Mexikanische Ferienregion hat ein Gewaltproblem

08.02.2022 Auffällig oft sind zuletzt an den Urlaubszielen der Riviera Maya in Mexiko Schüsse gefallen - sogar an Stränden und in Hotels. Die Angreifer haben es in der Regel nicht auf Touristen abgesehen - diese werden aber trotzdem bisweilen zu Opfern der Gewalt.

An den Urlaubszielen der Riviera Maya in Mexiko haben sich in letzter Zeit Schießereien angehäuft. © Natalia Pescador/dpa

Meist ist es schön an der Riviera Maya: feinsandige Strände mit Kokospalmen, Pyramiden am türkisblauen Meer, Schnorcheln an Korallenriffen. Das mexikanische Urlaubsparadies an der Karibikküste weiß zu beeindrucken, aber mehrere Schießereien zuletzt lassen es in einem düstereren Licht dastehen. Auch Ausländer kamen ums Leben, darunter eine Deutsche.

An einem sonnigen Nachmittag vor drei Monaten stürmten 15 Bewaffnete die Küste bei Puerto Morelos, südlich von Cancún. Sie rannten mit Schnellfeuergewehren zwischen den Palmhütten eines Hotels, wie die Videoaufzeichnung einer Überwachungskamera zeigte, und schossen zwei Drogendealer nieder. In Schnellbooten machten sie sich auf die Flucht. Als die Schüsse knallten, schützten sich Touristen und Hotelangestellte in inneren Räumen. Es gab keine weiteren Opfer.

Sie hatten Glück. Zwei Wochen zuvor waren eine deutsche Touristin und eine Reisebloggerin aus Indien im trendigen Ort Tulum getötet worden. Sie aßen an verschiedenen Tischen in der Bar «La Malquerida», als ein Schusswechsel begann. Drogenhändler verfolgten einen Gegner. Er betrat das Lokal und erwiderte von dort aus das Feuer. Die Polizei fand am Tatort 25 abgefeuerte Patronenhülsen. Zwei weitere Deutsche und eine Niederländerin wurden verletzt.

«Wir haben eine große Nachfrage und ein großes Angebot an Drogen», sagte der Generalstaatsanwalt des Bundesstaates Quintana Roo, Óscar Montes de Oca, dem Fernsender Televisa. «Das ist, was zu dieser Gewalt führt».

Drogenumschlagplätze und Erpressungsgelder

Große Drogenkartelle und örtliche Banden kämpfen um Drogenumschlagplätze und Erpressungsgelder, von denen weder kleine noch große Geschäfte verschont werden. Sogar Taxifahrer und Straßenverkäufer müssen zahlen. Der argentinische Manager des Strandclubs «Mamita's» in Playa del Carmen wurde zuletzt aus noch ungeklärten Gründen umgebracht.

Auch transnationale Verbrecherorganisationen sind in der Nachbarschaft vertreten. Zwei Kanadier, die Ende Januar in einem Hotel in Xcaret nahe Playa del Carmen getötet wurden, waren Ermittlern zufolge in internationale Kriminalität und Drogenhandel verwickelt. Sie wurden demnach wegen eines Streits um Schulden von einem Auftragskiller erschossen.

Hotel- und Restaurantbesitzer sind besorgt. Das Auswärtige Amt und das US-Außenministerium mahnten Touristen zur Vorsicht. Für eine Region, die vom Tourismus lebt, sind das keine guten Nachrichten. Solche Angriffe hätten eine besondere «Resonanz in den Medien», auch wenn die Kriminalität im Allgemeinen im Bundesstaat zurückgehe, bedauerte der Gouverneur Carlos Joaquín im Radiosender Fórmula.

Mexiko setzt während Corona auf Politik der offenen Tür

Millionen Urlauber besuchen jedes Jahr die berühmtesten Ferienorte Mexikos an der nordöstlichen Küste der Halbinsel Yucatán. Selbst während der Pandemie kamen sie kontinuierlich an. Mexiko setzt auf eine Politik der offenen Tür: Weder Corona-Tests noch Impfnachweise sind für die Einreise ins Land nötig.

Allein in Cancún hat der Drogenhandel einen Wert von jährlich rund 4,3 Millionen Euro, wie die Zeitung «Reforma» unter Berufung auf Sicherheitsquellen berichtete. «Drogenhandel und Prostitution hat es in Quintana Roo schon immer gegeben. Der Tourismus ist hier unantastbar. Es gibt keine Kontrolle», sagt Azucena García der Deutschen Presse-Agentur.

García, die von Beruf Biologin ist, gehört der Bürgerinitiative «Beobachtungsstelle für öffentliche Sicherheit und Geschlechtergleichstellung» in Quintana Roo an. Sie spricht auch von einer nicht nachhaltigen Entwicklung des Tourismus mit negativen Folgen für die Umwelt und die Menschen. Am Sandstrand von Tulum entstand in den vergangenen Jahren ein Hotel nach dem anderen, viele davon als öko-chic vermarktet. Mangroven wurden zerstört, das Grundwasser verschmutzt und der Urwald als offene Müllkippe benutzt.

Jetzt patrouillieren vermehrt Soldaten die Strände. Sie gehören einer Spezialeinheit der Nationalgarde an, die Staatspräsident Andrés Manuel López Obrador einrichtete, um die Besucher zu schützen. Die Regierung des Bundesstaates Quintana Roo will auch mit Vertretern der US-Bundespolizei FBI, der US-Anti-Drogenbehörde DEA und der kanadischen Polizei in Sicherheitsfragen zusammenarbeiten. Bald sollen mehr Touristen in die Region kommen. Ein neuer Flughafen in Tulum und der sogenannte Maya-Zug werden ab Ende 2023 dafür sorgen.

© dpa

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