Weniger Verbraucherinsolvenzen im ersten Quartal 2022

03.06.2022 Auf den ersten Blick sieht es nach Entspannung aus. Doch dass die Zahl der Pleiten von Privatleuten in den vergangenen Monaten gesunken ist, dafür haben Experten eine einfache Erklärung. Für das Gesamtjahr erwarten sie mehr Fälle.

Die Zahl der Privatpleiten in Deutschland ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. Allerdings hatte 2021 ein Sondereffekt zu mehr Insolvenzanträgen geführt. © Fernando Gutierrez-Juarez/dpa-Zentralbild/dpa

Die Wirtschaftsauskunftei Crif hat im ersten Quartal 2022 deutlich weniger Verbraucherinsolvenzen in Deutschland gezählt als ein Jahr zuvor. Mit 22.166 Fällen sei die Zahl der Privatpleiten um gut 30 Prozent niedriger ausgefallen als vor Jahresfrist, rechnete Crif vor.

Allerdings waren die Zahlen in den ersten drei Monaten 2021 infolge einer Gesetzesänderung stark gestiegen, die eine Befreiung von der Restschuld schon nach drei statt nach sechs Jahren möglich macht. Etliche Betroffene hatten nach Einschätzung von Experten daher mit ihrem Insolvenzantrag gewartet, das trieb in der Folge die Zahlen in die Höhe. «Daher fallen die Veränderungsraten derzeit verzerrt aus», erläuterte Crif-Deutschland-Geschäftsführer Frank Schlein.

Mehr Privatinsolvenzen im Vergleich zu 2020

Vergleiche man die jüngsten Zahlen mit dem ersten Quartal 2020, so ergebe sich ein Anstieg um neun Prozent. Und auch in den ersten drei Monaten des Jahres 2019 lagen die Privatinsolvenzen nach Crif-Bürgel-Angaben mit 21.490 Fällen unter dem aktuellen Niveau.

Von einer Trendwende sei also keine Spur. Die finanzielle Situation vieler Verbraucher in Deutschland bleibe vor allem wegen steigender Miet- und Energiepreise angespannt, stellte Crif fest. Im Mai war die Inflation vorläufigen Zahlen zufolge mit 7,9 Prozent auf den höchsten Stand seit fast 50 Jahren gesprungen. Die hohe Teuerung schwächt die Kaufkraft der Menschen.

«Wir gehen auch 2022 von weiter hohen Privatinsolvenzzahlen aus. Aktuell rechnen wir mit bis zu 95.000 Verbraucherinsolvenzen in diesem Jahr», führte Schlein aus. Von 2020 auf 2021 hatte sich die Zahl der Privatpleiten in Deutschland nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes auf 79.620 fast verdoppelt.

Nördliche Bundesländer stärker betroffen

Der Crif-Auswertung zufolge gab es bundesweit in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres 27 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner. Die nördlichen Bundesländer seien dabei stärker betroffen als der Süden Deutschlands. Bremen führe die Statistik mit 50 Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner an, es folgen Niedersachsen (39 Fälle je 100.000 Einwohner) und Hamburg (37). Über dem Bundesdurchschnitt liegen zudem Schleswig-Holstein (36), Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern (je 30) sowie Sachsen und das Saarland (je 28). Die wenigsten Privatinsolvenzen verzeichneten Bayern (16), Baden-Württemberg (20) und Thüringen (22).

In absoluten Zahlen steht das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen mit 5401 Verbraucherpleiten an der Spitze der Insolvenzstatistik. Es folgen Niedersachsen (3131 Fälle) und Baden-Württemberg (2202). Die zahlenmäßig wenigsten Fälle gab es demnach im ersten Quartal im Saarland: 276.

© dpa

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