Annullierung: Reisebüro versäumt Frist - Airline muss zahlen

Wird ein Flug gestrichen, müssen Urlauber darüber möglichst frühzeitig informiert werden. Airlines können die Verantwortung dafür nicht auf Reisebüros oder Buchungsplattformen abwälzen.
«Cancelled»: Im Fall einer Flug-Annullierung können Reisenden Ausgleichszahlungen zustehen. © Tobias Hase/dpa-tmn

Werden Urlauber von der Fluggesellschaft mindestens zwei Wochen vor geplantem Abflug über eine Annullierung informiert, stehen ihnen keine Ausgleichszahlungen nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung zu.

Anders kann der Fall liegen, wenn die Airline nur das Reisebüro rechtzeitig über die Streichung des Flugs informiert. Versäumt das Reisebüro danach die Zwei-Wochen-Frist, ist es möglich, dass die Airline dennoch Ausgleichszahlungen leisten muss.

Das zeigt ein Urteil des Amtsgerichts Erding (Az.: 119 C 1903/21), über das die Zeitschrift «ReiseRecht aktuell» (02/22) berichtet. Denn das Informationsrisiko liege nach Konzeption der Verordnung bei der Airline. Sie muss nachweisen können, dass der Fluggast rechtzeitig über die Annullierung in Kenntnis gesetzt wurde.

500 Euro Ausgleich für zwei Tickets

In dem Fall ging es um einen Flug von München nach Split in Kroatien. Eine Frau hatte zwei Tickets gebucht. 15 Tage vor Abflug informierte die Airline das Reisebüro über die Annullierung des Flugs. Doch die Frau erreichte die Info nach ihren Angaben erst vier Tage vorher.

Sie verlangte eine Ausgleichszahlung in Höhe von 500 Euro, also 250 Euro pro Ticket. Das Amtsgericht gab ihr Recht und verwies dabei auch auf die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH).

Laut dem EuGH ist der Ausgleichsanspruch eben nicht ausgeschlossen, wenn die Airline lediglich den Reisevermittler mindestens zwei Wochen vorher über die Annullierung informiert und dieser die Information nicht binnen der Frist an den Reisenden weitergibt. Das hatte der EuGH 2017 in einem Urteil deutlich gemacht.

Sinn der Regelung

Das Amtsgericht Erding stellte in seiner Begründung noch einmal den Sinn der Regelung klar: Je früher man über eine Annullierung Bescheid weiß, desto weniger Unannehmlichkeiten hat man beim Umplanen und bei der Suche nach Alternativen. Darum entfällt der Ausgleichsanspruch, wenn die Info rechtzeitig, mindestens zwei Wochen vorher, kommt.

© dpa
Weitere News
Top News
Fußball news
Länderspiel: Deutsche U21 verliert auch gegen England
Musik news
Song Contest: Der ESC findet 2023 in Glasgow oder Liverpool statt
Wohnen
Heizperiode beginnt: So heizt man sparsamer, ohne zu frieren
Tv & kino
Featured: Wer ist Elendil in Die Ringe der Macht? So wichtig ist die Figur für Mittelerde
Games news
Featured: Warhammer 40k: Darktide – alle spielbaren Charaktere im Überblick
Handy ratgeber & tests
Featured: Apple Watch SE 2 vs. Apple Watch SE: Diese Upgrades spendiert Apple
Handy ratgeber & tests
Featured: Apple Watch 8 vs. Galaxy Watch5: Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Handy ratgeber & tests
Featured: AirPods Pro 2 vs. AirPods Pro: So hat Apple die In-Ear-Kopfhörer verbessert
Empfehlungen der Redaktion
Reise
Gerichtsurteil: Anderer Zielflughafen, gleiche Region: Keine Entschädigung
Reise
Welche Rechte Reisende haben: Sicherheitsleute an acht Flughäfen im Warnstreik
Reise
Sommerurlaub: Flug weg, Koffer weg, Reise futsch? Das sind ihre Rechte
Reise
Bodenpersonal streikt: Warnstreik am Mittwoch: Welche Rechte Flugreisende haben
Reise
Drohender Piloten-Streik: Nicht voreilig stornieren oder umbuchen
Reise
Urlaubsplanung: Flugchaos im Sommer? Was Reisende wissen müssen
Reise
Bis zu 600 Euro Entschädigung: EuGH stärkt Fluggastrechte bei Reisen über EU-Grenzen hinweg
Reise
800 Flüge gestrichen: Lufthansa-Warnstreik: Diese Rechte haben Passagiere