Bodensee: Passagier- und Freizeitschifffahrt wird sauberer

Seit fast 200 Jahren fahren motorisierte Passagierschiffe über den Bodensee. Jetzt soll die erste E-Fähre den Weg in eine klimaneutrale Zukunft ebnen - und die Region zum Aushängeschild für saubere Schifffahrt machen. In Bayern ist man da schon weiter.
Der elektrobetriebene Katamaran liegt am Landesteg vor der Insel Mainau im Bodensee. Die Region will in Zukunft Vorreiter in Sachen klimaneutrale Schifffahrt sein. © Felix Kästle/dpa

«Artemis» soll nach fast zwei Jahrhunderten nichts weniger als das Ende des Zeitalters von Dampf und Diesel auf dem Bodensee einläuten.

198 Jahre nach der Jungfernfahrt des Dampfschiffs «Wilhelm» vom deutschen ans schweizer Ufer soll der Katamaran als erstes Passagierschiff mit Elektroantrieb auf dem See die Insel Mainau mit dem nördlichen Ufer verbinden. Am heutigen Sonntag steht am Anleger der Blumeninsel die feierliche Taufe an.

Modellregion für klimaneutrale Schifffahrt

Nach dem Willen der Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) in Konstanz soll das nur der Anfang sein: Bis zum Jahr 2035 wolle man alle 16 Schiffe der Flotte auf umweltfreundliche Antriebe umstellen, sagt eine Sprecherin. «Der Bodensee soll eine Modellregion für eine klimaneutrale Zukunft der Fahrgastschifffahrt werden.» Bisher sind die Ausflugsschiffe und Fähren der BSB, die größte Passagierflotte aus dem See, ausnahmslos mit Diesel unterwegs.

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann will das möglichst schnell ändern. Angesichts des Klimawandels «müssen alle erforderlichen Anstrengungen unternommen werden, um das Ziel klimaneutrale Mobilität bei allen Verkehrsträgern zu erreichen», sagt der Grünen-Politiker. Der Bodensee biete dabei «ideale Voraussetzungen» als Modellregion für CO2-freie Schifffahrt - «mit überregionaler Strahlkraft». Bisher kenne das Ministerium nur ein weiteres Elektro-Passagierschiff, das im Land in Betrieb ist: die «Electra», die auf dem Neckar von Stuttgart zum Max-Eyth-See fährt.

Andernorts ist man bei der Umrüstung auf nachhaltigere Antriebe schon deutlich weiter. 20 der 33 Fahrgastschiffe der Bayerischen Seenschifffahrt schippern schon elektrisch betrieben über beliebte Ausflugsseen im Freistaat. Die 19 kleinen Schiffe am Königssee im Berchtesgadener Land sind sogar schon seit dem Jahr 1909 mit Batterien unterwegs, die nachts geladen werden. Die 13 übrigen Fahrgastschiffe verbrennen seit gut drei Jahren immerhin einen synthetischen Kraftstoff, der Angaben des Herstellers zufolge mehr als ein Drittel weniger Stickoxide ausstößt als herkömmlicher Diesel.

Die meisten Boote sind mit Verbrennermotoren unterwegs

Am Bodensee könnten bis zum Jahr 2025 immerhin zwei weitere klimaschonender angetriebene Schiffe zur BSB-Flotte stoßen. Bewährt sich E-Katamaran Artemis bis Ende 2023 im Fährbetrieb, will die BSB ein weiteres baugleiches Elektroschiff in Auftrag geben. Die Schwesterfähre könnte dann im Jahr 2025 in Betrieb gehen.

Schon im Frühjahr 2023 soll zudem eine Fähre mit Flüssiggasantrieb Menschen und Fahrzeuge im Linienbetrieb von Meersburg nach Konstanz transportieren. Bislang sei aber unklar, wann dafür nachhaltig hergestelltes Bio-Flüssiggas verwendet werden kann, sagt der technische Leiter der BSB, Christoph Witte. «Im Moment ist es schwierig, eine Prognose abzugeben.» Er sei aber überzeugt, dass Biomethan zum Erreichen der Klimaziele auf den Markt komme und dann auch für die Fähre eingesetzt werden könne.

Doch selbst wenn die komplette BSB-Flotte nachhaltiger unterwegs ist, bleibt der Weg zu klimaneutraler Schifffahrt auf dem Bodensee lang. Nach Angaben der Regierung des österreichischen Bundeslands Vorarlberg waren zum Jahresende 2020 mehr als 61.600 Boote am Bodensee zugelassen, davon mehr als die Hälfte (rund 38.500) mit Verbrennermotoren. E-Antriebe hatten nur knapp 2000 Boote, umweltschonend unterwegs waren auch mehr als 15.000 Segelboote und knapp 6000 Boote ohne Motoren.

Leck im Schiff - Batteriemodule müssen ersetzt werden

«Vor allem Segelboote könnten entweder mit Batterie oder mit Bio- beziehungsweise synthetischen Kraftstoffen angetrieben werden», sagt Baden-Württembergs Verkehrsminister Hermann. «Die Entwicklung und Erprobung alternativer, klimaneutraler Antriebe ist daher dringend geboten. Der Bodensee bietet ideale Randbedingungen, um zügig die alternativen Technologien im Praxisbetrieb umzusetzen.»

Fürs erste muss nun aber die 3,6 Millionen Euro teure E-Fähre Fahrt aufnehmen - was sich nach einem Leck bei den letzten Arbeiten vor der Taufe schwieriger gestaltet als erhofft. Durch den Schaden an der Schiffshülle sei Wasser in einen Batterieraum gelangt, sagt ein Sprecher der Werft Ostseestaal in Stralsund, bei der das Schiff in Auftrag gegeben wurde. Nun müssten beschädigte Batteriemodule ersetzt werden. Die Übergabe werde sich daher «um einige Wochen verzögern».

Der Anfang vom Ende des Zeitalters von Dampf und Diesel auf dem Bodensee lässt also noch ein wenig länger auf sich warten.

© dpa
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