Wie Studierende trotz Corona ins Ausland gehen

24.01.2022 Viele Studierende wollen international Erfahrungen sammeln und fremde Kulturen kennenlernen. Seit Corona ist das nicht mehr so einfach. Trotz Pandemie finden viele junge Menschen einen Weg ins Ausland.

Trotz der Pandemie lässt sich ein Semester im Ausland verbringen. Studierende brauchen jedoch Geduld und Flexibilität. © Christin Klose/dpa-tmn

Der Traum vom Studieren an fernen Orten und Semesterpartys mit Kommilitonen aus aller Welt ist wegen der Corona-Pandemie für viele geplatzt. Strenge Einreisebestimmungen in Übersee, lange Wartezeiten auf einen Impftermin - einiges stand den Reiseplänen im Weg.

Für Fabian Jutzi, Student der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz, hat es dennoch geklappt. Trotz der Pandemie machte er sich im August 2021 auf für ein Semester an die University of Memphis im Südosten der USA.

«Ich wäre eigentlich schon im Januar 2021 gegangen», sagt der Student. Zu dem Zeitpunkt seien vor Ort jedoch nur Online-Vorlesungen möglich gewesen. Auch die Gefahr, sich während des Aufenthalts mit Corona zu infizieren, sei wegen des geringen Impffortschritts Anfang des Jahres zu groß gewesen. «Wegen Corona haben wir das Ganze dann verschoben.» Mit etwas Geduld konnte Jutzi das Auslandssemester dann wenige Monate später doch noch antreten. «Ich war dann doppelt geimpft», sagt der Student.

«Sehr offen für Neues»

Dennoch hatte der Mainzer Glück, dass er trotz Corona Erfahrungen an einer ausländischen Uni sammeln konnte. Rund die Hälfte der Studierenden, die den geplanten Aufenthalt verschieben mussten, habe das Vorhaben letztendlich absagen müssen, weil ihr Studium fast abgeschlossen war, erläutert Veronica Stumm vom International Office der Hochschule Koblenz. «Die Studierenden waren aber sehr offen für Neues.» So sei aus dem eigentlichen Traumreiseziel Australien dann mal Singapur geworden, aus den USA Südkorea - und eine Reise habe dank der Flexibilität der Studierenden dann doch noch geklappt. «Die Studierenden wollen weg. Der Wille ist da. Die, die wollen, gehen dann auch raus», sagt die Studierendenberaterin.

Für viele Studierende sei es in der Hoch-Zeit der Corona-Pandemie einfacher gewesen, einen Studienaufenthalt oder ein Studium im EU-Ausland zu planen und anzutreten, meint der Sprecher des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), Michael Flacke. «Insbesondere, da es nach dem Sommer 2020 keine Einreisebeschränkungen für Studierende in der EU mehr gab und sie, unter Einhaltung aller Corona-Maßnahmen, gut ins Gastland reisen konnten.»

Strand statt Sofa

Vor allem wegen des starken Wunsches nach Abwechslung seien junge Leute daher zu Kompromissen bereit gewesen, sagt Ilse Page von der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen (HWG). Der Reiz, sich nach Online-Vorlesungen statt auf das Sofa an den Strand zu legen, habe viele von einem Semester in Europa überzeugt.

Einige Studierende seien über das Online-Angebot der Partner-Unis aus der heimischen WG ins Auslandssemester gestartet, sagt die Beraterin. Rund 17 Prozent aller Stipendiatinnen und Stipendiaten des DAAD beispielsweise nutzten Ende 2021 diese Möglichkeit, wie Flacke berichtet. «Rund acht Prozent haben den Start des Stipendiums verschoben, weniger als ein Prozent ist vom Stipendium zurückgetreten.» Dem Großteil sei es jedoch möglich gewesen, wie geplant an die Unis ins Ausland zu reisen.

«Ein Auslandssemester ist immer eine Mega-Erfahrung»

Aufenthalte innerhalb Europas können bald bei den Studierenden beliebter sein als in Übersee, meint der Experte. «Insgesamt fühlt sich das vielleicht ein bisschen sicherer an, als komplett ans andere Ende der Welt zu reisen», sagt auch Alexandra Michel, Geschäftsführerin von College Contact. Die Agentur mit Sitz in Frankfurt berät junge Leute vor einem Auslandsaufenthalt und vermittelt sie an Universitäten in der ganzen Welt.

«Kann man einreisen? Kann man aber auch schnell hin- und zurückkommen?» Das seien die Fragen, die viele Interessierte vorab beschäftigten. Der Gedanke, bei einer möglichen Corona-Erkrankung nicht allzu weit vom Zuhause entfernt zu sein, sei für viele beruhigend, erklärt Michel. Auch deshalb habe die Agentur ihr innereuropäisches Angebot weiter ausgebaut. «Irgendwas geht dann immer. Wenn die Studierenden flexibel sind, gibt es da durchaus Möglichkeiten.» Generell seien jedoch die USA weiterhin das am stärksten nachgefragte Gastland der Agentur.

Aus Sicht des Mainzer Studenten Jutzi lohnt es sich, bei der Planung des Auslandssemesters Kompromisse einzugehen. «Wenn man bereit ist, sich auf etwas Neues einzulassen, dann ist ein Auslandssemester immer eine Mega-Erfahrung. Mir hat es unglaublich viel Spaß gemacht und unglaublich viel gebracht, das Semester in Memphis zu machen.»

© dpa

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