Darf mein Arbeitgeber meinen Browserverlauf überwachen?

Zeigt der Browserverlauf auf Ihrem Arbeitsrechner nur berufliche Webseiten-Besuche? Viele Beschäftigte surfen während der Arbeitszeit auch mal privat. Geht das den Arbeitgeber etwas an?
Auf welchen Webseiten sind die Angestellten unterwegs? Der Browserverlauf auf dem Dienstrechner geht den Arbeitgeber nur etwas an, wenn die private Nutzung des Internets verboten ist. © Christin Klose/dpa-tmn

Manche Arbeitgeber möchten am liebsten ganz genau wissen, was ihre Beschäftigten den ganzen Tag machen. Zum Beispiel, welche Webseiten sie so ansteuern. Aber dürfen Unternehmen das überwachen?

Bei dieser Frage komme es darauf an, was zwischen den Arbeitsvertragsparteien - also Arbeitnehmer und Arbeitgeber - vereinbart ist, erklärt Johannes Schipp, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Gütersloh.

«Hat der Arbeitgeber die Nutzung des Internets gestattet? Hat er sie eingeschränkt gestattet? Oder hat er eine private Nutzung des Internets generell verboten?» Arbeitgeber könnten ihren Beschäftigten durchaus vorschreiben, dass der private Gebrauch von Arbeitsgeräten grundsätzlich verboten ist.

Browser-Kontrolle kann zulässig sein

Abhängig davon, was vereinbart ist, haben Arbeitgeber nun verschiedene Möglichkeiten. «Bei der härtesten Linie dürfen sich Arbeitgeber die Geräte angucken und auch den Browserverlauf nachvollziehen», sagt Schipp.

Gilt ein beschränktes Zugriffsrecht für das Internet - etwa dass der private Gebrauch nur außerhalb der Arbeitszeit zulässig ist - dürfe der Arbeitgeber Browserverläufe ebenfalls prüfen. Das ist laut Schipp aber nur möglich, wenn der Arbeitgeber berechtigten Grund zu der Annahme hat, dass das Internet während der Arbeitszeit genutzt wurde.

«Dann geht es in den Bereich des Arbeitszeitbetrugs: Ein Arbeitnehmer lässt sich bezahlen, obwohl er während der Arbeitszeit allein privaten Interessen nachgeht», sagt Schipp. Für einen konkreten Verdacht brauche es aber Hinweise, dass die Nutzung tatsächlich während der Arbeitszeit stattfand.

Wo es gestattet ist, Geräte generell privat zu nutzen, können Arbeitgeber Browsertätigkeiten in der Regel nicht ohne weiteres prüfen.

Das Thema Datenschutz ist nicht endgültig geklärt

Nicht höchstrichterlich geklärt sei bei der Frage zudem das Thema Datenschutz, sagt Schipp. Dem Fachanwalt zufolge wird in der Literatur diskutiert, ob die Datenschutzgrundverordnung Auswirkungen auf die Verwertbarkeit von Browserdaten hat.

Dazu gebe es bislang aber nur Gerichtsentscheidungen vor Einführung der Datenschutzgrundverordnung. «Augenblicklicher Stand ist demnach, dass Arbeitgeber die Daten bei anlassbezogener Prüfung auch verwerten dürfen.»

Zur Person: Johannes Schipp ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in Gütersloh und Mitglied im Deutschen Anwaltverein (DAV).

© dpa
Weitere News
Top News
Fußball news
Bundesliga: Labbadia zurück beim VfB: «Nicht irgendein Club für mich»
Tv & kino
Fernsehen: RBB: Aus für preisgekrönte Talkshow «Chez Krömer»
Tv & kino
Netflix: Guillermo del Toros «Pinocchio»: Ein Stop-Motion-Meisterwerk
People news
Leute: Anna Wilken wehrt sich gegen Reaktionen auf Schwangerschaft
Internet news & surftipps
Internet: Regierungschef Weil kritisiert und verlässt Twitter
Gesundheit
OECD: Lebenserwartung in EU 2021 wegen Corona gesunken
Das beste netz deutschlands
Sicherheitslücke: Chrome-Browser braucht dringend Update
Das beste netz deutschlands
Meldung an die Behörden: Klick gegen Hass im Netz: Hamburg schaltet Portal frei
Empfehlungen der Redaktion
Job & geld
Arbeitsrecht: Sind Verschwiegenheitsklauseln zum Gehalt zulässig?
Job & geld
Arbeitsrecht: Jobbewerbung: Wie lange darf Probearbeit dauern?
Job & geld
Rechte und Regeln: Was Beschäftigte zum Firmenhandy wissen müssen
Job & geld
Arbeitsrecht: Darf mein Arbeitgeber Geräte zum Energiesparen ausschalten?
Job & geld
Arbeitsrecht: Darf mein Arbeitgeber unbezahlten Urlaub anordnen?
Job & geld
Arbeitsrecht: Muss ich in der Ausbildung Überstunden machen?
Job & geld
Persönliche Schutzmaßnahmen: Arbeit im Freien: Muss Arbeitgeber die Sonnencreme bezahlen?
Job & geld
Rechtsfrage: Muss ich auf Verlangen des Betriebs Arbeitszeit verkürzen?