Energie-Entlastungspakete sind sozial ausgewogen

Eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zeigt: Vor allem Haushalte mit geringen und mittleren Einkommen profitieren von den angekündigten Staatshilfen. Rentnerinnen und Rentner kommen deutlich schlechter weg.
Laut einer aktuellen Studie profitieren von den Energie-Entlastungspaketen Haushalte mit geringen und mittleren Einkommen am meisten. Rentnerinnen und Rentner werden jedoch kaum entlastet. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Die angekündigten Energie-Entlastungspakete der Bundesregierung werden nach einer aktuellen Studie bei vielen Erwerbstätigen-Haushalten einen beträchtlichen Teil der Mehrausgaben durch die explodierenden Energiekosten ausgleichen.

Bei Rentnern werde dagegen nur ein geringer Teil der energiepreisbedingten Mehrausgaben ausgeglichen, berichtete das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in einer nun veröffentlichten Studie.

Haushalte mit niedrigem Einkommen profitieren am meisten

«Die Entlastungen sind insofern sozial ausgewogen, als dass insbesondere bei Haushalten mit geringen und mittleren Einkommen und speziell bei Familien ein besonders hoher Anteil der Mehrausgaben für Energie ausgeglichen wird», berichteten die Forscher. So summierten sich die Entlastungen bei einer Familie mit zwei erwerbstätigen Erwachsenen, zwei Kindern und einem unterdurchschnittlichen monatlichen Nettoeinkommen von 2000 bis 2600 Euro auf rund 90 Prozent der zusätzlichen Belastungen. Bei einer vergleichbaren Familie mit einem mittleren Einkommen von 3600 bis 5000 Euro netto seien es 77 Prozent.

Spürbar niedriger fällt der Studie zufolge die Entlastung bei Familien aus, in denen nur ein Elternteil erwerbstätig ist: Sie liegt bei einer vierköpfigen Familie mit 2600 bis 3600 Euro Nettoeinkommen bei 59 Prozent. Bei alleinlebenden Erwerbstätigen mit niedrigen Nettoeinkommen von bis zu 900 Euro werden die Mehrbelastungen durch teurere Energie zu rund 76 Prozent ausgeglichen, bei jenen mit hohen Einkommen von mehr als 5000 Euro zu 44 Prozent.

Wenig Enlastung für Rentnerinnen und Rentnern

Schlechter sieht es der Studie zufolge bei Rentnerinnen und Rentnern aus, bei denen nur ein geringer Teil der energiepreisbedingten Mehrausgaben staatlich ausgeglichen werde. So würden bei einer alleinlebenden Rentenbezieherin mit einen Einkommen von unter 900 Euro lediglich 9 Prozent der zusätzlichen Belastung kompensiert.

Der größte Teil der Entlastungen ergibt sich laut den IMK-Berechnungen aus Änderungen des Einkommensteuerrechts sowie aus Energiepreispauschale und Familienzuschuss. «Haushalte mit geringen Einkommen profitieren dabei vor allem von den Pauschalzahlungen aus dem zweiten Paket, Haushalte mit hohen Einkommen vor allem von den Erhöhungen von Freibeträgen und Pauschalen im Steuerrecht», erklärte Sebastian Dullien, Wissenschaftlicher Direktor des IMK. Im Ergebnis würden so die Erwerbstätigen mit niedrigen und hohen Einkommen in absoluten Euro-Beträgen in ähnlichem Umfang entlastet.

Haushalte von Rentnerinnen und Rentnern werden dagegen laut der Studie von den Paketen nur in geringem Maße entlastet. Zwar profitiere diese Bevölkerungsgruppe auch von der Abschaffung der EEG-Umlage und den vorübergehend gesenkten Kraftstoffpreisen. Da diese Entlastungen in Euro gerechnet für typische Haushalte aber wesentlich geringer seien als die Entlastungen durch Pauschalzahlungen und Einkommensteueränderungen, fielen die Entlastungen relativ zu den Mehrausgaben durch die hohe Inflation relativ gering aus. «Hier sollte die Regierung noch einmal überlegen, ob nicht etwa bei Rentnerinnen und Rentnern noch einmal nachgelegt werden muss», sagte Dullien.

© dpa
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