Einzelhandel fehlen Waren und Kunden

Steigende Preise, steigende Zinsen, wirtschaftliche Unsicherheit: Immer mehr Menschen haben sich in den vergangenen Wochen mit Einkäufen zurückgehalten. Doch dem Handel fehlen nicht nur Kunden.
Drei Viertel der Händler kämpft laut Ifo noch mit Lieferengpässen. Am stärksten sei der Lebensmitteleinzelhandel betroffen: 90 Prozent der Befragten berichteten von Problemen. © Sven Hoppe/dpa

Die stark gestiegenen Preise haben vielen Menschen die Lust auf einen Einkaufsbummel genommen. Doch vor dem Weihnachtsgeschäft keimt im Handel etwas Hoffnung. Nach einer Branchenumfrage sind die Menschen wieder etwas eher bereit, sich etwas anzuschaffen.

Der monatelange Abwärtstrend der Verbraucherstimmung halte nicht mehr an, teilte der Handelsverband Deutschland in Berlin mit. Beim eigenen Einkommen und der Wirtschaftsentwicklung sind die Menschen demnach etwas optimistischer als zuletzt. Zugleich wollten die Menschen aber auch mehr sparen als zuvor.

Weniger Kunden im Oktober

In den Geschäften jedenfalls war zuletzt deutlich weniger los als etwa im Sommer. Fast die Hälfte der vom Ifo-Institut befragten Einzelhändler berichten im Oktober von weniger Kunden in ihren Läden als im Juli. Wegen der hohen Inflation «können sich gerade einkommensschwache Menschen weniger leisten und sind zurückhaltend mit Einkäufen», sagte der Leiter der Ifo-Umfragen, Klaus Wohlrabe, am Montag in München.

Nicht nur Kunden fehlen. Drei Viertel der Händler kämpft laut Ifo noch mit Lieferengpässen. Am stärksten sei der Lebensmitteleinzelhandel betroffen: 90 Prozent der Befragten berichteten von Problemen. Bei den Baumärkten bekämen 86 Prozent nicht alle bestellten Waren. Und die Spielzeugwarenhändler machen sich Sorgen um das für sie so wichtige Weihnachtsgeschäft: 63 Prozent könnten gegenwärtig nicht das volle Sortiment anbieten.

Auch Möbelhändler spüren Kundenrückgang

Dass die Kunden seltener einkaufen gehen, spüren laut Ifo-Institut die Möbelhäuser am meisten: «80 Prozent der befragten Unternehmen berichteten davon, dass weniger Kunden kamen.»

Denn die Verbraucherstimmung liegt nach dem Index des Handelsverbands mit 85 Punkten auf dem zweitniedrigsten Wert seit Jahren. Das Zahlenwerk stützt sich auf eine monatliche Umfrage unter 1600 Menschen und soll die Erwartungen für die nächsten drei Monate abbilden. «Von Optimismus kann noch keine Rede sein», hob der Verband hervor. «Ob die Kaufzurückhaltung zum Weihnachtsgeschäft anhält, werden die kommenden Wochen zeigen.» Im Fall einer Rezession dürfte sich der Konsum weiter abschwächen.

© dpa
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