Was bleibt 2022 im Portemonnaie?

30.12.2021 Die Corona-Krise, steigende Energiekosten und höhere Lebensmittelpreise sorgen zur Zeit dafür, dass in etlichen Haushalten das Geld knapp wird. Doch im kommenden Jahr könnte es wieder etwas aufwärts gehen.

Die Corona-Krise, steigende Energiekosten und höhere Lebensmittelpreise sorgen zur Zeit dafür, dass in etlichen Haushalten das Geld knapp wird. Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Corona-Jahre 2020 und 2021 waren für viele
Menschen nicht nur gesundheitlich, sondern auch finanziell eine
Herausforderung. Kurzarbeit, steigende Energiepreise und die
Verteuerung etlicher Konsumgüter machten es vielen Haushalten schwer,
über die Runden zu kommen.

Doch vieles spricht dafür, dass es im
kommenden Jahr besser wird und Verbraucherinnen und Verbraucher
wieder mehr Geld - oder zumindest nicht weniger - im Portemonnaie
haben werden.

2022 werde die Kaufkraft erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie
wieder deutlich ansteigen, prognostizierte im Dezember Filip Vojtech
vom Marktforschungsunternehmen GfK in einer Studie. Die Marktforscher
gehen davon aus, dass die Kaufkraft der Verbraucher im kommenden Jahr
nominal um 4,3 Prozent steigen wird. Selbst nach Abzug der
Inflationsrate, die nach den Prognosen führender
Wirtschaftsforschungsinstitute bei 2,5 Prozent liegen dürfte, bliebe
also noch einiges an zusätzlicher Kaufkraft übrig.

Reallöhne stagnieren

Nicht ganz so optimistisch ist allerdings der Konjunkturexperte
Torsten Schmidt vom RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung
in Essen. Er geht davon aus, dass die Reallöhne 2022 eher stagnieren
werden. Doch auch das wäre nach dem spürbaren Minus in diesem Jahr
schon eine Verbesserung.

Tatsächlich können sich einige Gruppen auf überdurchschnittliche
Zuwächse freuen. Geringverdiener werden 2021 davon profitieren, dass
der gesetzliche Mindestlohn zum 1. Januar angehoben wird - von
derzeit 9,60 Euro auf 9,82 Euro pro Stunde. Zum 1. Juli soll er dann
noch einmal um weitere 63 Cent auf 10,45 Euro pro Stunde erhöht
werden. Zusammen bedeutet das ein Plus von fast 9 Prozent.
Möglicherweise könnte es auch noch mehr werden. Denn die
Ampel-Parteien haben in ihrem Koalitionsvertrag eine Anhebung des
Mindestlohns auf 12 Euro die Stunde verabredet. Wann dies allerdings
umgesetzt werden soll, ist noch ungewiss.

Auch Auszubildende dürfen sich über mehr Geld freuen. Die gesetzliche
Mindestsausbildungsvergütung im ersten Ausbildungsjahr steigt von 550
Euro monatlich im Ausbildungsjahrgang 2021 auf 585 Euro im
Ausbildungsjahrgang 2022. Entsprechend erhöhen sich die Vergütungen
in den folgenden Ausbildungsjahren.

Wie viel mehr gibt es für Rentner?

Auch die rund 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner in Deutschland
können ab Juli mit mehr Geld rechnen. Die Frage ist nur: Mit wie viel
mehr? Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagte Ende November,
er erwarte, «dass die Renten in Deutschland ab Juli 2022 um 4,4
Prozent steigen.» Das klingt viel, ist aber weniger als noch im
vergangenen Sommer prognostiziert - als von Rentenerhöhungen von 5,2
Prozent im Westen und 5,9 Prozent im Osten die Rede war.

Der Hintergrund: Die Ampelparteien haben im Koalitionsvertrag die
Wiedereinführung des sogenannten Nachholfaktors vereinbart, der die
Rentensteigerung dämpft. Mit Ihm soll der Tatsache Rechnung getragen
werden, dass die Renten 2021 wegen der Auswirkungen der
Corona-Pandemie auf die allgemeine Lohnentwicklung eigentlich hätten
gekürzt werden müssen, was jedoch gesetzlich ausgeschlossen ist.

Ab Januar 2022 erhalten aber auch alle, die auf Sozialhilfe,
Arbeitslosengeld II sowie Grundsicherung im Alter und bei
Erwerbsminderungen angewiesen sind - ein bisschen - mehr Geld. Der
Regelsatz für alleinstehende Erwachsene steigt um drei Euro auf 449
Euro im Monat. Die Regelsätze für Kinder und Jugendliche steigen
ebenfalls.

CO2-Steuer steigt

Doch einiges wird absehbar auch teurer werden im kommenden Jahr -
etwa der Stopp an der Tankstelle und das Nachfüllen des Heizöltanks.
Der Hintergrund: Die im Januar 2021 eingeführte CO2-Steuer für
fossile Brennstoffe steigt zum Jahresbeginn von 25 Auf 30 Euro pro
Tonne. Und damit verteuern sich nach Angaben der Verbraucherzentrale
Nordrhein-Westfalen Benzin um 1,5 Cent pro Liter, Heizöl und Diesel
um 1,6 Cent pro Liter und Erdgas um 0,1 Cent pro Kilowattstunde.
Nicht absehbar ist die Entwicklung der Rohölpreise, die maßgeblich
die Tank- und Heizölkosten für Verbraucher bestimmen.

Etwas anders ist die Situation beim Strom. Hier sinkt zwar die
EEG-Umlage zum 1. Januar von 6,5 Cent auf 3,72 Cent pro
Kilowattstunde. Das ist der niedrigste Stand seit zehn Jahren. Doch
dürfte der positive Effekt auf die Geldbörsen der Verbraucher
weitgehend von den beträchtlichen Preissteigerungen an der Strombörse
aufgefressen werden. Unter dem Strich rechnet die Verbraucherzentrale
NRW für das kommende Jahr aber immerhin mit «stabilen Strompreisen».

Rauchen wird teurer

Für Raucher wird außerdem der Griff zur Zigarette teurer: Die
Tabaksteuer für eine Packung mit 20 Zigaretten steigt 2022 um
durchschnittlich 10 Cent. Die höheren Steuern dürften die Hersteller
an die Endkunden weitergeben. Ab dem 1. Juli unterliegen dann auch
erstmals die Substanzen für E-Zigaretten der Tabakbesteuerung. Für
ein 10-Milliliter-Liquid, das aktuell grob gesagt 5 Euro kostet, soll
2022 1,60 Euro mehr Steuern anfallen, bis 2026 soll dieser Wert auf
3,20 Euro steigen. Auch Tabak für Wasserpfeifen wird künftig deutlich
höher besteuert.

Keine großen Löcher dürfte eine weitere Preiserhöhung in die meisten
Geldbeutel reißen: Die Deutsche Post erhöht zum 1. Januar die Preise.
Die Postkarte kostet dann 70 statt 60 Cent, der Standardbrief 85
statt 80 Cent. Und auch einige andere Formate werden teurer.

Kleiner Trost: Insgesamt soll die Inflationsrate 2022 wieder spürbar
sinken. Das RWI geht in seinem jüngsten Konjunkturbericht für 2022
«nur» noch von einer Preissteigerung von 2,6 Prozent aus - nach einer
Inflationsrate von 3,2 Prozent in diesem Jahr.

© dpa-infocom GmbH

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