Endlich Ferien: Sollten Schulkinder chillen oder pauken?

In den Ferien die ganze Zeit nur abhängen, die beste Idee ist das nicht. Es gibt viele Möglichkeiten für Kinder und Jugendliche, auch spielerisch zu lernen und so das eigene Wissen zu erweitern.

Schulalltag ade, endlich Ferien! Die meisten Kinder und Jugendlichen freuen sich unbändig auf die vor ihnen liegenden freien Wochen.

Wobei sich in vielen Familien die Frage stellt: Soll der Nachwuchs all die Zeit tatsächlich dem süßen Nichtstun frönen - oder vielleicht doch zwischendurch die ein oder andere Lektion für die Schule lernen? Also Matheformeln, Vokabeln und Co. in den Ferien pauken?

Für den Berliner Diplom-Psychologen Klaus Seifried ist klar: «Kinder und Jugendliche brauchen mal eine Pause, sowohl vom Schulalltag als auch vom Lernen.» Das gelte vor allem dann, wenn sie sich während des Schuljahres anstrengen, um das Lernpensum zu bewältigen. Aber auch Kinder und Jugendliche, die in der Schule weniger fleißig bei der Sache sind und deswegen schlechte Zeugnisnoten haben, benötigten in den Ferien Abstand und sollten keinesfalls die kompletten Ferien mit Lernen verbringen.

Daneben gibt es Schülerinnen und Schüler, die sich anstrengen und trotzdem schlechte Noten hätten: Auch sie brauchen eine Pause in Form von Ferien - «und gegebenenfalls eine professionelle Beratung, um herauszufinden, warum die Leistungen schlecht sind», so Seifried.

«Arbeitsprogramm» für Nachprüfung oder Wissenslücke

Steht eine Nachprüfung an oder sind in einem Schulfach die Leistungen eines Kindes oder Jugendlichen zwar nicht mangelhaft, aber grenzwertig, sollten Eltern mit ihrem Nachwuchs eine Art «Arbeitsprogramm» für die Ferien festlegen, rät Seifried. «Dabei kann beispielsweise die erste Woche frei sein und der Schüler oder die Schülerin nutzt diese Zeit für eigene Vorlieben», erklärt der Diplom-Psychologe.

Danach könnte dann pro Tag eine halbe Stunde Lernen für das Schulfach auf dem Programm stehen, in dem es Defizite gibt. Am Wochenende, also samstags und sonntags, ist frei - an diesen beiden Tagen entfällt die 30-minütige Lerneinheit. «Beide Seiten, also Eltern auf der einen und ihr Kind auf der anderen Seite, sollten klare Absprachen bezüglich des Lernens in den Ferien treffen», rät Seifried.

Zeit nur mit Gammeln vertrödeln? Bringt nichts

Um einen echten Erholungseffekt zu erzielen und zugleich die eigene Persönlichkeit zu formen, kommt es aber auch darauf an, dass Schülerinnen und Schüler ihre Freizeit in den Ferien aktiv gestalten. «Einfach nur abhängen und so Zeit mit Gammeln vertrödeln, bringt nichts», betont Seifried.

Als Ausgleich zum Lernen bietet sich ihm zufolge etwa Sport treiben an - oder beispielsweise Musik machen, künstlerische Projekte, handwerklich arbeiten oder im Garten das eigene Beet bearbeiten. «Einen solchen Ausgleich sollten Kinder und Jugendliche aber nicht nur in den Ferien, sondern auch im Schulalltag haben», so Seifried.

Es muss kein klassisches Pauken sein

Zurück zum Thema «Lernen» in den Ferien: Es muss nicht zwingend immer Pauken im klassischen Sinne sein, also am Schreibtisch sitzen und büffeln. «Kinder und Jugendliche können sich in den Ferien auch spielerisch Wissen und Fähigkeiten aneignen», sagt Dorothea Jung von der Bundekonferenz für Erziehungsberatung (bke) in Fürth.

In vielen Städten gebe es in den Ferien außerschulische Lernangebote für verschiedene Altersgruppen. Sie fänden etwa in einem Museum, auf einem Bauernhof oder in einem Zoo statt. So erwerben Teilnehmende Kenntnisse und blicken zugleich über den eigenen Tellerrand.

Auch Schülerforschungszentren oder Ferienakademien böten häufig spannende Ferienangebote für Kinder und Jugendliche - ob es nun etwa um die Sprache der Computer, Roboter aus Lego oder etwa um spannende Chemie-Experimente geht. Statt Vokabeln am Schreibtisch zu pauken, ist es oft besser, wenn Schülerinnen und Schüler einen Aufenthalt etwa in Großbritannien oder in einem anderen englischsprachigen Land beziehungsweise in Frankreich planen.

Vokabeln lernen in Gastland - oder beim Abendbrot

«Im Gastland haben sie dann die Möglichkeit, ihre Fremdsprachenkenntnisse in Alltagssituationen eher spielerisch zu verbessern», erklärt Jung. Wer nicht das Geld für einen Auslandsaufenthalt hat, kann eine Fremdsprache auch auf andere Weise im Alltag üben. «Zum Beispiel, Eltern und Kindern unterhalten sich abends am Essenstisch etwa auf Englisch», so Jung. Oder Eltern lesen ihrem Nachwuchs etwas auf Englisch vor - und anschließend tauschen sich beide Seiten über den Inhalt aus.

Ebenfalls möglich: «Virtuelle Lernangebote nutzen, die eher spielerisch angelegt sind», erklärt Jung. So finden sich im Internet beispielsweise Portale in Sachen Englischlernen - etwa für Fußballbegeisterte. Auch etwa über Rätsel und Quiz lässt sich Englisch lernen.

Und wenn Kindern und Jugendlichen schlicht die Motivation fehlt, um sich in den Ferien Wissen und Fähigkeiten anzueignen? «Dann sind die Eltern am Zuge», betont Seifried. Die Eltern sollten dann mit ihren Kindern besprechen, welche Ziele sie eigentlich haben und wie sie diese Ziele erreichen wollen.

Denn klar sei: Wenn Ziele fehlten, mangele es auch an Motivation. «Mütter und Väter müssen sich bewusst sein, dass sie entscheidende Vorbilder für ihre Kinder sind», so Seifried. Je zielstrebiger und motivierter Eltern ihren Weg gehen, desto eher können sie für ihren Nachwuchs ein Beispiel sein.

© dpa
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