Fischen zwischen den Weinbergen

27.07.2022 Vom Fang bis zum fertigen Gericht kann man bei Thomas Weber an der Mosel miterleben, was den Fischer-Beruf ausmacht. Es ist Teil eines erhofften Imagewandels der Region - und der Fischerei.

Thomas Weber schrieb an seiner Abschlussarbeit, als er merkte, dass dieses Leben, das stundenlange Sitzen vor dem Computer, nichts für ihn ist.

Er entschied sich für Gummistiefel und einen Knochenjob. Jetzt ist der 35-Jährige Rheinland-Pfalz‘ jüngster Moselfischer und einer, der den Beruf in die Zukunft führen will.

Schon um sieben Uhr früh fährt Thomas Weber mit seinem kleinen Motorboot raus auf die Mosel, um seine Netze zu stellen. Die Luft riecht frisch, der Fahrtwind pustet den Kopf frei, die Wellen klatschen rhythmisch gegen den Rumpf. Alleine ist der Fischer seltener, seit er sich entschlossen hat Touren für Touristen anzubieten.

Sehen, wo der Fisch herkommt

Am Ufer in Minheim wartet der gelernte Fischwirtschaftsmeister in einer orangefarbenen Anglerhose auf seine ersten Gäste. Ölzeug in Leuchtfarben, brandneue Schwimmwesten, sogar Empfänger samt Kopfhörern werden herumgereicht, damit Webers Erklärungen auch bei voller Fahrt durch die Fanggründe der Mittelmosel noch gut zu hören sind.

Auch Kinder sind auf dem Fischerboot willkommen: «Damit die mal sehen, wo Fische überhaupt herkommen», sagt Weber. «Urlaub auf dem Bauernhof gibt es für solche Zwecke ja auch.»

Zweckmäßigkeit statt Moselromantik

Bei der Fischerei geht es um Zweckmäßigkeit, nicht um Moselromantik. Natürlich kann man trotzdem nicht übersehen, wie die eleganten Rebenreihen, die den Fluss einrahmen, kerzengerade in den Himmel wachsen. Und es lässt sich auch nicht abstellen, dass die Sonne genau in dem Moment durch die Wolken bricht, in dem Thomas Weber zeigt, wie er seine Netze stellt.

An normalen Tagen verteilt er morgens bis zu 60 Stück, trotzdem bleibt der Fang bis zum Nachmittag oft mager. «Früher sind wir schon mal mit 100 oder 200 Kilo Fisch heimgekommen, heute bin ich froh, wenn ich 20 Kilo Rotaugen habe», berichtet er. «Dabei ist die Biomasse im Fluss gleichgeblieben. Das Problem sind die Fischarten, die nicht hier reingehören.»

Weber zieht den Anker ein Stück über den Grund, um eine seiner 130 Reusen zu finden. Zwei Wochen bleiben die schlauchartigen Netzgeflechte im Wasser. Der Berufsfischer will mit ihnen hauptsächlich Aale für die Aalschutzinitiative Rheinland-Pfalz fangen, um die Tiere bei ihrer Laichwanderung vor den Wasserkraftanlagen der Mosel zu schützen und damit die Arterhaltung zu unterstützen.

Schwimmende Mini-Drachen mit Schnappmaul

Doch schon aus der ersten Reuse, die Weber an Bord hebt, lassen seine Gäste ganz behutsam mehr Grundeln als Aale in den Eimer flutschen.

Die Schwarzmund-Grundel, eine ursprünglich im Schwarzen Meer heimische Art, gilt als extrem invasiv, vermehrt sich schnell und ist seit Jahren massenhaft in Deutschlands großen Flüssen unterwegs. Zwar ist die Grundel, die ein bisschen an einen schwimmenden Mini-Drachen mit Schnappmaul erinnert, grundsätzlich essbar, aber so klein und voller Gräten, dass sich kaum ein Angler und erst recht kein Restaurant die Mühe macht, sie tatsächlich zuzubereiten.

Kreative Rezepte für die unbeliebte Grundel

Die Grundel ist damit zum Ideengeber für die zweite Säule in Webers Konzept geworden: Das eigene Restaurant.

Im Gasthaus «Zum Moselfischer», das voraussichtlich Mitte August direkt an Webers gepachteter Moselstrecke in der Weinbaugemeinde Trittenheim eröffnen soll, will der 35-Jährige den Tag künftig gemeinsam mit seinen Gästen bei Wein, frischem Fisch und anderen regionalen Produkten ausklingen lassen. Das Restaurant folgt einem einfachen, nachhaltigen Motto: Alle gefangenen Fische werden verwertet.

Weg vom Kegelclub-Image

Thomas Weber ist der perfekte Protagonist für die Genussinitiative «Faszination Mosel», mit der die Region seit einigen Jahren um Touristen wirbt. Das Ziel der PR: Das angestaubte Image eines Kegelclub-Reiseziels soll ersetzt werden durch ein von innovativen Köpfen und regionaltypischen Produkten geprägtes Kulinarikprofil: Riesling oder Mosel-Weinbergpfirsich, lokaler Käse oder Gin.

© dpa

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