So wäscht man mit Kastanien Kleidung

Die Natur bietet uns einiges, was den Kauf von anderen Produkten ersetzt - etwa im Herbst Kastanien. Damit kann man nämlich Wäsche waschen. So gehts.
Wer frische Kastanien im Herbst sammelt und zu einem Sud verarbeitet, bekommt ein kostenloses, natürliches Waschmittel. © Simone A. Mayer/dpa-tmn

Kastanien bereiten nicht nur Kindern Freude, die daraus kleine Figuren basteln. Wussten Sie, dass man mit diesen Früchten aus Garten oder Park auch Wäsche waschen kann?

Kastanien besitzen viele Saponine - Substanzen, die unter Zugabe von Wasser schäumen. Man findet die Früchte des Rosskastanien-Baums daher auch unter der Bezeichnung Waschkastanien in Drogeriemärkten und Läden für Naturprodukte. Oft gibt es sie als Granulat. Man kann aber auch einfach die braunen Kugeln im Herbst selbst sammeln und verarbeiten.

Anleitung für eine Waschladung:

- Sechs bis acht Kastanien säubern und mit einem Messer vierteln oder klein hacken, rät der Naturschutzbund Deutschland (Nabu).

Anleitungen, die überzeugte Nutzer der Waschkastanien im Netz teilen, raten dazu, die braunen Kugeln mit einem leistungsstarken Mixer oder einer Küchenmaschine richtig klein zu schreddern. So sollen sich die Inhaltsstoffe später besser lösen können. Das kann man sogar sehen: Durch diesen Trick wird die Flüssigkeit etwas dicker.

- Die Stücke in ein Schraubglas geben und mit heißem Leitungswasser das Glas auffüllen. Mindestens zwei Stunden lang ziehen lassen - noch besser über Nacht beziehungsweise einen halben Tag, so dass sich die Saponine aus den Kastanien lösen.

- Das Glas mit dem Sud kräftig schütteln und anschließend die Kastanienstücke heraussieben. Die Flüssigkeit ist nun das Waschmittel und kommt in das Spülfach der Waschmaschine.

Die Vorteile: Weniger Kosten und Naturschutz

Wer Kastanien im Herbst sammelt, bekommt ein kostenloses Waschmittel. Das spart zudem Ressourcen, die für die industriell gefertigten Waschmittel verbraucht werden. Außerdem sind die Substanzen der Waschkastanie natürlich biologisch abbaubar, Gewässer werden also nicht belastet.

Die Lösung gegen Grauschleier und Flecken:

Mit der Zeit vergraut beim Reinigen mit Waschkastanien weiße Wäsche oder kann einen Gelbschimmer bekommen. Daher sollte man die Waschkastanien am besten lieber nur für farbige Teile nutzen. Außerdem können Kastanien hartnäckige Flecken nur bedingt entfernen.

Aber es gibt dafür auch Lösungsvorschläge: Selbst Firmen, die Waschkastanien vertreiben, raten teils, bei Weißwäsche zusätzlich Waschsoda oder Natron zu verwenden.

Überzeugte Nutzer von Waschkastanien empfehlen außerdem, die Früchte aus ihren braunen Schalen zu lösen, bevor man sie zum Einweichen ins Wasser gibt. Und man kann etwas Bleichmittel bei Waschgängen mit weißen Stücken hinzufügen. Flecken behandelt man einfach vor.

Noch ein Tipp: Der Sud riecht nach Kastanien. Wer den Duft von frischer Wäsche liebt, sollte etwas naturreines Duftöl hinzufügen.

Die Lösung für eine längere Haltbarkeit:

Man muss etwas Aufwand, Zeit und Planung in die Herstellung investieren - und zwar fast vor jedem Waschgang. Denn das Kastanien-Waschmittel sollte laut Nabu innerhalb von zwei Tagen aufgebraucht werden, sonst riecht es unangenehm.

Zudem lassen sich die Kastanien nur frisch im Herbst nutzen, da sie sonst austrocknen oder gar schimmeln. Aber hierfür gibt es eine Lösung: Die Kastanien haltbar machen.

Dafür die braunen Kugeln wieder zerkleinern. Bei großen Mengen einfach die Früchte in ein Tuch wickeln und mit dem Hammer bearbeiten, das geht schneller als einzeln mit dem Messer.

Die Stücke auf einem Tuch oder Blech ausbreiten und an warmen Tagen von der Sonne trocknen lassen. Alternativ bei rund 40 Grad Umluft für zwei bis drei Stunden in den Ofen geben. Wer Energie sparen will, kann die Restwärme etwa nach dem Backen nutzen. Allerdings sollte man laut Nabu sicherstellen, dass die Kastanienstücke ganz durchtrocknen können. Sonst schimmeln sie.

© dpa
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