Stress und Angst erhöhen Herzinfarktrisiko

01.08.2022 Dass Stress ungesund ist, spüren die meisten am eigenen Leib. Dass Stress aber sogar das Risiko für Herzinfarkte erhöht, wird bislang oft unterschätzt. Das gilt auch für psychische Leiden. Betroffen sind allein in Bayern 1,5 Millionen Berufstätige.

Ein Hinweisschild auf einen Defibrillator hängt an einer Wand. Unsere psychische Gesundheit ist mitunter ausschlaggebend für das Herzinfarktrisiko. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Depressionen, Ängste und auch Stress auf der Arbeit erhöhen das Herzinfarktrisiko - der DAK Bayern zufolge hat jeder fünfte Beschäftigte im Freistaat dadurch ein größeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

«Zwischen Psyche und Herz gibt es eine auffällige Wechselwirkung», erläuterte Landeschefin Sophie Schwab die Ergebnisse des aktuellen DAK-Gesundheitsreports, die der Deutschen Presse-Agentur vorab vorlagen. «Depressionen und negativer Stress sind bereits für sich genommen eine große Belastung. Sie gehen aber auch buchstäblich ans Herz.»

Mehr Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen

In Bayern sind die Fehlzeiten im Job aufgrund psychischer Erkrankungen in den vergangenen zehn Jahren um die Hälfte gestiegen - sie sind inzwischen die zweithäufigste Ursache für eine Krankschreibung. Hochgerechnet auf alle Erwerbstätigen haben laut DAK rund 1,54 Millionen Menschen in Bayern durch Depressionen, Ängste oder Arbeitsstress mindestens einen psychischen Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Betroffenen weisen auch vermehrt verhaltensbedingte oder körperliche Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck und Adipositas auf.

Der Report zeigt darüber hinaus, dass es eine Wechselwirkung zwischen Depressionen und der koronaren Herzkrankheit (KHK) gibt. Bei KHK verschließen sich langsam die Herzkranzgefäße, und es kann auch schon im mittleren Lebensalter zu einem akuten Herzinfarkt kommen. «Zum einen ist es so, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen häufiger Herzprobleme haben. Zum anderen zeigen unsere Abrechnungsdaten, dass Herz-Kreislauf-Patientinnen und -Patienten auch häufiger eine psychische Erkrankung entwickeln», erklärte Schwab.

Früherkennung und Behandlungsmöglichkeit finden

Auch Probleme am Arbeitsplatz können Stress und Ängste befeuern - vor allem dann, wenn zwischen der (gefühlt) erbrachten Leistung auf der einen und Wertschätzung sowie Vergütung auf der anderen Seite eine Kluft ist. Laut Report sind zehn Prozent der Befragten in Bayern davon betroffen - Frauen doppelt so häufig wie Männer.

«Wichtig ist die Früherkennung und Aufklärung über adäquate Behandlungsmöglichkeiten», betonte Psychosomatik-Experte Stephen Aita von der Klinik Höhenried. Ansonsten drohten akute Verschlechterung und Chronifizierung. «Eine besondere Bedeutung dabei haben sozialer Rückzug und Antriebsverlust: Es kommt zu körperlicher Inaktivität sowie zur Vernachlässigung von Interessen und sozialen Beziehungen, wodurch die psychophysische Gesundheit noch mehr unter Druck gerät.»

Im Schnitt sterben fast 50.000 Menschen pro Jahr im Freistaat an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Experten zufolge ist das Risiko für einen Herzinfarkt bei Depressionen ähnlich hoch wie bei starkem Übergewicht.

© dpa

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