One-Click-Bewerbung: Was bringt das Schnellverfahren?

Während der Bahnfahrt noch schnell auf einen neuen Job bewerben? Mit der One-Click-Bewerbung geht das. Doch wie nutzt man die Schnellbewerbung am effektivsten? Und wo liegen Stärken und Schwächen?
Schnell aufs Knöpfchen gedrückt: Bewerbungen im One-Click-Verfahren können manchmal hilfreich sein. In klassischen Verfahren kann man sich aber besser selbst verkaufen. © Christin Klose/dpa-tmn

Mit nur einem Klick zum Traumjob: Was sich viele Bewerberinnen und Bewerber seit Langem wünschen, soll mit der One-Click-Bewerbung tatsächlich möglich sein.

Bei dem Schnellbewerbungsverfahren bekommen die Unternehmen alle relevanten Informationen über Karriereplattformen wie Linkedin oder Xing. Per Knopfdruck landen Lebenslauf, Zeugnisse oder Arbeitsproben des Kandidaten oder der Kandidatin direkt beim potenziellen neuen Arbeitgeber.

Doch wer glaubt, mit der One-Click-Bewerbung wäre er alle Mühen los, irrt. «Der Aufwand bei der eigentlichen Bewerbung ist sehr gering. Ich muss aber vorher einen Aufwand betreiben, damit dieser Klick nicht ins Leere läuft», sagt Jörg Stelzer, Berufsberater bei der Bundesagentur für Arbeit.

Bewerberprofil will gepflegt sein

Die Bewerbung hat nur Aussicht auf Erfolg, wenn das Bewerberprofil aktuell und lückenlos ist sowie alle relevanten Informationen enthält: Abschlüsse, Referenzen, Interessen, Qualifikationen und eventuell Arbeitsproben.

Inga Dransfeld-Haase, Präsidentin des Bundesverbands der Personalmanager, rät: «Prüfen Sie, was die gängigsten Suchbegriffe in den Stellenanzeigen Ihres Bereichs sind, welche Ihrer Schlüsselkompetenzen Sie dem Unternehmen zeigen möchten und richten Sie ihr Profil darauf aus.»

Noch wichtiger als bei klassischen Bewerbungen sei es, Rechtschreibfehler zu vermeiden. «Fehlerteufel werden von der Technik schnell erkannt und führen zum Ausschluss aus dem weiteren Bewerbungsverfahren», so Dransfeld-Haase.

Unternehmen legen sich Talentpools an

Zum Einsatz kommt die One-Click-Bewerbung insbesondere bei Stellen, die allgemein ausgeschrieben werden, für deren Besetzung die Grunddaten des Bewerbers oder der Bewerberin zunächst ausreichend sind und keine spezifischen Qualifikationen erfordert werden.

Dazu können zum Beispiel Stellenangebote im Call-Center, als Speditionsfahrer oder Postzusteller gehören. «Größere Unternehmen nutzen das One-Click-Verfahren auch dazu, um sich Talentpools anzulegen», so Inga Dransfeld-Haase.

Setzt der Arbeitgeber vollständig auf One-Click, empfiehlt die Expertin, diesen Bewerbungsweg auch zu nutzen. Anders kann es aussehen, wenn auch klassischere Bewerbungen möglich sind. «Ich würde überlegen, womit ich mein Ziel am besten erreiche», rät Jörg Stelzer. «Wenn ich denke, nur meine Hardskills reichen nicht aus, kann ich aus einer klassischen Bewerbung mehr rausholen».

One-Click-Bewerbung: Kaum Raum für Individualisten

Fähigkeiten wie Kommunikationsstärke, Kreativität oder Empathie könnten im computergesteuerten Schnellbewerbungsverfahren eine untergeordnete Rolle spielen. «Nicht jeder bringt immer nur Pluspunkte in seinem Lebenslauf mit», sagt Stelzer.

Bislang sei eine Bewerbung «immer eine Werbung, die man für sich selbst macht» gewesen - mit allen Tricks, Kniffs und Chancen. «Da konnte man auch was rausholen, was vielleicht bei einer One-Click-Bewerbung übersehen werden könnte.»

Beim One-Klick-Verfahren gilt außerdem: Ist der Lebenslauf lückenhaft oder stimmt eine Jahreszahl nicht, droht bereits die automatische Aussortierung. Zudem könne das Verfahren länger dauern, als zu vermuten ist, sagt Inga Dransfeld-Haase. Zwar habe das Unternehmen schnell alle Daten zur Hand, müsse sich aber dennoch ein umfassendes persönliches Bild der jeweiligen Person machen.

Arbeitsmarkt und Bewerbungsverfahren im Wandel

In verschiedenen Fällen kann «One-Click» aber eine gute Ergänzung zu den klassischen Bewerbungsverfahren sein, findet Berufsberater Stelzer. «Den größten Vorteil sehe ich darin, dass wir eine Veränderung des Arbeitsmarktes insgesamt beobachten», sagt er.

Statt den Bewerbern langwierige und mehrstufige Bewerbungsprozesse zuzumuten, kommt das neue Verfahren Kandidatinnen und Kandidaten entgegen, ist einfacher und schneller. Damit ergeben sich auch Vorteile für das Unternehmen: die eigene Personalwirtschaft kann entlastet werden und die Bewerberzahl erhöht sich.

Foto erhöht die Chancen

Einen weiteren Vorteil sieht Inga Dransfeld-Haase darin, dass «die Daten mit Zustimmung des Bewerbers in der Datenbank des Unternehmens landen. «Sollte ein Kandidat beim ersten Mal nicht zum Zuge kommen, kann er durch den bestehenden Kontakt beim nächsten Mal berücksichtigt werden.»

Doch selbst wenn bei der One-Click-Bewerbung meist Computer die Vorauswahl treffen, schaut sich früher oder später auch ein Mensch die Unterlagen an. Jörg Stelzer empfiehlt deshalb einen Trick, der auch für klassischen Bewerbungen gilt.

Seiner Erfahrung nach würden Menschen bewusst oder unbewusst immer mit dem ersten Eindruck arbeiten. «Wenn bei einem Bewerbungsverfahren ein Foto dabei ist, das einen guten ersten Eindruck vermittelt, ist das oft von Vorteil.» Es erhöhe die Chancen, berücksichtigt zu werden.

© dpa
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