Mehr als 200.000 junge Menschen in Heim oder Pflegefamilie

Außerhalb der eigenen Familie zu leben ist für die meisten unvorstellbar. Für viele junge Menschen in Deutschland ist das aber Realität. Die Zahl der Betroffenen sinkt allerdings seit Jahren.
Im vergangenen Jahr lebten in Deutschland rund 87.300 junge Menschen in einer Pflegefamilie. © Arne Dedert/dpa

Die Zahl der jungen Menschen, die zumindest
vorübergehend außerhalb ihrer eigenen Familie aufwachsen, ist
gesunken.

Im vergangenen Jahr lebten in Deutschland rund 122.700 in
einem Heim und 87.300 in einer Pflegefamilie, wie das Statistische
Bundesamt am Donnerstag (27. Oktober) in Wiesbaden mitteilte. Das seien drei Prozent weniger als 2020. Die Zahl der Betroffenen sank damit den Statistikern zufolge das vierte Jahr in Folge. Das sei vor allem darauf zurückzuführen, dass ehemals unbegleitet eingereiste
Minderjährige - etwa Geflüchtete - die Heime oder Pflegefamilien, in
denen sie untergebracht waren, nun verstärkt wieder verlassen.

Die meisten der außerhalb ihrer Familie betreuten Kinder und
Jugendlichen waren minderjährig. Fast die Hälfte (49 Prozent) war
unter 14 Jahren, 20 Prozent galten als junge Erwachsene am Übergang
in ein selbstständiges Leben. Kinder bis zum Alter von zehn Jahren
wurden häufiger in Pflegefamilien betreut, danach überwog die
Erziehung in einem Heim, wie das Bundesamt weiter berichtete.
Außerhalb der eigenen Familie erzogen wurden etwas mehr Jungen (54
Prozent) als Mädchen. Der Aufenthalt im Heim endete im Schnitt nach
21 Monaten, die Unterbringung in einer Pflegefamilie nach etwas mehr
als vier Jahren oder 49 Monaten.

Betroffene oft nah am Existenzminimum

Die Eltern der betroffenen Kinder und Jugendlichen waren in etwa
jedem zweiten Fall (51 Prozent) alleinerziehend. Bei fast einem
Fünftel oder 19 Prozent hatte Mutter oder Vater einen neuen Partner,
bei 17 Prozent handelte es sich um zusammenlebende Elternpaare.
Auffällig sei, so das Bundesamt, wie häufig sich die Betroffenen nahe
dem Existenzminimum bewegten: «In 140.400 oder 67 Prozent aller Fälle
lebten die jungen Menschen selbst oder ihre Herkunftsfamilien
vollständig oder teilweise von Transferleistungen.»

Der häufigste Grund für eine Unterbringung in einem Heim oder bei
Pflegeeltern war 2021 den Statistikern zufolge, dass die jungen
Menschen als nicht ausreichend versorgt galten - etwa weil die
Bezugsperson durch Krankheit ausfiel oder sie alleine aus dem Ausland
eingereist waren. Als zweithäufigsten Grund nannte das Bundesamt
Kindeswohlgefährdung etwa durch Vernachlässigung, körperliche oder
sexuelle Gewalt sowie drittens eine eingeschränkte
Erziehungskompetenz der Eltern.

© dpa
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