterher hetzt».

© dpa
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