So vermeiden Sie Corona-Diskussionen unterm Tannenbaum

17.12.2021 Letztes Jahr an Weihnachten gab Corona die Regeln fürs Feiern vor. Dieses Jahr sind wir weiter, doch einfacher ist es nicht unbedingt. Mit diesen Tipps gerät das Familienfest nicht zum Pulverfass.

Wie viele Menschen dürfen sich unter welchen Bedingungen treffen, um gemeinsam Weihnachten zu feiern? Letztes Jahr gab es da klare Vorgaben. Mit der Möglichkeit zur Impfung ist die Situation dieses Jahr eine andere.

Dennoch: Die Oma ist vielleicht geimpft, das kleine Enkelkind nicht. Dem Neffen gehen die ganzen Vorsichtsmaßnahmen auf die Nerven, dagegen glaubt die Tante, man könne nicht vorsichtig genug sein. Wie also das Fest der Familie begehen, so dass es allen gut geht damit?

Auf jeden Fall sollte man im Vorfeld darüber sprechen, sagt die Limburger Familientherapeutin Sabine Ungeheuer. «Es muss ausgesprochen werden: «Wenn wir zusammenkommen, was brauchst du für dich, was brauche ich für mich?»» Achtung: In so ein Gespräch gehören nicht die unterschiedlichen Ansichten zum Impfen. Sondern es geht darum, wie eine gemeinsame harmonische Feier gestaltet werden kann.

Der Vorsichtige bestimmt die Regeln

Für den Berliner Psychotherapeuten Wolfgang Krüger gilt dabei: «Derjenige, der am vorsichtigsten ist, muss die Regeln bestimmen.» Das heißt, es wird auf die Schwächsten Rücksicht genommen. Und das müssen nicht unbedingt die Ältesten und Kränksten sein, sondern das können auch die ungeimpften Kinder sein.

Zum Glück gebe es ja die Möglichkeit des Testens, meint Sabine Ungeheuer. «Jeder kann sich für den gemeinsamen Abend oder sogar drei Tage vorher jeweils testen.» Testen sei das Minimum und könne wirklich jedem zugemutet werden - vom Überängstlichen bis zur Coronaleugnerin.

Manche Eltern überlegen vielleicht, ihr Kindergartenkind schon ein paar Tage vor der geplanten Familienfeier zu Hause zu lassen. In so einer Situation eine legitime Maßnahme, findet Wolfgang Krüger. Sabine Ungeheuer gibt allerdings zu bedenken: «Dann müssen das schon wieder die Kinder tragen.» Sie plädiert daher vor allem für umfangreiches Testen im Vorfeld.

Ist das gemeinsame Ziel, an Weihnachten zusammen zu sein, lassen sich praktikable Lösungen finden, die für alle tragbar sind, glaubt Familientherapeutin Ungeheuer. Dieses Ziel ist dann wichtiger als die unterschiedlichen Überzeugungen, mit denen sich Eltern, Kinder und Co gegenseitig stehen lassen sollten.

Klappe halten und abwaschen gehen

Kommt es beim Thema Corona immer wieder zum Knall, sollte man es unterm Weihnachtsbaum besser meiden. «Wurden schon alle Argumente ausgetauscht, kann man es einfach dabei belassen», sagt Sabine Ungeheuer. «Lass du mir meine Haltung und ich lasse dir deine», sollte die Einstellung lauten. «Wo wir als Familie zusammenkommen, lass uns schauen, dass wir uns miteinander wohlfühlen.»

Was aber, wenn sich etwa der Schwiegersohn oder die Cousine nicht daran halten, sondern immer wieder auf heikle Punkte zurückkommen? «Schwierig wird es, wenn einer oder mehrere meinen, sie müssten die ganzen kleinen Tretminen ansprechen», sagt Krüger. Dann gingen die anderen meist in die Offensive und man habe sich in der Wolle.

«Aussteigen», lautet sein Tipp. In manchen Situationen gebe es nur die Grundregel: Klappe halten. «Da muss ich auch an Weihnachten wissen, wann der richtige Zeitpunkt ist, wo ich lieber in die Küche gehe und abwasche.» Was nach Krügers Erfahrung auch immer funktioniert: «Sie können, wenn die Gespräche schwierig sind, mit völlig anderen, absurden Fragen dazwischen grätschen.»

Ganz andere Gesprächsthemen als Notausgang

Entgleite die Situation, könne man zum Beispiel in die Runde fragen: «Was war die schönste Situation in eurem Leben?» Oder vorschlagen: «Wir sollten mal darüber diskutieren, was eigentlich Glück bedeutet.» Das passe überhaupt nicht und erstaune alle, unterbreche aber gerade deshalb die Spirale.

Dass es wegen Corona so sehr knallt, dass die Familie auseinanderbricht, hält der Psychotherapeut für selten. Auch wenn es oft massive Meinungsverschiedenheiten und Konflikte gibt, trennt man sich nicht. «Familien ticken anders als Freundschaften», weiß Krüger. «Sie haben seit Jahrhunderten den Anspruch: Wir halten zusammen, auch wenn wir uns überhaupt nicht verstehen.» In Krisenzeiten seien Familien daher immer ein stabiler Faktor gewesen.

© dpa-infocom GmbH

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