So erkennen Anleger nachhaltige Geldanlagen

Ab dem 2. August müssen Anlageberater Kunden nach Präferenzen zum Thema Nachhaltigkeit befragen, und passende Angebote liefern. Doch wie erkennen Anleger, dass die Geldanlage wirklich nachhaltig ist?
Wer in nachhaltige Geldanlagen investieren will, sollte sich nicht von vermeintlich grünen Werbeversprechen blenden lassen. © Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Wer in nachhaltige Geldanlagen investieren will, sollte die Werbeversprechen der Anbieter kritisch hinterfragen. Angebote sowie die Kriterien sollte man genau vergleichen. Dazu rät die Verbraucherzentrale NRW.

Denn immer wieder gebe es Klagen, weil Anbieter sich nur einen grünen Anstrich geben. Das Problem: das so genannte Greenwashing ist rechtlich schwer nachweisbar. Begriffe wie nachhaltig, grün, ethisch-ökologisch oder klimafreundlich sind nicht geschützt - jeder Anbieter kann sie verwenden, und jeder Anleger versteht darunter etwas anderes.

Abkürzungen im Fondsnamen

Klassische Finanzprodukte werden anhand der Kriterien Risiko, Rendite und Liquidität bewertet. Bei nachhaltigen Geldanlagen geht es zudem um Aspekte wie Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung, kurz ESG. Die englische Abkürzung steht für Environmental, Social and Governance, erklärt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin). Oft ist auch die Rede von SRI (Socially Responsible Investment) - also gesellschaftlich verantwortliche Kapitalanlagen.

Diese Abkürzungen stecken in vielen Fondsnamen. Allerdings sind sie keine Garantie für Nachhaltigkeit, warnt die Verbraucherzentrale NRW. Denn es gibt keine staatlichen Vorgaben oder Siegel, wann diese Bezeichnungen wirklich gerechtfertigt sind.

Auf welche Hinweise Anleger achten können

Statt sich von schönen Bildern grüner Wiesen verzaubern zu lassen, sollten Anleger sich auf Fakten und Zahlen konzentrieren, rät die Stiftung Warentest. Seriöse, nachhaltig wirtschaftende Unternehmen legen demnach ihre Strategie zur Nachhaltigkeit transparent offen.

Wichtig: Anleger sollten sich über das Hauptgeschäft des Unternehmens oder des Fonds informieren. Denn manche Anbieter verzichten zwar auf Investments in Kohle, Atomkraft oder Waffen, investieren aber überwiegend in umweltschädliche Branchen. So schmücken sie sich mit einzelnen grünen Produkten. Entscheidend ist laut «test.de», ob die Nachhaltigkeitsziele in das gesamte Geschäftsmodell integriert sind.

Anleger sollten sich auch nicht von Diagrammen blenden lassen. Wirbt ein Anbieter etwa mit Einsparpotenzialen im CO2-Bereich, sollte er seine Berechnungsgrundlage offen legen. Manche Angaben beruhen nur auf Schätzungen. Auch Siegel und Logos geben nicht automatisch Sicherheit und Orientierung - insbesondere wenn Anbieter sie selbst vergeben.

Eigene Ziele kennen

Wichtig ist, dass Anleger sich ihre persönlichen Ziele klar machen, raten Verbraucherschützer. Soll die Geldanlage etwa konkrete, nachprüfbare Auswirkung haben - etwa weniger CO2-Ausstoß? Oder reicht es, wenn Anbieter darauf verzichtet etwa in Kohle, Atomenergie oder Waffen zu investieren?

Eine Orientierung bietet etwa die Stiftung Warentest. Sie bewertet regelmäßig Geldanlagen und deren Nachhaltigkeitskriterien, und stellt die Ergebnisse in einem Fondsvergleich dar.

Neue Regelungen treten in Kraft

Ab dem 2. August 2022 müssen Anlageberater Kunden nach ihren Präferenzen zum Thema Nachhaltigkeit befragen, und dem Anleger dann passende Angebote präsentieren. Die EU-Kommission hat zudem eine Art Katalog für klimafreundliche Investitionen auf den Weg gebracht. Die sogenannte Taxonomie tritt nun stufenweise in Kraft - und soll Finanzprodukte nach ihrer Nachhaltigkeit kategorisieren.

Die Verbraucherzentrale NRW rät Anlegern, sich weiterhin gut zu informieren und auf Details zu achten - denn ab 2023 gelten etwa auch Investitionen in Gas- und Atomkraftwerke unter bestimmten Auflagen als nachhaltig.

© dpa
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