Mietpreise für Studentenbuden steigen massiv an

Die Pandemie bot Studenten eine kleine Verschnaufpause auf dem angespannten Wohnungsmarkt. Doch nun steigen die Mietpreise in den Städten wieder umso schneller. Die Lage für Studenten spitzt sich zu.
Laut MLP-Report haben sich Mietpreise für Studentenwohnungen im Vergleich zum Vorjahr deutlich verteuert. In Berlin wurde ein Anstieg von 18,5 Prozent beobachtet. © Frank Rumpenhorst/dpa

Studenten müssen für ihre Miete immer tiefer in die Tasche greifen. Im Schnitt liegen die Mietpreise für Studentenwohnungen 5,9 Prozent über dem Vorjahr, wie aus dem Studentenwohnreport 2022 des Finanzdienstleisters MLP und dem Institut der deutschen Wirtschaft hervorgeht, der nun veröffentlicht wurde.

Die Mietpreise haben demnach in allen 38 untersuchten Hochschulstädten angezogen - in Berlin sogar um 18,5 Prozent. 2021 betrug die durchschnittliche Steigerung in diesen Städten noch 1,5 Prozent - die Pandemie hatte die Preisentwicklung gebremst. Doch die Verschnaufpause ist den Studienmachern zufolge vorbei. «Vergangenes Jahr waren die Mieten in etlichen Städten sogar gesunken - diese Entwicklung ist nun spurlos verpufft», teilte MLP mit.

Am wenigsten zogen die Preise noch in Freiburg (3,1 Prozent), Frankfurt und Darmstadt an (jeweils 3,5 Prozent). Allerdings hatte Freiburg im Jahr zuvor mit einer Mietsteigerung von knapp 6 Prozentpunkten bereits kräftig zugelegt.

München für Studierende weiterhin am teuersten

Teuerster Studienort bleibt München, wo Studentinnen und Studenten für eine 30 Quadratmeter große Musterwohnung mit normaler Ausstattung in Hochschulnähe 787 Euro berappen müssen. Stuttgart hat Rückstand zu München aufgeholt und liegt fast gleichauf mit 786 Euro. In Berlin zahlen Studenten für die Musterwohnung 718 Euro. Am günstigsten lebt es sich im Osten: In Chemnitz kostet die Muster-Studentenbude 224 Euro Miete, in Magdeburg 303 Euro und in Leipzig 383 Euro. Es handelt sich um Beträge für Warmmieten. Neben den reinen Mietkosten wurden Nebenkosten in Höhe von 20 Prozent einkalkuliert.

Auch das Leben in Wohngemeinschaften ist nochmal deutlich teurer geworden: Für ein 20 Quadratmeter großes WG-Zimmer zahlen Studenten der Studie zufolge in München 545 Euro, in Berlin 487 und in Stuttgart 473 Euro. In Chemnitz kostet ein vergleichbares Zimmer 186 Euro. Die Preise für ein solches Musterzimmer sind im Bundesschnitt im Vergleich zum Vorjahr um 9,4 Prozent gestiegen.

Auch die jüngste BAföG-Erhöhung könne nicht für generelle finanzielle Entlastung sorgen, teilten MLP und Institut der deutschen Wirtschaft mit. Der erhöhte Wohnzuschlag von 360 Euro im BAföG-Höchstsatz decke in nur zwei Hochschulstädten die Miete für eine studentische Musterwohnung - nämlich in Chemnitz und Magdeburg. In München könnten Studenten für den Höchstzuschlag gerade mal 17 Quadratmeter bezahlen.

Konkurrenz um günstige Wohnungen verschärft sich

«Durch den enormen Anstieg der Energiepreise verschiebt sich die Nachfrage in Richtung kleinerer und günstigerer Wohnungen», erklärte Michael Voigtländer, Immobilienexperte am Institut der deutschen Wirtschaft. «Zudem suchen viele Menschen, die bislang Eigentumswohnungen erwerben wollten, wegen starker Zinsanstiege nun nach Mietwohnungen. Dies hat zur Folge, dass sich die Konkurrenz im Markt für studentisches Wohnen weiter verschärft - mit entsprechenden Folgen für die Mietkosten und das Angebot.»

Zudem belaste die Inflation die Studenten laut Studie massiv. Mangels finanzieller Rücklagen und niedrigem Einkommen seien Studierende von den jüngsten Preissteigerungen stärker belastet als der Durchschnittshaushalt. Das mittlere Einkommen der Studierenden habe sich zuletzt sogar leicht verschlechtert (2020: 950 Euro, 2018: 1000 Euro). Dabei kämen viele Studierenden nach der Corona-Krise und dem Wegfall zahlreicher Studierendenjobs finanziell gerade erst wieder auf die Beine, sagte MLP-Vorstandsvorsitzender Uwe Schroeder-Wildberg.

© dpa
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